Jugendarmut nimmt zu

Zwei Jugendliche schnorren sich Geld zusammen. Jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland ist trotz staatlicher Hilfen von Armut bedroht. Foto: Uwe Zucchi dpa

Die Kinder- und Jugendarmut nimmt in der Region Bayreuth-Hof zum Teil deutlich zu. In der Stadt Hof ist jeder Fünfte unter 15-Jährige von Hartz-IV abhängig, im Landkreis Bayreuth nur jeder 25. Jugendliche in dieser Altersgruppe, sagt Sebastian Peine, der Chef der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, auf Anfrage unserer Zeitung.

Peine erklärt, die Situation der einheimischen Betroffenen habe sich in Hof-Stadt nicht signifikant verändert. Die Stadt Hof verzeichne jedoch einen überdurchschnittlich hohen Zuzug von Flüchtlingen unter 18 Jahren. Das gelte mit Abstrichen auch für die Region Wunsiedel. Die Flüchtlinge mit Bleibeberechtigung wechselten nun aus der Sozialhilfe in die Zuständigkeit der Jobcenter.

Die Zahlen für den Arbeitsagenturbezirk Bayreuth-Hof zeigen im Jahresvergleich dreimal Zunahme sowie dreimal Abnahme. Von 2015 auf 2016 nahm nach Agenturangaben in Hof-Stadt die Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften (Hartz IV) mit 1641 Betroffenen um 16 Prozent zu, in Wunsiedel mit 1297 Personen um 11,3 Prozent und im Landkreis Bayreuth mit 780 Personen um 10,5 Prozent. In Bayreuth-Stadt nahm die Zahl mit 1228 Personen um 2,8 Prozent ab, im Landkreis Hof mit 992 Personen um 2,8 Prozent und in Kulmbach mit 789 um 2,2 Prozent.

Die Hartz-IV-Quote in Hof-Stadt beträgt bei unter 15-Jährigen 21,4 Prozent, in Bayreuth-Stadt 13,2 Prozent, bundesweit 14,3 Prozent und bayernweit 6,5 Prozent. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Kinderarmut ein Dauerbrenner in der Region

Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter Erwachsenenhilfe der Diakonie Hochfranken, sagt unserer Zeitung, die Kinderarmut sei ein Dauerbrenner in der Region und stehe immer auf der Agenda der Wohlfahrtsverbände.

Schon vor dem großen Flüchtlingszuzug sei in der Stadt Hof etwa jeder Fünfte unter 15-Jährige von Hartz IV betroffen gewesen. Die Hofer Kinder- und Jugendhilfe übernehme für jedes zweite Kind die Kindergartengebühr. Diese werde jedoch nur von der öffentlichen Hand gezahlt, wenn die Eltern bereits staatliche Leistungen bekommen. Daraus lasse sich schlussfolgern, dass praktisch jedes zweite Kind arm sei.

Die Diakonie Hochfranken setze auf Einzelfallhilfen. Schöberlein verweist auf das Schuldenpräventionsprojekt „Money Talk“. Frühzeitig solle Konsum-Kompetenz erworben und dabei eingeübt werden, mit wenig Geld auszukommen. Die Diakonie zeige den Menschen Wege auf, wie sie ihre Lage verbessern können. Sie plädiert dafür, Schulessen generell kostenlos anzubieten.

Die Diakonie unterstützt eine Petition, mit der gefordert wird, den Betrag für das sogenannte Schulbedarfspaket von 100 Euro im Jahr auf mindestens 150 Euro anzuheben. Der Bedarf sei entsprechend gestiegen.

Hilfsprogramme zielen auf die Eltern und ganz wenige auf die Kinder

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann kritisiert, dass bisher fast alle Hilfsprogramme auf die Eltern und nur ganz wenige direkt auf die Kinder zielten. „Das ist der große Konstruktionsfehler“, sagte er. Hurrelmann sprach sich dafür aus, dass der Staat Kinder außerhalb ihrer Familien unterstützt, damit die Förderung auch jenen zugutekomme, deren Eltern weniger Wert auf Bildung legten.

Zwar tue man vielen engagierten Eltern damit Unrecht. „Wir wissen aber auch, dass die oberen 20 Prozent der Gesellschaft zu 80 Prozent wollen, dass ihre Kinder Abitur machen, von den unteren 20 Prozent wollen das nur 20 Prozent.“

In Deutschland sind mehr als zwei Millionen Minderjährige auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Das geht aus neuen Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor. Ende 2016 lebten demnach 2 003 805 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften, also in Familien, die Hartz IV beziehen. Trotz des anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs waren das dem Bericht zufolge 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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