Koschyk bei Senivita Mehr Dialog über neue Altenpflege

Hartmut Koschyk. Foto: Andreas Harbach/Archiv

BAYREUTH. Hartmut Koschyk, früherer Staatssekretär sowie Beauftragter für Aussiedler und Minderheiten, hat beim Pflegeunternehmen Senivita einen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender übernommen. Gegenüber dem Kurier äußerte sich der CSU-Politiker über seinen neuen Posten und die Zukunft der Altenpflege.   

Herr Koschyk, Sie waren Bundestagsabgeordneter, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Bei Senivita waren Sie bislang Mitglied des Aufsichtsrats. Jetzt übernehmen Sie den Vorsitz im Aufsichtsrat. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Hartmut Koschyk: Ich war bislang Aufsichtsratsvorsitzender der Senivita Sozial, einer gemeinnützigen GmbH, die in der Behindertenhilfe, der Kinderkrankenpflege sowie über Tochterfirmen in der schulischen Bildung und der Altenpflege tätig ist. Künftig werde ich bei Senivita Sozial nur noch in einem Beirat vertreten sein. Vor kurzem wurde ich in den Aufsichtsrat der Senivita Social Estate AG (SSE) berufen und zu dessen Vorsitzendem gewählt. Die SSE plant innovative Pflegeimmobilien, die auf Basis des Konzepts Altenpflege 5.0 betrieben werden. Das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden reizt mich, weil ich so einen Beitrag leisten kann, eine enorm wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft zu lösen. Wir wollen die Pflege unserer Senioren in Zukunft so gestalten, dass sie den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht wird. Ein wichtiger Part, den die SSE übernehmen kann, ist die Schaffung moderner Pflegewohnanlagen. Und zwar auch in kleineren Gemeinden, wodurch die Senioren auch im hohen Alter in ihrer Heimat bleiben können. 

Wie sieht Ihre praktische Arbeit 
konkret aus?

Koschyk: Als Vorsitzender des Aufsichtsrates habe ich eine beratende und beaufsichtigende Funktion. Außerdem wirke ich an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens mit. Hier bringe ich gerne meine Kenntnisse und Erfahrungen ein. Besonders werde ich mich dem strukturellen Wachstum der SSE widmen und den Dialog über neue Modelle der Pflege sowie internationale Kooperationen in der Pflegeausbildung intensivieren.

Als Bundestagsabgeordneter haben Sie Ihre Einkünfte offengelegt. Tun Sie das als Aufsichtsratsvorsitzender auch?

Koschyk: Bisher ist über meine Vergütung noch gar nicht entschieden worden. Sie wird jedoch im Jahresabschluss der SSE offengelegt werden.

Als Aufsichtsratsvorsitzender sind Sie in erster Linie dem Unternehmen verpflichtet. Welche Rolle spielen da noch die Pflegebedürftigen?

Koschyk: Im Leitbild der Senivita-Gruppe steht der pflegebedürftige Mensch im Mittelpunkt. Es gilt, angelehnt an Alexis Carrel, das Motto: „Dem Leben nicht nur Jahre, sondern den  Jahren  Leben schenken.“ Ich denke, dass wir mit dem von der Senivita-Gruppe entwickelten Konzept Altenpflege 5.0 den individuellen Bedürfnissen sehr gut gerecht werden können – wobei es selbstverständlich immer noch Optimierungspotenzial gibt. 

Ein Unternehmen strebt nach wirtschaftlichem Erfolg, während pflegebedürftige Menschen die bestmögliche Versorgung verdienen. Wie wollen Sie als Vorsitzender des Aufsichtsrates den Spagat meistern? 

Koschyk: Die SSE ist ein Unternehmen, das Erträge erzielen will und muss – auch um das Konzept Altenpflege 5.0 weiterentwickeln zu können. Eine solide finanzielle Basis ist auch nötig, um die erforderlichen Pflegeeinrichtungen schaffen zu können. Ich darf darauf hinweisen, dass die Pflegeleistungen in Nordbayern von unseren Tochterfirmen erbracht werden. Außerdem setzen wir in Zukunft noch stärker auf Kooperationen mit renommierten Partnern. Ein Beispiel dafür sind das Rote Kreuz sowie nun in Kemnath die Caritas, die Awo und ein privater Pflegedienstleister. Unser Gesamtpaket, das Wohnen im Apartment und Pflege beinhaltet, ist unserer Einschätzung nach auch im Hinblick auf den zu zahlenden Eigenanteil sehr konkurrenzfähig. Eine gute Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist so gewährleistet.

Der demografische Wandel macht die Versorgung unserer Senioren zur Aufgabe der Zukunft. Welche Herausforderungen werden die Senivita-Gruppe und Sie als Aufsichtsratsvorsitzender meistern müssen?

Koschyk: Längerfristig werden die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz eine größere Rolle spielen. Diese können jedoch die persönliche Pflege durch Menschen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Der Mangel an Fachkräften wird wohl auch in Zukunft die größte Herausforderung sein. Laut Bertelsmann-Stiftung werden bis 2030 fast 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen. Die Lücke müssen wir schließen. Deshalb betreibt die Senivita auch vier eigene Fachschulen. Zusammen mit den chinesischen Universitäten Shenyang und Dalian planen wir den Aufbau einer zweisprachigen Berufsfachschule für Pflegefachkräfte. Langfristig ist es das Ziel, chinesische Fachkräfte für die Arbeit in Deutschland zu begeistern und gleichzeitig China unser Wissen und unsere Erfahrungen zur Verfügung zu stellen.

 

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