Kahlschlag: Abholzaktion erzürnt Bürger

Baumstümpfe zeugen vom Kahlschlag, der sich entlang des Radweges zwischen Mistelgau und Hummeltal ereignet hat.⋌Foto: Gunter Becker

Der Radweg zwischen Hummeltal und Mistelgau ist eine bei Radfahrern und Fußgängern beliebte Strecke. Zwischen Schatten spendenden Büschen, Hecken und Bäumen, an Bach und Teichen entlang, lässt sich angenehm entspannen. Damit ist es vorerst vorbei. Auf mehreren Hundert Metern haben Motorsägen große Lücken in den Bewuchs geschlagen, zahlreiche Baumstümpfe zeugen von der Abholzungsaktion. Besonders schlimm aber ist für Edmund Sattler, dass bis zu 25 Bienenweiden, auch Palmkätzchen genannt, der Garaus gemacht wurde. „Hier wurde rigoros alles niedergemacht“, ärgert sich der langjährige Mistelgauer Bauhofleiter. Vom Lärm der Motorsägen alarmiert hatte er sich selbst ein Bild vor Ort verschafft. Aufhalten konnte er die Abholzaktion nicht.

Er könne nicht verstehen, wie man in diesem sensiblen Bereich Rodungsarbeiten in einem solchen Ausmaß anordnen könne, schimpfte Sattler im Gespräch mit dieser Zeitung. Schließlich handle es sich um einen „idyllischen und als Biotop ausgewiesenen Radweg“. Besonders erzürnt ist Sattler aber darüber, dass bis zu 25 Weidenbäume abgeholzt worden seien. Schließlich handle es sich bei den Palmkätzchen um die erste Futterquelle für Bienen im Frühjahr.

Normaler Rückschnitt

Angeordnet hat die Abholzaktion Mistelgaus Bürgermeister Karl Lappe. Seine Aufgabe an den Bauhof lautete, jene Bäume zu entfernen, die zu nah am Radweg stehen und deren Wurzeln den Asphalt anheben. „Das war ein ganz normaler Rückschnitt“, sagt Lappe, und „keine Rodung.“ Es sei einfach darum gegangen, die Verkehrssicherheit zu garantieren. Nachdem sich mehrere Bürger persönlich bei ihm im Rathaus über die Aktion beschwert hatten, hätte er sich die Situation vor Ort angeschaut, aber nichts Außergewöhnliches entdecken können. Man könne aber, betont Lappe, darüber diskutieren, ob zu viel Gehölz entfernt worden sei. Vielleicht sei der eine oder andere Baum gefallen, der nicht hätte gefällt werden sollen. Im Großen und Ganzen stünden aber noch jede Menge Bäume.

Wirtschaftliches Interesse

In seinen Augen nicht verwerflich sei auch die Abmachung mit einem örtlichen Brennholzhändler, der im Auftrag der Gemeinde und nach Instruktionen durch den Bauhofleiter die Abholzaktion kostenlos ausführte und dafür im Gegenzug das Holz behalten durfte. Die Mitarbeiter des Bauhofes hätten sich stattdessen um andere Aufgaben kümmern können, betonte Lappe. Sattler sieht das anders. In diesem Fall sei es nicht um die Pflege gegangen, ist er überzeugt, sondern um ein „rein wirtschaftliches und gewinnbringendes Bestreben“. Scheinbar würden wirtschaftliche Interessen über dem Gemeinwohl stehen. Und das in Zeiten, in der eine „exzessive Landwirtschaft Flora und Fauna zerstört“ und damit auch „wichtige kleine naturnahe Räume für Mensch und Tier“.

So bedauerlich die Aktion auch gelaufen sei – ein Gesetzesverstoß liege nicht vor, ist sich Lappe sicher und behält recht. Tatsächlich sieht das bayerische Naturschutzgesetz vor, dass Weiden bis Ende Februar gekappt werden dürfen, sagt Wolfgang Wurzel, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Schöner wäre jedoch, diese erste Nahrungsquelle der Bienen im Frühjahr zu erhalten.

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