Kommentar: Lächerliche Lücken

Premiere in Bayreuth: Der Stadtrat ist ab Mittwoch, 27. September, 18 Monate lang im Live-Stream im Internet zu sehen. Die Testphase kostet rund 30.000 Euro. Foto: Eric Waha

Operation gelungen, Patient – lebt. Technisch hat alles geklappt bei der ersten Live-Übertragung aus dem Bayreuther Stadtrat. Ein paar Ton-Wackler. Ein paar Probleme mit den Mikrofonen, wie sie eher die Regel als die Ausnahme sind bei der Anlage im Sitzungssaal. Die Premiere, die für die Techniker hinter dem Projekt eigentlich die Generalprobe war, war also ein Erfolg. Nein. War sie leider nicht.

Denn wenn man sich vor Augen hält, dass es etwa fünf Jahre vom ersten Antrag bis zur Umsetzung gedauert hat, ist schon das ein fragwürdiger Zeitraum. Kommunen, die dem Trend gefolgt sind, als es noch ein Trend war, live aus dem Stadtrat zu berichten, haben diese Anstrengungen inzwischen wieder eingestellt. Wenn man den Aufwand anschaut, ploppt das nächste Fragezeichen auf: Die Technik, das Filmteam, Auf- und Abbau, der blitzschnell erledigt sein muss. 30.000 Euro kosten für 18 Monate – also 18 Sitzungen – des Testzeitraums. Damit 200 Menschen verfolgen können, wie der Stadtrat diskutiert. 230 waren es am Mittwochnachmittag, bei brisanten Themen. Die Erfahrungen zeigen: Die Resonanz nimmt eher ab, nicht zu.

In Wort und Bild nicht verfügbar - konterkariert die Transparenz

Was dann allerdings die Übertragung gar ganz in Frage stellt, ist die Tatsache, dass sieben Stadträte und drei Referenten ihr Veto eingelegt haben. Wenn sie sprechen, erscheint eine Tafel, auf der lesen ist: „In Wort und Bild leider nicht verfügbar.“ Damit lässt der nicht verfügbare Referent, der in einen Tagesordnungspunkt einführt, die Zuschauer im Regen stehen. Man weiß nicht, um was es geht, weil der Sachvortrag fehlt. Genauso fehlt – vielleicht an entscheidender Stelle – eine Erwiderung eines nicht verfügbaren Stadtrats.

Lächerliche Löcher in einer Live-Übertragung. Hineingestanzt von Menschen, die namentlich und bildlich auf der Internetseite der Stadt verfügbar sind. Oder die sich im Wahlkampf und sonst in Wortbeiträgen nicht mit Papiertüten über dem Kopf vor zu viel Öffentlichkeit schützen. So erreicht man sicher nicht, dass sich die Menschen mehr für den Stadtrat interessieren.

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