Körperverletzung Auerbacher wegen Disco-Prügeleien verurteilt

Das Urteil ist gesprochen. Foto: Daniel Karmann dpa/lby

AUERBACH/ TROCKAU. Er fragt nicht lang, er schlägt einfach zu. Das brachte einen 30-jährigen Auerbacher vors Gericht. Wieder einmal.

Es ist ein kräftiger Typ, der da vorm Richter sitzt. Ehemaliger Möbelpacker. Wenn so einer zuschlägt, tut’s weh. Im September 2017 schlägt er einem jungen Mann aus Wiesenttal mit der Faust ins Gesicht. Es ist kurz vor 3 Uhr, im Musikcenter Trockau. Das Opfer kommt mit einer blutigen Nase und einem blauen Auge davon. Der Auslöser? „Er hat gemeint, ich solle seine Freundin nicht anschauen“, sagt der Geschlagene. Der Auerbacher entschuldigt sich bei ihm noch im Saal des Bayreuther Amtsgerichts. Das sei eben „dumm gelaufen“. Ob er sich denn noch daran erinnere, fragte Richter Eik Launert, oder ob er sehr betrunken gewesen sei.

Weiß nur noch Sachen von der Arbeit

„Das auch“, sagte der Ex-Möbelpacker, „aber ich hab seit Anfang April eine neue Arbeit als Prozessbetreuer. Da muss ich so viel lernen, da weiß ich nur noch Sachen von der Arbeit.“ Eine Antwort, die den Richter überhaupt nicht zufriedenstellt. Zumal noch die Freundin des Schlägers, die als Zeugin geladen ist, in jener Nacht ebenfalls handgreiflich wird und eine junge Frau aus Forchheim angreift. Aber auch sie kann sich nicht mehr daran erinnern.

Schlägt erneut zu

„Ja ist das denn so selbstverständlich, dass man so einen Vorfall gleich vergisst?“, fragt der Richter. Doch noch mehr wundert er sich über den Angeklagten. Denn der schlägt im März erneut zu, erneut im Musikcenter Trockau – und das, obwohl er zum Tatzeitpunkt weiß, dass gegen ihn noch wegen der ersten Schlägerei ermittelt wird.

Streit an der Bar

Diesmal gerät er mit zwei jungen Männern an der Bar des Musikcenters Trockau aneinander. Die beiden, 18 und 19 Jahre alt, sitzen dort und unterhalten sich. Der Schläger geht so ungeschickt hinter einem der beiden vorbei, dass er ihm den Stuhl wegzieht. Als dieser ihn zur Rede stellt, sagt der Auerbacher nur, er lasse sich doch nichts von 18-Jährigen sagen.

Geschädigter geht K.o.

Das lässt der Ältere der beiden nicht auf sich sitzen: Sie fangen an zu streiten. „Dann dreht sich der Angeklagte weg, ich denke, es sei vorbei und passe nicht auf – da dreht er sich schnell wieder in meine Richtung und schlägt mich mit der Faust.“ Der erste Schlag geht nur leicht an die Lippe, weshalb der Möbelpacker noch einmal ausholt und diesmal richtig trifft: Der Geschädigte geht für einige Sekunden K.o., blaues Auge inklusive.

Nicht die ersten Taten des Angeklagten

Dies sind nicht die ersten Taten des Angeklagten: Insgesamt fünf Einträge liegen aus dem Bundeszentralregister vor, der letzte aus dem Jahr 2012. Neben Diebstählen und Sachbeschädigungen ist dabei auch ein Raub mit gefährlicher Körperverletzung. Weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte, musste er sogar bis bis 2014 hinter Gittern.

110 Tagessätze

Die neuen Vorwürfe bestreitet der Angeklagte nicht, weshalb Staatsanwalt Christopher Feulner zum Schluss kommt, dieser räume die Taten ja ein und er nehme ihm seine Reue ab. Darum fordert Feulner ein Strafmaß von 7700 Euro in 110 Tagessätzen, die Prozesskosten soll er ebenso bezahlen.

Urteilsverkündung: Staatsanwalt überboten

Nach einer kurzen Unterbrechung verkündete Launert sein Urteil – und überbietet die Forderung des Staatsanwalts: Er verhängt eine Strafe von acht Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Auflage von 2000 Euro als Spende an einen gemeinnützigen Verein. Die Bewährung laufe drei Jahre lang: „Sie wissen ja, wenn Sie innerhalb der drei Jahre in irgendeiner Form straffällig werden, dann müssen Sie ins Gefängnis“, sagt Launert.

"Hopfen und Malz verloren"

Seine Begründung: Im Gegensatz zum Staatsanwalt habe er nicht gehört, dass der Täter die Vorwürfe eingeräumt habe. „Das Schlimme ist, dass es in beiden Fällen ohne Grund passierte“, sagt Launert. Eigentlich sei beim Angeklagten „Hopfen und Malz verloren“, denn er wisse genau, was ihn erwarte.

Keine schwerwiegenden Verletzungen

Aber er wolle ihm seine positive Entwicklung durch die neue Arbeit nicht verbauen und es sei zu keinen schwerwiegenden Verletzungen physischer wie psychischer Art gekommen. Der Angeklagte akzeptiert das Urteil, es tue ihm einfach leid. Dann hoffe er, sagt Launert noch, man sehe sich so schnell nicht wieder. Sonderlich überzeugt wirkt er dabei allerdings nicht.

 

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