Konzert des Orchestervereins Interview mit dem Klarinettisten Seraphin Maurice Lutz

Seraphin Maurice Lutz. Foto: red

BAYREUTH. Bereits im Alter von zehn Jahren begann Seraphin Maurice Lutz ein Jungstudium an der Hochschule für Musik in Nürnberg. Beim Konzert des Bayreuther Orchestervereins am Sonntag, 14. Oktober, in der Stadtkirche spielt er den Solopart im Konzert für Klarinette und Orchester f-Moll von Carl Maria von Weber. Im Kurier-Interview spricht der heute 20-Jährige über das bevorstehende Konzert, sein Studium und über den Albtraum eines jeden Klarinettisten.

Herr Lutz, das F-Moll-Konzert von Carl Maria von Weber wird von Klarinettisten ganz besonders geschätzt. Was zeichnet das Stück aus?

Seraphin Maurice Lutz: Das Konzert zeigt die ganze Bandbreite der Klarinette, die Virtuosität mit vielen Auf- und Abbewegungen, gleichzeitig auch die großen Phrasen und Cantilenen, die den Opernkompositionen Webers entsprechen. Beides trifft hier aufeinander: Virtuosität und Musikalität.

Welches ist Ihr Lieblingssatz?

Lutz: Eigentlich alle. Jeder Satz hat einen eigenen Charakter.

Ist der langsame der am schwersten zu spielende?

Lutz: Alle drei Sätze sind anspruchsvoll. Der zweite ist vor allem anspruchsvoll in Bezug auf die Gestaltung und den Ausdruck. Es kommt darauf an, dass man das tiefsinnig spielt, und auch versteht, was da passiert. Und dass man die Ruhe findet. Er ist ein Ruhepol vor dem dritten Satz.

Bei Geigern spielt ja auch das jeweilige Instrument eine wichtige Rolle. Wie ist das bei Klarinettisten?

Lutz: Es gibt in Deutschland verschiedene Klarinettenbauer. Viele Klarinettisten in deutschen Orchestern spielen auf Wurlitzer-Klarinetten. Diese Marke muss man spielen, um ein Probespiel in einem Orchester zu gewinnen. Mittlerweile gibt es auch andere Marken. Ich spiele auf einer Wurlitzer von 1990.

Wird ein Instrument besser, wenn es viel gespielt wird?

Lutz: Es wird schon besser, wenn es eingespielt ist. Vor allem die Mechanik und das Holz müssen erst mal richtig eingespielt sein, sodass das Holz auch durchschwingt.

Der Albtraum eines jeden Klarinettisten ist wohl, wenn das Holzblättchen reißt.

Lutz: Wenn man sich vor dem Konzert ein super Holzblatt vorbereitet hat, und sich darauf freut, das Konzert darauf zu spielen, muss man dafür das perfekte Timing haben. Wenn man das nicht ganz genau hinbekommt, kann es sein, dass das Blatt vor dem Konzert stirbt. Dann steht man plötzlich da und muss sich ein neues Blatt suchen. Deshalb muss man immer Ersatzblätter haben. Das ist schon der Albtraum – dass man daran anstößt oder es nicht mehr schwingt, weil es abgenutzt ist. Das kann manchmal kurz vor dem Konzert passieren. Dann muss man sich auf ein neues Blatt einlassen und sich sofort umstellen.

Ist Ihnen das schon mal im Konzert passiert?

Lutz: Zum Glück nicht. Wenn man im Orchester spielt, ist es leichter. Dann kann man das Blatt in den Pausen schnell wechseln. Im Solokonzert muss man sich entscheiden. Entweder man zieht es durch oder man greift in ein paar Takten Pause schnell ein Ersatzblatt aus der Hosentasche.

Wie lange brauchen Sie, um es zu wechseln?

Lutz: Es sollte in 15 Sekunden drauf sein. Man muss es kurz befeuchten, drauf tun, Schraube drauf und zubinden. Es sollte schon schnell gehen.

Sie haben bereits im Alter von zehn Jahren mit einem Musikstudium begonnen. Wie läuft das ab?

Lutz: Das war ein Jugend-Studium, also nicht das volle Programm mit Vorlesungen. Was mir angeboten wurde, war wöchentlicher Unterricht bei einem Professor und auch wöchentliche Vorbereitungen in Musiktheorie, Musikgeschichte und Gehörbildung. Das bereitet gut aufs Studium und die Eignungsprüfungen an den Hochschulen vor.

Jetzt sind Sie vermutlich im richtigen Studium.

Lutz: Im Moment bin ich im fünften Semester und hatte schon meine Bachelor-Zwischenprüfung. Neben dem Klarinettenstudium auch im Klavierstudium. Das hat super geklappt.

Ist denn Sabine Meyer nach wie vor das Vorbild für alle Klarinettisten?

Lutz: Definitiv. Sabine Meyer ist schon ein großes Vorbild. Ich hatte vor drei Jahren bei ihr einen Meisterkurs. Sie ist schon sehr toll. Ihre CD-Einspielungen höre ich mir immer an.

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