Kommentar Schule weiter denken

Zum Schulanfang am Dienstag geht es wieder rund an den Schulen in Stadt und Landkreis Bayreuth. Foto: Archiv/Ronald Wittek

KOMMENTAR.

Die Ranzen sind gepackt. Am Dienstag geht sie los. Für die, die zum ersten Mal den Weg gehen. Oder wieder los. Für die, die schon wissen, was sie erwartet: die Schule in ihren unterschiedlichen Fortschrittsstufen. Der größte Fehler, den die Eltern machen können, machen sie leider schon seit Generationen. Sie geben den Kurzen mit auf den Weg, dass ja jetzt der Ernst des Lebens für sie beginne.

Dass der dann tatsächlich so eintritt, liegt daran, dass für so manches Kind spätestens in der vierten Klasse der Druck zunimmt: das Gymnasium soll es doch bitte schon sein. Nachhilfe schon für unter Zehnjährige wird von der absoluten Ausnahme schon fast zum Regelfall. Das Kindsein, der Spaß am Entdecken, am Sport, am Lachen – bleibt auf der Strecke.

Wenig Innovationsfreude

Die Schule – allgemein gesprochen – trägt ihren Teil dazu bei, dass aus Spaß Ernst wird. Und dass das auch 13 Jahre lang so bleibt. Die Innovationsfreude in der Breite der Schulen scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein. Schlüssige Konzepte wie das Lernhaus-Konzept, das für Offenheit der Räume, für Selbstständigkeit der Schüler steht, tropfen in eher homöopathischer Dosis in die Schullandschaft. Ebenso bleibt die Reform des Gymnasiums, das die Rolle rückwärts vom achtjährigen zum neunjährigen Gymnasium macht, bestenfalls ein Reförmchen mit kosmetischem Effekt. An das Kind denkt da keiner: Natürlich kommen die jungen Schüler irgendwie damit zurecht und irgendwie durch, dass sie nach dem Verdauen des Kulturschocks – des Wechsels von Grundschule auf Gymnasium – ein Jahr nach der ersten auch die zweite Fremdsprache übergestülpt bekommen. Es scheitern auch nicht alle. Aber es leiden viele still darunter, dass ihnen die Zeit knapp wird, ihre Persönlichkeit nebenbei zu entwickeln und das Lernen vernünftig zu lernen. Eine Grundkompetenz, die auf der Strecke bleibt.

Wo bleibt die Wertschätzung der Grundschullehrer?

Was außerdem fehlt, was auch zahlenmäßig messbar ist: Die Wertschätzung derer, die den Grundstein für die Bildung legen – die Grundschullehrer. Warum sollen die Lehrer, die die Kinder vorbereiten auf die Zukunft, die entscheidende Weichen stellen, heute immer noch weniger verdienen als die Lehrer in den weiterführenden Schulen? Ihre Arbeit ist unterschiedlich. Aber gleich viel wert. Es macht Sinn, Schule weiter zu denken. Weil es um das Wichtigste geht: die Entwicklung der Kinder, die Freiraum braucht zum Wachsen.

eric.waha@nordbayerischer-kurier.de

 

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