Kindesmissbrauch Vier Jahre Haft für Sportlehrer

Ein Sportlehrer aus Franken soll vier Jahre ins Gefängnis, weil er einem ihm anvertrauten Buben mehrfach missbraucht hat. Foto: Arne Dedert, dpa-Archiv

BAYREUTH. Für das sportbegeisterte Kind war er ein Vorbild. Für die Eltern des Buben war er eine Vertrauensperson. Doch sie gaben ihren Jungen einem Kriminellen in Obhut: Das Landgericht Bayreuth hat am Freitag einen Sportlehrer aus Oberfranken wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs und wegen Vergewaltigung eines Kindes verurteilt. Die Freiheitsstrafe von vier Jahren blieb deshalb so gering, weil der Mann die Taten gestand.

Das Tatopfer war zum Zeitpunkt der Sexualverbrechen elf Jahre alt. Der Junge war mehrfach mit dem Sportlehrer auf Turnieren und Trainingslagern unterwegs. Als das Kind im Sommer 2018 von einem Trainingslager zurückkehrte, bemerkte seine Mutter, dass mit dem Buben etwas nicht stimmt. Die misstrauische Mutter fragte ihren Sohn aus, bis der Bub sich nach und nach offenbarte.

Die Eltern des Jungen erstatteten Anzeige. Im Prozess gegen den Sportlehrer berichtete am Freitag der Ermittlungsrichter, dass das Kind per Videovernehmung und unter Hinzuziehung einer Aussagepsychologin und im Beisein des Verteidigers befragt wurde. Der Junge sei einerseits relativ gefasst, andererseits aber „gedrückter Stimmung“ gewesen. In der Befragung schilderte der Junge vier Fälle, bei denen er mit dem Sportlehrer bei Trainingslagern zusammen übernachtete. Der Mann habe ihn begrapscht und ihn dazu gebracht, ihn seinerseits anzufassen. Bei einem mehrtägigen Trainingslager im Sommer 2018 kam es zu den schwerwiegendsten Taten: das Kind schilderte, wie der Angeklagte bei ihm Oralverkehr vornahm und wie der Mann versuchte, an ihm Analverkehr zu vollziehen.

Der Richter bezeugte, dass die Videovernehmung gestoppt wurde, nachdem der Verteidiger, der Hofer Anwalt Jürgen Schmidt, intervenierte: Der Anwalt riet damals seinem Mandanten, ein Geständnis abzulegen, um dem Kind eine weitere quälende Befragung zu ersparen. Der beschuldigte Sportlehrer befolgte den Rat.

Der Oralverkehr und der versuchte Analverkehr sind rechtlich eine Vergewaltigung und ein schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes. Der Strafrahmen hierfür liegt zwischen zwei und 15 Jahren.

Der Sportlehrer kam als Angeklagter vor die Jugendkammer des Landgerichts. In der Verhandlung unter Vorsitz von Bernhard Heim ging es wie schon beim Ermittlungsrichter darum, das kindliche Opfer der Taten so weit wie möglich zu schonen. Hierzu trug erneut der Angeklagte bei, der zu Prozesserklärung seines Verteidigers, die Anklagevorwürfe würden vollumfänglich eingeräumt, sagte: „Ja, das stimmt alles, das ist richtig.“

Die Folge war: das Kind musste im Prozess nicht als Zeuge geladen werden, laut dem Gerichtsvorsitzenden Heim wusste der Bub gar nicht, dass gegen seinen ehemaligen Sportlehrer verhandelt wurde.

In dem Prozess beteuerte der Angeklagte, seine Taten täten ihm sehr leid. Der missbrauchte Junge sei etwas „besonderes“. Warum der Mann sich an dem Kind verging, wurde in dem Verfahren nicht klar. Der Gerichtsvorsitzende riet dem Mann, im Gefängnis einen Sexualtherapeuten zu rate zu ziehen, falls der Hintergrund der Taten homosexuelle oder pädophile Neigungen sein sollten.

Staatsanwalt Jochen Götz hatte gegen den Mann eine Strafe von fünfeinhalb Jahren beantragt. Verteidiger Schmidt plädierte für eine Strafe unter fünf Jahren und betonte: „Die Hauptarbeit der Verteidigung war schon bei der Vernehmung beim Haftrichter.“

 

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