Kommentar zu Knoblich Kontra Aussprache: Strich drunter

Wollte sich vor dem Stadtrat erklären, durfte schließlich aber nicht: Tobias Knoblich, der im Sommer zum Kulturreferenten von Bayreuth gewählt worden war - jetzt aber Kulturdezernent in Erfurt wird. Er war am Mittwoch nach bayreuth gekommen. Ein Geschäftsordnungsantrag verhinderte, dass er sich erklären durfte. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Eine Redewendung, die wunderbar auf die Sache Knoblich passt. Der Kulturreferent, der Kulturreferent war, aber lieber dann doch Kulturdezernent werden wollte. In Erfurt bleiben, statt nach Bayreuth gehen wollte.

Tobias Knoblich hat sich entschieden, weil er in der Stadt, in der er vor seiner Entscheidung, nach Bayreuth zu gehen, lebte und arbeitete, eine andere Position bekommt und auch mehr Geld verdienen kann als in Bayreuth. Eine Entscheidung, die nicht nur legitim ist, sondern eine, die man auch respektieren muss. Auch wenn Knoblichs Wende in voller Fahrt das Amt des Kulturreferenten in Bayreuth noch einmal – weil zum wiederholten Mal – saublöd dastehen lässt. Bayreuth hat kein Glück mit dieser Position.

Vertrauen gewonnen und Porzellan zerschlagen

Genau vor diesem Hintergrund muss man auch die Mehrheit des Stadtrats verstehen, die Knoblich am Mittwoch unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt hat. Die keine Erklärung des Mannes mehr hören wollte, der erst das Vertrauen einer Mehrheit im Stadtrat gewonnen und dann durch sein Verhalten Porzellan zerschlagen hat in einer Stadt, die sich Kulturstadt nennt.

Knoblich hat nicht gepokert, sagt er glauhaft

Man muss Knoblich glauben, wenn er im Gespräch mit dem Kurier sagt, er habe nicht gepokert. Hatte in Erfurt gekündigt, sich auf Bayreuth eingestellt, als dann überraschend die Nominierung in Erfurt gekommen sei. Für ihn selbst war es sicher nicht leicht, durch das Stahlbad zu gehen, das er sich selbst eingebrockt hat. Das ist die menschliche Seite.

Die Argumente sind ausgetauscht

Aber: All die Argumente, das Für und Wider, sind längst ausgetauscht. Zusammenzufassen in einem Satz: Knoblich bleibt in Erfurt. Insofern hätte eine Erklärung Knoblichs im Stadtrat nichts bringen können. Außer vermutlich – dazu kennt man den Stadtrat zu gut – einem weiteren politischen Wellenschlagen im Anschluss an die Erklärung, das weder Knoblich, noch dem Stadtrat und erst recht nicht der zu besetzenden Stelle gut getan hätte.

Absetzen wäre besser gewesen

Es wäre wahrscheinlich sogar klüger gewesen, den Tagesordnungspunkt für die letzte Stadtratssitzung des Jahres 2018 mit ihrem ohnehin vollgestopften Programm abzusetzen, als klar war, dass Tobias Knoblich Kulturdezernent und nicht berufsmäßiger Stadtrat und Kulturreferent wird. Es hätte der Sache sämtlichen Wind aus den Segeln genommen.

Entscheidung sollte Schäden verhindern

Dass die Oberbürgermeisterin Knoblich zum Abschied „im Namen einiger“ schöne Weihnachten wünschte, allerdings zeigt, wie wenig souverän sie mit der Angelegenheit umgeht, dass sie sich einer Mehrheitsentscheidung beugen muss. Einer Entscheidung, die weder gegen sie, noch gegen Knoblich gerichtet war. Sondern die nur das Ziel hatte, um der Sache willen und ohne Schäden zu hinterlassen, endlich einen Strich drunter zu machen.

eric.waha@nordbayerischer-kurier.de

 

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