Kommentar zu Knoblich Pro Aussprache: Würdelos

Wollte sich vor dem Stadtrat erklären, durfte schließlich aber nicht: Tobias Knoblich, der im Sommer zum Kulturreferenten von Bayreuth gewählt worden war - jetzt aber Kulturdezernent in Erfurt wird. Er war am Mittwoch nach Bayreuth gekommen. Ein Geschäftsordnungsantrag verhinderte, dass er sich erklären durfte. Foto: Eric Waha

KOMMENTAR. Ein würdeloses Bild gab der Bayreuther Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch ab. Nach einem vom CSU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Specht gestellten Antrag zur Geschäftsordnung musste Tobias Knoblich die Sitzung verlassen.

Natürlich hätte Tobias Knoblich am Mittwoch nicht mehr zur Sitzung des Bayreuther Stadtrats kommen müssen. Durch seine Annahme der Dezernentenstelle in Erfurt war in der Sache alles gesagt. Nach den Verwerfungen, zu denen Knoblichs Doppelbewerbung geführt hatte, hätte die Aussprache aber ein versöhnliches Ende dieser Etappe auf der Suche nach einem Kulturreferenten herbeiführen können. Man hätte sich mit Anstand und Würde getrennt.

Das hat eine Mehrheit im Stadtrat, bestehend aus CSU, SPD, FDP/DU und JB verhindert. Man war sich nicht zu Schade, erneut die beleidigte Leberwurst zu geben, dabei dem Irrglauben zu verfallen, die Muskeln spielen lassen zu können und sich der Illusion hinzugeben, den Schlussstrich zu ziehen, den Tobias Knoblich längst gezogen hat.

Wie peinlich ist das denn? Es ging nicht darum, eine Sache zu beenden, sondern ums Atmosphärische. Mag sein, dass man sich nun innerhalb der Stadtmauern Bayreuths im Glauben, das Heft des Handels wieder in die Hand genommen zu haben, zuraunt: „Dem hammas zaichd.“ Die Außenwirkung wird freilich eine andere sein.

Mit gemischten Gefühlen

Wie sagte Knoblich am Mittwoch im Rathaus: Er werde Bayreuth „mit gemischten Gefühlen“ verlassen. Dazu muss man sich nochmals in Erinnerung rufen: Der Erfurter wird bald eine Dezernentenstelle in einer Landeshauptstadt antreten. Vor wenigen Wochen wurde er von den Mitgliedern und Delegierten der bundesweiten Fachorganisation Kulturpolitische Gesellschaft zu deren Präsidenten gewählt. Knoblichs Vorgänger in diesem Amt war 2013 designierter Staatsminister für Kultur und Medien im „Schattenkabinett“ von Peer Steinbrück. Man darf dieses Gremium wohl als einflussreich bezeichnen. Wird künftig in diesem Kreis die Rede auf Bayreuth kommen, so wird – zumindest beim Präsidenten – ein negativer Beigeschmack auftauchen. Insofern können diejenigen Stadtratsmitglieder, die für den Antrag des CSU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Specht gestimmt haben, über Weihnachten darüber nachdenken, ob sie Bayreuth damit einen guten Dienst erwiesen haben.

Knoblich selbst kam sich, während Specht seinen Antrag begründete, nach eigenen Worten so vor, als würde er vor Gericht sitzen. Doch der Vergleich hinkt. Selbst Schwerverbrecher haben vor Gericht das Recht, in eigener Sache zu sprechen.

Vielleicht wollte aber der ein oder andere Stadtrat dem Kandidaten aus Erfurt, der Bayreuth tatsächlich einige Wochen im Regen hat stehen lassen, einfach nur zeigen, wo der Hammer hängt. Dumm nur, dass man versehentlich in die entgegengesetzte Richtung gehauen hat.

roman.kocholl@nordbayerischer-kurier.de

 

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