Jagen am Friedhof? Geht nicht!

Auf dem neuen Friedhof in Pegnitz dringen immer wieder Rehe ein und fressen den Grabschmuck. Die Stadt versucht, das Problem mit einem provisorischen Zaun in den Griff zu bekommen. Als Berater fungiert dabei auch der Jagdpächter Hans-Jürgen Groß. Foto: Ralf Münch

Und sie sind immer noch da – die Rehe, die den neuen Friedhof als Futterstelle betrachten und ihren Hunger am Grabschmuck stillen. Seit Monaten versucht die Stadt, das Problem in den Griff zu bekommen. Bisher nicht mit durchschlagendem Erfolg. Jetzt hat sie auf dem Abschnitt zur Alten Poststraße einen provisorischen Zaun anbringen lassen. Er soll verhindern, dass die Tiere einfach mal so über die Mauer springen, um ins Innere zu gelangen.

Alle bisherigen Maßnahmen halfen nur bedingt, sagt Bürgermeister Uwe Raab. Treibjagden, die Erhöhung des Zauns im Waldbereich – die Rehe kamen dennoch. Wohl auch durch offene Tore. Das betrifft vor allem die Handwerksbetriebe, die auf dem Friedhofsgelände ein- und ausgehen: „Ich habe alle schriftlich angewiesen, die Tore sofort nach Ein- oder Ausfahrt wieder zu verschließen“, so Raab.

Hecke ist keine "Eintrittspforte"

Und fast um das komplette Areal wurde ein Zaun mit einem an Holzpfosten befestigten Drahtgittern errichtet. Auch an der Nordseite, die aus Raabs Sicht „auf Grund des sehr dichten Heckenbewuchses auf der Grenze kaum als Eintrittspforte dienen kann“.

„Vorsichtshalber“ habe die Kommune außerdem eine Sondergenehmigung zur Bejagung beim Landratsamt beantragt. Als letztem Schritt sozusagen. Der sollte jedoch nach Möglichkeit vermieden werden, da seien sich alle Beteiligten einig.

Der Jäger sagt: Zu gefährlich

Jagen auf dem Friedhof? Das sieht auch Hans-Jürgen Groß, Jagdpächter im Stadtgelände und zudem Jagdberater des Landratsamtes, eher skeptisch. Nicht nur, weil es sich dabei grundsätzlich um „befriedetes Gebiet“ handle, auf dem per Gesetz nicht geschossen werden darf. „Das ist einfach zu gefährlich“, sagt Groß. Weil die Risiken nicht kalkulierbar seien. Mit Blick auf mögliche Schäden an den Gräbern, mit Blick auf die zahlreichen Spaziergänger, die in diesem Bereich regelmäßig unterwegs sind.

Er glaube nicht, dass sich ein Jäger finden würde, der hier tätig wird. Groß setzt auf Vorbeugung. Der Friedhof müsse „wilddicht“ eingezäunt sein. Das aktuelle Provisorium erfüllt diese Voraussetzung wohl nicht, „da habe ich so meine Zweifel“. Und, ganz wichtig: „Die Tore müssen geschlossen sein, vor allem nachts.“ Das waren sie aber oft nicht, so Groß.

Sie springen auch über die Mauer

Die Rehe marschierten eben so lange am Zaun oder an der Hecke entlang, bis sie einen Durchschlupf finden. Das hat der erfahrene Jäger beim „Abspuren“ rund um das Areal festgestellt - und er ergänzt: „Notfalls springen sie halt über die Mauer.“

Nicht nur in versteckten Ecken, sondern auch am Parkplatz „oder weiter unten“, wo gleich nebenan viele Menschen leben. Das störe die Rehe nicht, sagt Groß. Im Übrigen sei das Problem nicht neu: „Wir haben schon immer in der Umgebung des Friedhofs intensiv gejagt aus diesem Grund.“ Doch das sei leichter gesagt als getan.

Groß weiß, wovon er spricht. Weil er schon oft genug oberhalb des Friedhofs im Bereich des Wasserbehälters und des zum Gymnasium gehörenden Sportplatzes auf einem Hochsitz Platz nahm, um seiner Aufgabe als Jäger nachzukommen: „Da laufen auch in der Dämmerung und danach noch so viele Leute mit ihren Hunden herum, dass eine sichere Jagd fast ausgeschlossen ist.“ Überhaupt sei Jagen in der Stadt ein höchst schwieriges Unterfangen.

Anfüttern lockt nur mehr Tiere an

Dem mehrfach geäußerten Vorschlag, man solle die Rehe doch im Umfeld des Friedhofs in einem ruhigen Bereich „anfüttern“, um sie dann bequem abschießen zu können, kann Groß nichts abgewinnen: „Die Risiken bleiben die gleichen, abgesehen davon lockt man damit noch mehr Rehe an als eh schon da sind, das wäre kontraproduktiv.“

Das aktuelle Zaunprovisorium sehen Bürgermeister Raab wie Experte Groß nur als Übergangslösung. Schon aus optischen Gründen. „Wir müssen mal sehen, ob das überhaupt etwas bringt“, so Raab. Dauerhaft denkbar sei eine Erhöhung mit Edelstahlseilen, die an in die Mauer einzementierten Pfosten befestigt sind. Wobei zu klären wäre, ob die Rehe diese Seile auch sehen und sich nicht beim Versuch, die Mauer zu überspringen, schwer verletzen können. Aus Sicht der Fachleute sei das aber wohl nicht der Fall.

Das Ganze kostet aber einiges – „mit 30.000 bis 40.000 Euro muss man da schon rechnen, zwei Kostenvoranschläge liegen schon vor“, sagt Raab. Letztlich müsse darüber der Stadtrat entscheiden.

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