Konzert der Kulturfreunde Der Zink als Star des Abends

Spielten auf nach historischen Vorbildern angefertigten Instrumenten: die Musiker von Concerto Stella Matutina im Konzert der Gesellschaft der Kulturfreunde. Foto: Markus Roider

BAYREUTH. Man mochte glauben, dass das Hören von Musik in Stereo-Qualität eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist. Ist es aber nicht. Denn: In den Genuss des Effekts, der vor Jahrzehnten mittels Stereoanlage Einzug in jedes Wohnzimmer hielt, kamen bereits die Musikhörer des 17. Jahrhunderts. Davon konnten sich am Mittwoch die Besucher des Konzerts des Ensembles Concerto Stella Matutina im Europasaal des Zentrums überzeugen. „Glanz, Würde und Humor“, lautete das Motto.

Durch die Positionierung der Bläser in zwei Gruppen, verteilt auf die linke und rechte Bühnenseite, wurde das Doppelchörige vieler Stücke zu einem eindrucksvollen Raumklangerlebnis. Man spielte sich gleichsam die motivischen Bälle zu. Was die Trompeten vorgaben, wurde von Posaune und Zink retourniert, so dass sich ein faszinierendes musikalisches Pingpong-Spiel ergab. Beim Ausloten der Klangmöglichkeiten, die der Europasaal bietet, beschränkten sich die Musiker freilich nicht auf die Bühne. So wurde auch die Empore miteinbezogen, und ein ganz besonderer Echo-Effekt entstand dadurch, dass beim Duett zweier Zink-Spieler der eine hinterm Bühnenvorhang in sein Instrument blies.

Überhaupt: der Zink. Oder – wem der deutsche Name zu trivial klingt –: das Cornett. Jedenfalls: Das Instrument, das im 19. Jahrhundert allmählich aus den Orchestern verschwunden ist, war der Star des Abends. Zum einen erwies sich das Stück Holz, das in seiner Form einer leicht gekrümmten Bockwurst nicht unähnlich ist, als durchaus geeignet, bis zu einem gewissen Grad die menschliche Stimme zu imitieren. Zugleich war der Zink imstande, dem gesamten Ensemble beim Tutti-Spiel eine gewisse klangliche Würze zu verleihen, wie etwa bei den Schlussakkorden von Johann Heinrich Schmelzers Sonata duodecima à 7. Glanz und Würde kamen so zu ihrem Recht.

Das Blatt überreizt

Für den Humor sorgte der musikalische Leiter des Ensembles, Frithjof Smith, der nicht nur den Zink zum Klingen brachte, sondern auch aus einem Zeitungsnachruf auf einen Stadtzinkeristen im 19. Jahrhundert zitierte, der einst einen Triller derart glorios ausführte, dass er dabei das Gleichgewicht verlor und infolgedessen vom Turm stürzte. Man könnte sagen: Der Zinkerist hatte das Blatt überreizt. Zurück blieb die Stadtzinkeristenwitwe. Was das Publikum im Europasaal amüsiert zur Kenntnis nahm.

 

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