Kommentar: Von der Leine

Lucy, der Hund von Gesche Karstens kann bald auf Hundewiesen in der Wilhelminenaue spielen. Hinter Zaun. Foto: Andreas Harbach

Das war eine schwere Geburt, Donnerwetter! Der Antrag der CSU-Stadträte Thomas Ebersberger und Franz-Peter Wild, die Hunde von der Leine zu lassen, hat gezeigt, wie viele Emotionen in dem Thema stecken. Und wie viele Bedenken man gegen ein an sich so einfaches Thema haben kann, das in vielen anderen Städten einfach gelöst wird.

Die Ausgangslage ist simpel: Ebersberger und Wild wollen nichts anderes als eine Abschaffung der Leinenpflicht in der Wilhelminenaue – dem größten Bürgerpark der Stadt. Man erinnere sich: Die Aue zwischen Flößanger und der Hölzleinsmühle war eine riesige Grünfläche, in der bevorzugt Gassigeher unterwegs waren. Während der Gartenschau hatten die Hundehalter das Nachsehen, jetzt ist wieder Platz für alle. Deshalb machte der Antrag Sinn. Zumal er einen Kompromissvorschlag lieferte: Wenn eine Abschaffung der Leinenpflicht nicht geht, dann sollten zumindest Hundeweisen ausgewiesen werden.

Verwaltung hat es sicher gut gemeint

Die Verwaltung hat es sicher gut gemeint, im Rahmen der Neufassung der Grünanlagensatzung – in der einige echt lustige Dinge stehen – auch das Laufenlassen von Hunden neu zu regeln. Aber wie so oft im Willen, alles regulieren zu müssen, ist man übers Ziel hinaus geschossen. Und mit der Verwaltung der Haupt- und Finanzausschuss, der sich in der Sitzung am Mittwoch heiß und heißer redete. Das Ergebnis, dass in der Wilhelminenaue zwei Grünflächen ausgewiesen werden, die eingezäunt oder abgeplankt werden sollen, um Hunde laufen zu lassen, ist die typische Bayreuther Lösung. Alles voll sicher. Und so, dass möglichst wenig passieren kann. Aber halt auch so, dass einem schnell die Lust vergeht. Die wenigsten Hundehalter – eine ganz persönliche Vermutung – dürften großen Spaß daran haben, ihren Hund auf einer solchen Fläche laufen zu lassen. Dort, wo sich hinter Holz oder Draht die Hunde zum Tollen ballen. Wo Stress unter Hunden programmiert ist.

Die Minderheit vermasselt der Mehrheit die Freiheit

Leider ist es so, dass Regelungen, wie sie jetzt in der Wilhelminenaue ausprobiert werden, nur deshalb zustande kommen, weil sich der kleinste Teil der Hundehalter nicht um die einfachsten Vorgaben scherten. Wer Hunde frei laufen lässt, die er nicht im Griff hat, wer die Hinterlassenschaften seines Hundes nicht mitnimmt, der stempelt die anderen Hundehalter in den Augen derer gleich mit ab, die im Extremfall Angst vor Hunden haben. Denn ohne diese Erfahrungen wäre die einfachste Lösung gewesen, ausreichend Hundekotbeutelspender aufzustellen und aufs entspannte Zusammenspiel zwischen Menschen mit und ohne Hund zu setzen. Aber so ist vieles von der Leine.

eric.waha@nordbayerischer-kurier.de

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