Knapp 30 Sitze unbesetzt Hausärzte-Mangel in Oberfranken verschärft sich

Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

BAYREUTH. Im Regierungsbezirk Oberfranken könnten vom Fleck weg nahezu 30 praktische Ärzte die Arbeit aufnehmen. Besonders groß ist der Bedarf in Coburg, Wunsiedel, Lichtenfels und Speichersdorf.

Menschen auf dem Land fühlen sich bei der medizinischen Versorgung zunehmend abgehängt. Je kleiner die Wohnorte sind, desto größer ist laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa die Unzufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung; die Umfrage war von der Krankenkasse AOK in Auftrag gegeben worden. Vor allem in ländlichen Regionen beklagen demnach die Befragten, dass sich in den vergangenen Jahren die Situation verschlechtert habe. Wie nahe derartige Umfragen an der Realität sein können, zeigt sich besonders deutlich im Norden Bayerns: Alleine in Oberfranken sind derzeit 29,5 Hausarzt-Sitze frei. In ganz Bayern könnten auf der Stelle 226,5 Hausärzte ihren Dienst antreten.

Speichersdorf und Creußen am krassesten unterversorgt

Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ist im Planungsbereich Coburg der Bedarf an Hausärzten besonders hoch; hier sind derzeit 7,5 Arztsitze vakant. Auffallend viele freie Arztsitze gibt es auch im Landkreis Lichtenfels (4,5) und im Raum Wunsiedel/Marktredwitz (5). In Hollfeld sind 2,5 Arztsitze frei.

Den niedrigsten Versorgungsgrad in ganz Oberfranken weist mit 79,7 Prozent der Planungsbereich Speichersdorf auf, zu dem Speichersdorf und Creußen gehören. Dieser Bereich, in dem drei Sitze frei sind, wird in der Kategorie „Drohende Unterversorgung“ geführt. Der Landkreis Hof und die Planungsbereiche Kulmbach, Himmelkron, Bayreuth, Weidenberg und Pegnitz gelten ebenso wie Kemnath im Landkreis Tirschenreuth dagegen als überversorgt.

Krankenkassen wissen um Probleme auf dem Land

Die Lage bleibt angespannt: „In den nächsten Jahren ist eine große Versorgungslücke zu erwarten, wenn viele unserer Mitglieder in den Ruhestand gehen“, teilt KVB-Pressesprecherin Birgit Grain auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Derzeit sind rund 36 Prozent der niedergelassenen Hausärzte in Bayern älter als 60 Jahre.“ In Teilen Oberfrankens sind die Ärzte noch älter. Beispiel Wunsiedel: Hier haben 60 Prozent der Hausärzte den 60. Geburtstag bereits hinter sich.

Wegen des Ärztemangels vor allem in den ländlichen Regionen müsse man über eine effiziente Verteilung der knappen Ressource Arzt nachdenken, betont die KVB-Sprecherin. Die Probleme auf dem Land sind auch den Krankenkassen bewusst. Die AOK will mit der vor Kurzem gestarteten Initiative „Stadt. Land. Gesund.“ die Versorgung gerade in ländlichen Regionen verbessern. Dafür setzt sie nicht in jedem Fall auf den Landarzt vor Ort, sondern auch auf alternative Ansätze. Dazu gehören Versorgungs-Assistentinnen und -Assistenten , die in Abstimmung mit dem Hausarzt chronisch kranke Patienten betreuen, ebenso wie der Ausbau von Video-Sprechstunden.

 

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