Konzert mit umstrittenen Bands

Rock Society Pegnitz

Ein Pegnitzer Verein hat zwei umstrittene Bands, die offenbar dem Rechtsrockbereich angehören, zu einem Konzert in Oberfranken eingeladen. Das Konzert soll am 27. Januar, dem bundesweiten Auschwitz-Gedenktag, stattfinden. Ein  Vereinsverantwortlicher versicherte, mit Rechts habe das Konzert nicht zu tun.   

Bei den eingeladenen Bands handelt es sich laut Veranstaltungsflyer um Bombecks aus Thüringen und Roials aus Sachsen. Organisiert wird das Konzert, das als „Privatveranstaltung“ tituliert wurde, vom Verein Rock Society Pegnitz. Ein Ort und eine Uhrzeit werden auf dem Flyer nicht genannt, die Anmeldung und weitere Infos erfolgen über die Facebook-Seite des Vereins. 100 Gäste könnten teilnehmen.  

Oi-Punk

Der Verein wollte bereits am 28. Mai 2011 ein Konzert unter anderem mit Bombecks auf dem Sportgelände der SG Trockau veranstalten. In mehreren Internetforen wurde damals vor allem diese Gruppe als „offen gegenüber dem Rechtsrocklager“ bezeichnet.

Der damalige Vorsitzende, Roland Baierlein, hatte gesagt, die drei Bands hätten nichts mit der rechten Musikszene zu tun. Bei den Gruppen Bombecks, Martens Army und Hardfive gehe es um sogenannten Oi-Punk und unpolitischen Skinhead, hatte Baierlein versichert. Die musikalischen Erzeugnisse von Bombecks wurden damals auch unter einem Anbieter im Internet vertrieben, auf dessen Plattform sich die Produkte zahlreicher Nazi-Bands tummelten, hatte  unsere Zeitung berichtet. Aufgrund des öffentlichen Wirbels wurde das Konzert in Trockau schließlich Mitte Mai 2011 abgesagt.          

Pflege von Rockmusik

Seit dem 8. Januar 2018 führen Ralph Wittmann (Vorsitzender) und sein Bruder Andreas Wittmann (Stellvertreter) aus Pegnitz die Rock Society. Der Zusammenschluss, der am 9. Juni 2009 ins Vereinsregister eingetragen wurde,  habe sich die Pflege und Förderung von  Rockmusik zum Ziel gesetzt, hieß es in der Satzung. Ausdrücklich wird betont, dass der Verein politisch und konfessionell neutral sei.

Bei den Bands Bombecks und Roials handle es sich um Skinheadbands, die sich der Musikrichtung des „Oi!“ zurechnen lassen, erklärte Markus Schäfert, Pressesprecher des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, auf Anfrage. „Oi!“-Skinheads verstünden sich selbst als unpolitisch und würden in der Regel nicht vom Verfassungsschutz beobachtet, wobei eine „trennscharfe Abgrenzung“ nicht immer möglich sei, sagte Schäfert.

In Neonaziband aktiv

Bei der Thüringer Band Bombecks hätten sich in der Vergangenheit relevante Bezüge nach Bayern ergeben: Die Musik der Band sei teilweise über das rechtsextremistische Label DIM Records in Coburg veröffentlicht worden. Dieses Label ist auch im bayerischen Verfassungsschutzbericht 2016 aufgeführt. 

Bombecks und Roials seien Bands, die eher dem Rechtsrockbereich zuzurechnen seien, erläuterte Michael Weiss aus Berlin. Er ist  Buchautor und Experte für Rechtsrock. Beide Bands bemühten sich um ein eher „unpolitisches“ Auftreten. Die Verbindungen der Bands beziehungsweise einzelner Bandmitglieder in extrem rechte Kreise seien jedoch offenkundig. So spiele bei Roials eine Person, die zugleich in der Neonaziband "Kraft durch Froide" aktiv sei, erläuterte Weiss.

Doch sollte man die beiden Gruppen nicht mit dem harten Kern der Neonazibands „in einen Sack stecken“. Eher, dass Bands wie Bombecks („mit ihrem unvermeidlichen rechten Publikum“) eine andere Facette des Rechtsrocks bespielten: „Nicht so radikal und spaßorientiert“.

Vereinsinterne Sache

Andreas Wittmann, zweiter Vorsitzender von Rock Society Pegnitz, sprach bei dem geplanten Konzert von einer vereinsinternen Sache.  Auf eine öffentliche Einladung habe man verzichtet, da im Vorfeld „zu viel gemauschelt und gemunkelt“ werde.

Die Bezeichnung der Gruppe Bombecks als rechts stimme so nicht. „Wir lassen uns auf keine rechte Schiene drücken“, betonte er. Bei dem Konzert handle es um eine Privatveranstaltung für geladene Gäste. Auf die Konzertabsage 2011 angesprochen, wollte er keine weiteren Kommentare zu Bombecks abgeben. Das gleiche galt zur Band Roials.

Keine Bedenken

Viele Informationen zu den beiden Bands stammten aus dem Internet, seien „Halbwissen“. Auch der bayerische Verfassungsschutz verfüge mit seiner Einschätzung nur über „Halbwissen“. „Wen wir privat spielen lassen, geht nur uns etwas an“, meinte Wittmann. Bei den Musikern der beiden Bands habe er keine Bedenken, dass sie rechts seien, „wir kennen die Leute“. Es gebe keine Bedenken, dass der Verein „in die rechte Szene reingerate“.

Dass am 27. Januar der alljährliche Auschwitz-Gedenktag ist, habe er nicht gewusst. „Es besteht kein Zusammenhang mit dem Konzert“, versicherte Wittmann.  

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