Jürgen Flimm feiert 75. Geburtstag

Jürgen Flimm feiert 75. Geburtstag. Foto: Gambarini/dpa

Er ist einer der umtriebigsten, fleißigsten und erfolgreichsten deutschen Theaterleiter: Jürgen Flimm. Er war Schauspielintendant in Köln und Hamburg, leitete Festivals wie die Ruhr Triennale und die Salzburger Festspiele. Und seit fünf Jahren ist er Intendant der Staatsoper Berlin, wo er 2018 von Martin Schulz, bisher Leiter des Mozarteums in Salzburg, abgelöst werden soll. Am Sonntag wird Jürgen Flimm 75 Jahre alt.

Geboren wurde er 1941 in Gießen. Er wuchs in Köln auf, wo er Theater- und Literaturwissenschaft sowie Soziologie studierte. 1968 wurde er Regieassistent an den Münchner Kammerspielen. Bald inszenierte er an verschiedenen Theatern. Schon früh interessierte er sich für Musik, auch für die zeitgenössische. Als Student hatte er Kontakt zu Komponisten wie Bernd Alois Zimmermann und Johannes Fritsch. Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“ (Unter der großen Sonne, von Liebe beladen) war 1978 in Frankfurt die erste Oper, die er auf die Bühne brachte. Diese szenische Collage über Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, dieses „große Requiem auf verschollene Hoffnungen und das Scheitern von Utopien“ (Flimm), hat er dann 30 Jahre später in Salzburg noch einmal inszeniert. 1979 bereits wurde er in Köln zum ersten Mal Schauspielintendant. 1985 übernahm er das Thalia Theater in Hamburg, das er bis 2000 leitete und zum bestbesuchten Schauspielhaus der Bundesrepublik machte. Als Regisseur wurde er besonders für seine lebendigen Klassiker-Inszenierungen wie Kleists „Käthchen von Heilbronn“, Ibsens „Peer Gynt“ oder Tschechows „Platonow“ gefeiert. Von den 80er Jahren an wurde Flimm ein auch international gefragter Opernregisseur, sein häufigster Partner war der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Flimm inszenierte unter anderem in New York, London, Mailand und Zürich, aber auch bei den Bayreuther Festspielen, wo er im Jahr 2000 Wagners „Ring des Nibelungen“ in Szene setzte.

In den letzten Jahren verwandelte sich der erfolgreiche Theaterintendant in einen nicht minder erfolgreichen, wenn auch nicht ganz unumstrittenen Festivaldirektor, der gerne auf zwei Hochzeiten tanzte. So arbeitete er von 2005 bis 2008 für die Ruhr Triennale, aber ab 2006 auch schon für die Salzburger Festspiele, die er bis 2010 leitete. Das letzte Salzburger Jahr war bereits das erste seiner Intendanz an der Berliner Staatsoper. In Salzburg setzte er den Reformkurs seiner Vorgänger Mortier und Ruzicka fort, er berief – eine glückliche Wahl – den innovativen Programmgestalter Markus Hinterhäuser zum Musikchef. Hinterhäuser wird 2017 nun selbst Intendant in Salzburg. 2009 verhalf Flimm mit Nonos „Al gran sole carico d’amore“ Salzburg zu einem umjubelten, bis dahin dort kaum denkbaren Triumph des modernen Musiktheaters. Dieser Triumph beschleunigte aber seinen Abgang aus Salzburg. Dem Kuratorium der Festspiele war dieses Werk zu avantgardistisch und politisch.

In Salzburg fand er keine Freiheit

Flimm sagte im Rückblick, „es fehle in Salzburg an der unbedingten Freiheit des Denkens“. Er verließ Salzburg ein Jahr früher als geplant. In Berlin bildeten Flimm und der Dirigent Daniel Barenboim über Jahre ein gutes Gespann. Die Arbeit aber war nicht leicht, weil die Staatsoper, deren Haus unter den Linden saniert wird, in das kleinere Schillertheater umziehen musste. Die Renovierung dauert viel länger als geplant. Erst ab Herbst 2017 soll die Staatsoper wieder in ihrem Stammhaus spielen.

Flimm und sein Nachfolger Schulz sollen den Umzug zusammen organisieren. Der Zeitplan müsse unbedingt eingehalten werden, so Flimm, „es gibt keinen Plan B“. Obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist - er hatte 2013 einen Schlaganfall - und in Berliner Medien neuerdings von Spannungen mit Barenboim die Rede ist, macht Flimm in der nächsten Spielzeit gleich drei Inszenierungen. Flimm ist auskunftsfreudig, ein Liebling der Medien, er gibt Interviews auch zu Themen, die nichts mit der Oper zu tun haben.

„Fußball ist mein schönster Zeitvertreib“, sagte er nach der Weltmeisterschaft in Brasilien der „Zeit“. In der evangelischen Zeitschrift „chrismon“ äußerte er sich 2014 zum Thema Religion. Glaube bedeute ihm Toleranz, Geduld, Nachsicht. Auf Distanz halten ihn dagegen „schlechte Predigten, inspirationslose Pastoren, Frömmelei und liturgisches Geleier“.

 

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