Klinikum: Weg mit den Fremdparkern

Das Klinikum aus der Luft. Foto: Türk

Auf ihre Fragen haben sie noch keine oder noch nicht alle Antworten erhalten. Deshalb wendet sich die „Interessengemeinschaft für eine zukunftsorientierte und ökologische Lösung der Parkplatzsituation am Klinikum Bayreuth“ (IGP) jetzt in einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG).

Das Klinikum habe zwar bei seiner Informationsveranstaltung einiges klären können, heißt es darin. Bei der Präsentation sei es jedoch nur um „monetäre Erwägungen“ gegangen. Das Klinikum stehe offenbar unter einem starken Kostendruck, vermuten daher die Verfasser. „Einen ganzheitlichen Ansatz vermissen wir schmerzlich.“

Der tatsächliche Parkplatzbedarf in den nächsten fünf bis zehn Jahren sei nicht hinreichend festgestellt worden, kritisieren die elf Unterzeichner des offenen Briefes. Warum alle derzeit benötigten Stellplätze auf einer Fläche entstehen müssten, erschließe sich nicht. Eine langfristige Kostenrechnung für ein Parkdeck auf dem bevorzugten Standort und dem bisherigen Parkplatz fehle völlig. Dass es bei einem Parkplatz mit 255 Stellflächen bleiben wird, damit rechnet die IGP längst nicht mehr. „Mit einer Entscheidung für einen Parkplatz auf der Nordseite der Preuschwitzer Straße ist gleichzeitig die Entscheidung für ein mehrgeschossiges Parkdeck auf dieser Fläche verbunden.“

Ampellösung oder Schranke

Ein Vorentwurf von Stadtbaureferentin Urte Kelm für den neuen Parkplatz sei im Bauausschuss gezeigt worden. Dieser weise die Option auf, den geplanten Parkplatz um zwei weitere Ebenen bis auf acht Meter Höhe aufzustocken. „Flächenhaftes Bauen, das ist meine grundsätzliche Haltung, ist städtebaulich nicht vertretbar“, sagt Kelm auf Nachfrage dazu. Doch das Bebauungsplanverfahren sei noch nicht eingeleitet worden. Im Flächennutzungsplan ist aber schon eine Fläche für das Klinikum vorgesehen. Dem Zweckverband gehört nördlich der Preuschwitzer Straße ein 16.600 Quadratmeter großes Areal.

Die mit dem Parkplatzbau einhergehende Flächenversiegelung und verschärfte Verkehrssituation seien bisher kaum thematisiert worden, moniert die IGP. Denn bei den Ein- und Ausfahrten entstehe nicht nur mehr Abbiegeverkehr. Auch mehr Fußgänger hätten die Preuschwitzer Straße und den Radweg zu überqueren. „Der Radweg soll offenbar verlegt werden und um den Parkplatz herumführen“, erklärt Ullrich Topf, einer der Unterzeichner, auf Kurier-Anfrage. Um den Verkehr zu steuern, sei an eine Ampellösung gedacht. Dabei seien bereits auf einer Fläche Richtung Rehaklinik Bauarbeiten für eine Zwischenlösung im Gange. „Warum wird der Platz nicht weiter genutzt und mit einer Schranke versehen?“

Verkehrsclub hält Parkgebühren für notwendig

Bislang werde viel zu wenig unternommen, um eine Fremdbelegung der vorhandenen Parkplätze zu vermeiden. „Die Fremdparker müssen als Erstes weg“, sagt Johannes Barfuß und stellt fest: „Mir fehlt generell ein Gesamtkonzept.“ Denn es gehe nicht nur darum, den Mitarbeitern Parkplätze zu sichern. Vielmehr sollte etwas unternommen werden, um den Bedarf nach Stellflächen generell zu senken, so Barfuß. Jobtickets, Fahrgemeinschaften, Fahrrad-Leasing, flexiblere Arbeitszeiten für Mitarbeiter oder eine Direktlinie vom Bahnhof zum Klinikum: Über all dies sei noch nicht ausreichend diskutiert worden.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) meldet Zweifel an, ob die Klinikum Bayreuth GmbH ausreichend Alternativen geprüft habe, um die Anzahl der parkenden Autos zu verringern. Deshalb sollten die Parkplätze in Zukunft keinesfalls mehr kostenlos angeboten werden, schlägt der VCD in einer Mitteilung vor. Geprüft werden solle vielmehr, ob der Stadtbusverkehr für Angestellte des Klinikums optimiert werden könne. Der Verkehrsverbund Nürnberg (VGN) biete vergünstigte Monatskarten für Mitarbeiter an.

Alternativangebote sollen "Parkdruck" mildern

Eine Park & Ride-Lösung sei hingegen ungeeignet. „Warum sollten ausgerechnet von Dörnhof aus Pendler parken und in den Bus umsteigen wollen?“ Durch bessere Alternativangebote, Mitfahrgelegenheiten und Parkgebühren werde der „Parkdruck“ abnehmen. Was zugleich geringere Kosten für neue Stellflächen bedeute. „Weniger privater Parkverkehr schafft höhere Sicherheit an Zufahrten, bessere Luft, mehr Grünflächen und Platz für andere Bauprojekte.“ Ähnlich hatte Stadtrat und SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Bauske argumentiert: „Es gibt ein Potenzial an Parkplätzen, das noch auszuschöpfen ist.“

Die Befürworter der naturschonenden Lösung vermuten: Anscheinend werde vor allem eine möglichst billige Lösung gesucht. „Die Situation ist nicht zufriedenstellend für uns“, sagt Helmut Schilling, der das Landschaftsschutzgebiet am Stadtrand bewahren will. „Alle Informationen für eine fundierte Entscheidung des Stadtrats müssen auf den Tisch.“

Klinikum argumentiert mit doppelten Kosten

Zu den Kosten erklärt Frank Schmälzle, Sprecher des Klinikums: „Wir kalkulieren derzeit mit einer Summe von knapp unter zwei Millionen Euro für die Anlage nördlich der Preuschwitzer Straße. Die Kosten für ein Parkdeck, das mehr Stellplätze umfassen würde, lägen voraussichtlich beim Doppelten der Investition für einen Parkplatz.“ Der Aufwand für Unterhalt und laufende Instandhaltung wäre im Vergleich zu einem Oberflächenparkplatz um etwa 40 Prozent höher.

Ginge es rein nach der Stellplatzverordnung der Stadt, so Schmälzle, würde das Klinikum die Mindestzahl an Parkplätzen erfüllen. „Tatsächlich ist der Bedarf aber größer.“ Von Montag bis Donnerstag seien die Parkflächen zwischen 9 und 15 Uhr überbelegt. In der Spitze mit 125 Autos zu viel, obwohl 671 Stellplätze frei nutzbar sind. Weitere Plätze würden nötig, weil 58 wegfallen, wenn die bestehenden verbreitert werden. 33 Parkplätze entfallen wegen des neuen Zentralen Operationsbereichs und 15 wegen des Neubaus einer Apotheke.

Flächenbedarf nimmt weiter zu

Doch der Flächenbedarf nimmt in Zukunft weiter zu, wenn ein Medizincampus gebaut wird und die Berufsfachschulen für Pflege ans Klinikum umziehen. Deshalb komme nicht jede der derzeit unbebauten Flächen für Stellflächen infrage, sagt Schmälzle. In der Jakob-Herz-Straße entstehe derzeit ein Interimsparkplatz, der über 200 Autos aufnehmen könne. Er sei für Mitarbeiter, Patienten und Besucher gedacht. Die Zwischenlösung sei von der Stadt für fünf Jahre genehmigt worden. Doch es handelt sich dabei um das Areal, das auch für ein Campusgelände geeignet wäre.

Einige Hundert Unterschriften haben Helmut Schilling und seine Mitstreiter bereits gesammelt. Und zwar aus dem ganzen Stadtgebiet, obwohl die IGP vorwiegend aus Bewohnern des Roten Hügels und Oberpreuschwitz besteht. Sie wollen weiterhin das Gespräch mit den Fraktionen suchen und ihr Ziel weiterverfolgen: Ein Parkdeck auf dem bestehenden Parkplatz, so wie es zum Beispiel das Lichtenfelser Krankenhaus vormacht. Alle außer der CSU hätten sich aufgeschlossen gegenüber dem Anliegen der parteineutralen IGP gezeigt, sagt Petra Uliczka. „Aber es ist gut, dass der Bauausschuss beim zweiten Mal genauer hingeschaut hat.“

Als Nächstes tritt Anfang November der Aufsichtsrat der Klinikum GmbH zusammen, um über den Parkplatznotstand zu beraten.

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