Jahreskrippe: Maria in fränkischem Gewand

Hinter den Flügeltüren verbirgt sich der Schatz: Die 170 Figuren der Jahreskrippe Gößweinstein sind im Pfarrhaus auf drei Schränke verteilt. Foto: Ralf Münch

Für all diejenigen, die das Weihnachtsfest nicht ausschließlich mit Konsum, Kommerz und Skiurlaub gleichsetzen, hat die Krippe nach wie vor eine hohe Bedeutung. In der Basilika Gößweinstein – wie auch in einigen anderen Kirchen in Oberfranken – kann man sich nicht nur zwischen den Jahren am Anblick einer Krippe erfreuen. Hier werden das ganze Jahr über Szenen zu den jeweils passenden Evangelientexten dargestellt.

Seit elf Jahren ist Oswald Neuner für die Jahreskrippe in Gößweinstein zuständig. Ein- bis zweimal im Monat baut er eine neue, dem Kirchenjahr entsprechende Szenerie in dem Raum im hinteren Bereich der Basilika auf. Christus am Ölberg, Versuchung in der Wüste, das letzte Abendmahl, Auferstehung. In der Karwoche hat Neuner besonders viel zu tun, um das Leiden Christi wirkungsvoll in Szene zu setzen. „Es liegt mir am Herzen, dass das lebendig ist. Es soll Leben in der Krippe sein.“, sagt der 59-Jährige. Auf keinen Fall dürfe es kitschig wirken. Dieser Tage unterscheidet sich die Jahreskrippe vom Bildmotiv her nicht von einer Weihnachtskrippe. Natürlich ist die Geburt Jesu im Stall zu sehen. Am Neujahrstag werden die Heiligen Drei Könige dazukommen, denn dann werden im Gottesdienst die Sternsinger ausgesandt.

Zwei Krippen in einer Kirche

Die Besucher der Basilika in Gößweinstein können sich derzeit jedenfalls an Weihnachtskrippen kaum satt sehen. Die Kirche dürfte eine der wenigen sein, die über zwei Krippen verfügt. In den 90er Jahren hatte der damalige Pfarrer Eugen Wetzel beschlossen, dass jeweils vom dritten Advent bis Mariä Lichtmess eine zweite, gut zehn Quadratmeter große Weihnachtskrippe aufgebaut werden soll. Ein Teil der Figuren aus der Privatsammlung des Geistlichen wurde in Oberammergau geschnitzt.

Oswald Neuner, von Beruf Maurer und Betonbauer, ist mit der Betreuung der Jahreskrippe gut ausgelastet. Und er verrät, dass die wahren Schätze, verteilt auf drei Schränke, in einem Raum im benachbarten Pfarrhaus lagern. Maria und Josef in Fränkischer Tracht, Pilatus, Hohe Priester, Hirten, Kamele, Schafe, Elefanten, Löwen. Und: „Jesus in verschiedenen Ausführungen“, etwa am Ölberg oder als Auferstandener.

Figuren aus dem 18. Jahrhundert

Die ältesten Figuren sind im 18. Jahrhundert entstanden und stammen von dem Bildhauer Friedrich Theiler (1748 bis 1826), der seine Fähigkeit in Bamberg gelernt hat und später wieder in seinen Heimatort Ebermannstadt zurückgekehrt ist. Die Figuren haben handgeschnitzte Köpfe, Hände und Füße und wurden über Gestelle aus Holz und Draht bekleidet. Gliedmaßen und Köpfe sind beweglich und können ausgetauscht werden. So kann Oswald Neuner die Körpersprache der Figuren den unterschiedlichen Szenen anpassen. Ende des 20. Jahrhunderts kamen neue Figuren hinzu. Einige stammen vom Bildhauer Norbert Tuffek aus Wendelstein. Insgesamt gehören zur Jahreskrippe 170 Figuren, darunter 50 Tiere.

Oswald Neuner hat sich selbst noch nicht als Schnitzer betätigt, doch sind aus seiner Hand bereits Kulissen, wie etwa eine Felsenlandschaft oder eine Stadt entstanden. Jerusalem. „Kann man aber auch als Bethlehem verwenden“, findet Neuner, der aus Dämmplatten orientalische Landschaften entstehen lässt.

Fränkische Tracht

Ein besonderes Schmuckstück der Sammlung stellt die Figur der Maria in fränkischer Tracht mit einer Brautkrone auf dem Kopf dar. „Um 1900 haben das Frauen in Gößweinstein getragen“, sagt Neuner. So darf sich der Krippenbeauftragte, der allmählich Ausschau nach einem Nachfolger hält, als Hüter eines Schatzes am Schnittpunkt von Kunst und Volksfrömmigkeit sehen, der vor allem durch seine Bildmächtigkeit besticht. Und mit dieser Eigenschaft eigentlich voll im Trend der Zeit liegen müsste.

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