Kathedrale entdeckt Sensationsfund: Neuer Raum in der Teufelshöhle

POTTENSTEIN. Das ist eine Sensation: Mehr als 30 Jahre haben Hans-Joachim Betko und Hanns Nägerl nach neuen Räumen in der Teufelshöhle gesucht – jetzt wurden sie fündig. Und sie haben nicht irgendeinen Raum entdeckt. Sondern den größten bisher überhaupt in diesem Naturdenkmal. Wann er für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, ist noch unklar. Jetzt sollen ihn erst einmal Wissenschaftler unter die Lupe nehmen.

Der Fund ist schon ein paar Wochen her: Bereits am 1. Dezember hatten die beiden Höhlenforscher, die seit Ende der 1980-er Jahre im Auftrag des Zweckverbandes Teufelshöhle aktiv sind, das größte Erfolgserlebnis ihrer nebenberuflichen Laufbahn. Worauf sie schon im einer Kurier-Reportage 1994 Wert legten: Sie seien keine Hobbygeologen, sie verfügten über einen professionellen Hintergrund.

Den hatte die Forschungsgruppe Höhle und Karst den beiden damals abgesprochen. „Das Vertrauen war uneingeschränkt da, deshalb wurde der Vertrag mit dem Zweckverband auch immer wieder verlängert“, sagt dessen Vorsitzender, der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer, dazu.

Zufriedenheit und Stolz

Dieses Vertrauen habe sich bewährt und jetzt ja auch bestätigt. Genugtuung, auch Stolz ist da im Spiel. Eine tiefe Zufriedenheit. Nicht nur bei Frühbeißer, sondern vor allem bei den unermüdlichen Forschern, die nie aufgegeben haben. Das hat mit einem Motto zu tun, dem sich die beiden, die sich einst „rein zufällig“ über den Weg liefen, wie Betko sagt, gemeinsam verpflichtet fühlen. Das heißt „never quit“ und vereint Menschen, die nicht aufgeben, die sich nicht unterkriegen lassen, die sich in eine Sache verbeißen.

Sie haben gebohrt, sondiert, gemessen. Immer und immer wieder. Erfolglos. Und sie haben mit jenen Männern geredet, die die Teufelshöhle besser kennen als alle anderen. Mit den Höhlenführern. So auch mit Georg Weißenberger, dem ehemaligen Betriebsleiter der Höhle, „der leider viel zu früh verstorben ist“, so Betko.

Luftzug als Auslöser

Der 61-Jährige Münchner ist studierter Geowissenschaftler und Bergbautechniker, kennt sich bestens aus in diesem Metier. Doch ohne einen entscheidenden Hinweis Weißenbergers „wären wir wohl nicht da, wo wir jetzt sind“. Den hatten er und Nägerl einmal gefragt, ob ab und zu ein Luftzug unbekannter Herkunft zu spüren ist im Höhlensystem. Vor allem bei Temperaturschwankungen.

Der bejahte – und an einer Stelle bohrten die beiden Forscher dann nach. Buchstäblich. Als Untersuchungen mit modernster Technik von Wärmebildkameras bis hin zu Radarmessungen mit elektromagnetischen Wellen besagten: Das lohnt sich. Der Anfang war gemacht. Dann ging alles relativ schnell. Die Entdecker räumten gut einen Kubikmeter Lehm auf die Seite, stießen auf einen „wurmartigen Durchschlupf“. Dem folgten sie Meter um Meter. Kriechend.

Über den Wurm in die Kluft

Auf einmal dann eine Kluft – und dahinter dann das, wonach sie über viele Jahre hinweg so sehnsüchtig geforscht hatten. Ein neuer Höhlenraum. Von einer Größe, die sie so nie erwartet hätten. Da sei Ehrfurcht im Spiel gewesen, sagt Hanns Nägerl.

Für den 80-Jährigen erfüllte sich ein Traum nach all den Jahren. Der Sulzbach-Rosenberger, der so vieles in seinem Leben angepackt hat, unter anderem zur See fuhr und bis zu seinem Ruhestand als Physiotherapeut gearbeitet hat, ist fit wie der gerne zitierte Turnschuh. Hatte kein Problem damit, durch den „Wurm“ zu krabbeln.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass er immer sportlich unterwegs war, „ich war mit 60 auch Weltmeister im Bankdrücken“, sagt er so nebenbei im Kurier-Gespräch. In seiner Altersklasse. Und vor ein paar Jahren auch noch mal deutscher Meister. Nach einer krankheitsbedingten Pause will er jetzt wieder das Trainieren anfangen.

Ehrfurcht im Spiel

Das mit dem Entdeckerglück hat ihn spürbar bewegt. „Das hatte etwas Ehrwürdiges.“ Allein schon mit Blick auf die Größe. „Das wirkt wie eine Kathedrale“, ergänzt Hans-Joachim Betko. Und so sollte der Raum aus Sicht der beiden Forscher auch genannt werden. Damit hat Bürgermeister Stefan Frühbeißer kein Problem. Auch ihn nimmt das Ganze emotional mit, auch wenn er nicht wie Betko von einem „Jahrtausend-Ereignis“ spricht.

Aber eine Sensation sei das schon schon irgendwie.Wie man diese für den Tourismus nutzen kann, sei noch offen. Er könne sich vieles vorstellen: „Von der Einbindung in den ganz normalen Führungsweg für Besucher über einen Veranstaltungssaal bis hin zu einem zweiten Raum in Sachen Höhlentherapie.“ Das wiederum hängt unter anderem vom Radon-Gehalt der Luft wie des Lehms in der Höhle ab – „vielleicht lässt sich der als Heil-Lehm nutzen, der hilft bei vielen Hautkrankheiten“, sagt Betko.

Doch zunächst haben die Wissenschaftler das Wort, die Boden-, die Naturkundler. Wie viel Geld da für welches Forschungszwecke aus welchen Töpfen fließt, „werden wir sehen, da hat jetzt der Zweckverband das Wort“, sagt Bürgermeister Frühbeißer.

In dieser Form selten

Vielleicht finden sie „ja auch Artifakte wie Malereien oder Knochen“, hofft Betko. Und fügt hinzu, dass es hier zwar keine großartigen Tropfsteingebilde zu bewundern gibt. Aber sehr wohl durch das stetige Tropfen erzeugte blumenartige Bodenstrukturen, „wie es sie in dieser Form selten gibt“.

Und, so Nägerl und Betko, der Raum entstand über Millionen von Jahren hinweg durch einen unterirdischen Flusslauf. Da gebe es sicher eine Fortsetzung. Und damit sicher wohl auch weitere Räume, die es noch zu entdecken gilt.

„Das dürfte Forscher noch über Jahrzehnte beschäftigen“, sagt Betko. Doch erst einmal wollen und seine Kollege weitermachen. „Solange ich kann und solange ich lebe, bin ich mit dabei“, meint der 80-jährige Nägerl.

 

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