Kein Nachfolger Die Rosen-Apotheke macht zu

Werner Rippl hat seit 42 Jahren die Rosen-Apotheke. Zum 31. Dezember schließt er die Apotheke - er hat keinen Nachfolger gefunden. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Die Lainecker Rosen-Apotheke macht zu. Zum Jahresende ist Schluss mit einer Institution. Nicht nur, weil der Apotheker Werner Rippl in Ruhestand geht – in einem Alter, in dem andere schon längst im Ruhestand sind. Sondern auch deshalb, weil sich kein Nachfolger gefunden hat. Obwohl Werner Rippl es versucht hat. Über Jahre hinweg.

„Grüß Gott, hier ist Ihre Rosen-Apotheke“ – ein Satz, den die Lainecker bald nicht mehr hören werden, wenn sie nachfragen wollen, ob es ihr Medikament gibt oder ob der Apotheker Rippl und seine Mitarbeiterinnen ein dringend benötigtes Schächtelchen noch bestellen und vorbeibringen können.

Besonderer Service

„Der Service, den er immer geboten hat, der ist wirklich besonders“, sagt Heinz Pütterich (79), der Distriktsvorsteher von Laineck, am Montag auf Anfrage unserer Zeitung. Einer der vielen Lainecker, die mit der Apotheke und ihrem Chef Werner Rippl alt geworden sind. Die gerade im Alter verstärkt auf Medizin angewiesen sind.

„Gerade für die Älteren, von denen gibt es viele in Laineck, ist es eine Katastrophe, dass wir jetzt auch noch unsere Apotheke verlieren“, sagt Pütterich. Für Laineck gehe es jetzt langsam zurück „in Richtung Dorf. Einen Bäcker und einen Metzger haben wir zwar noch, aber keinen Laden mehr, in dem wir Obst und Gemüse kaufen könnten. Die Banken sind auch weg“.

Seit Mai 1976 der Lainecker Apotheker

Werner Rippl muss mehrfach ans Telefon während des Gesprächs mit dem Kurier am Montagnachmittag. Medikante bestellen, Auskunft geben, Verfügbarkeit prüfen. Seit Mai 1976 ist er der Lainecker Apotheker. Der gebürtige Auerbacher, der in Pegnitz Abitur machte, ist naturwissenschaftlich interessiert, entscheidet sich nach dem Abi für die Pharmazie.

Nach dem Studium ist er eineinhalb Jahre in der Bären-Apotheke in Bindlach, bevor er sich selbstständig macht. Das Haus, das einzige Hochhaus in Laineck steht „schon vier oder fünf Jahre, der Laden war leer“, sagt er. Seitdem läuft das Geschäft. „Laineck ist eigentlich ein gutes Pflaster“, sagt Rippl.

Großes Einzugsgebiet

24 Jahre lang wohnt er auch in dem Stadtteil, seit 18 Jahren pendelt er von Lindau täglich nach Laineck und bedient die Patienten, die aus einem großen Einzugsgebiet kommen, nicht nur aus Laineck selbst. „Seulbitz, St. Johannis auf der einen Seite, Döhlau und Görau auf der anderen Seite und bis rüber nach Allersdorf“, sagt er.

Zwei Jahre lang Suche nach Nachfolger

Rippl, der in diesem Jahr 70 geworden ist, denkt schon länger drüber nach, aufzuhören. Komplett zusperren war aber nicht der Plan. „Zwei Jahre lang habe ich nach einem Nachfolger gesucht“, sagt er. „Der Letzte ist mir vor sechs Wochen abgesprungen. Vor allem, weil er kein Personal bekommen hat.“

Rippl beschäftigt fünf Mitarbeiterinnen: Drei pharmazeutisch-technische Assistentinnen, zwei Apothekerinnen, alles Teilzeit-Kräfte mit unterschiedlich hohem Stunden-Kontingent. „Wir haben rund 57 Stunden Dienst in der Woche. Davon arbeite ich 46 Stunden“, sagt der Apotheker. „Die meisten meiner Mitarbeiterinnen sind seit über 20 Jahren bei mir.“

Ein Teil des Apotheken-Personals habe bereits wieder eine Anstellung gefunden, sagt Rippl. Das mache es ihm auch leichter, „die Entscheidung irgendwann zu akzeptieren, so wie sie ist“. Denn am Anfang habe er „schon mit einem sehr weinenden Auge“ in Richtung dieses 31. Dezember geblickt. Wegen der Lainecker, die dann keine Apotheke mehr haben. Wegen seines Personals.

„Und es ist ja auch so, wenn man 42 Jahre lang immer unter Leuten war. Apotheker zu sein, bedeutet ja auch, kommunikativ zu sein.“ Rippl macht eine Pause, schaut über sein Telefon und den Bildschirm hinweg Richtung Parkplatz vor der Rosen-Apotheke und Fichtelgebirgsstraße. „Naja, wir werden sehen.“

Kommt der Prinz noch um die Ecke?

Nach wie vor hätte er „absolut nichts dagegen, wenn doch noch der Prinz oder die Prinzessin“ ums Eck kommen und sagen würde, er würde die Apotheke übernehmen. Auch wenn eine Übergabe „nicht so einfach“ und langwierig sei. Doch nach zwei Jahren will er nicht mehr so recht daran glauben.

Einer, der auch mal Nein sagt

Die Lainecker müssen ab dem neuen Jahr nicht nur „zum Brannaburger oder ins Industriegebiet rüber fahren, wenn sie Medikamente brauchen“, sagt der Distriktsvorsteher Heinz Pütterich. Sie verlieren mit Werner Rippl und seinen Mitarbeiterinnen auch etwas, was durch die zunehmende Werbung und die verlockenden Internet-Angebote gerade heute immer wichtiger wird: „Jemanden, der auch mal Nein sagen und vor irgendwelchen Mittelchen warnt.“

 

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