Irene Markgrafs außergewöhnliches Leben

Eine außergewöhnliche Frau. Nicht nur äußerlich. Die Bauunternehmerin Irene Markgraf mag knallbunte Farben und zeigt das auch gerne: Leuchtend gelb ihr Haus in Immenreuth, sie selbst trägt sattes Rot. Klare, kräftige Farben wirken positiv auf die Stimmung, sagt sie. Graue Tage gebe es schließlich genug. Bunt ist auch ihr bisheriges Leben gewesen „Ich hab‘ ein reiches Leben hinter mir, mit mehr Tiefen als Höhen.“

Irene Markgraf, die im Dezember 70 Jahre alt wird, ist Gesellschafterin des Bauunternehmens W. Markgraf GmbH & Co. KG. 33,2 Prozent der Anteile hält sie direkt, 66,8 Prozent sind bei der Rainer Markgraf Stiftung, wo sie den Vorsitz führt. Schon vor dem Tod ihres Mannes im März letzten Jahres hat Irene Markgraf bei Unternehmensentscheidungen mitgewirkt. Jetzt trifft sie sich wöchentlich mit den drei Geschäftsführern zur Besprechung und greift auch mal ganz konkret ein.

Schwere Kindheit und Jugend

Die Befindlichkeiten ihrer 850 Mitarbeiter sind ihr wichtig. Vielleicht auch deshalb, weil sie selbst als Kind schlecht behandelt wurde. Die kleine Irene kommt 1946 im österreichischen Viehofen, einem heutigen Stadtteil von St. Pölten, als russisches Besatzungskind zur Welt. „Alle spucken Dich an. Ich hab‘ eine sehr schwere Kindheit und Jugend gehabt.“ Allein ihre Großmutter hält zu ihr und sagt den anderen: „Dieses Mädchen wird es Euch noch einmal zeigen.“

Irene lernt Friseurin, sieht im Beruf ihre einzige Chance, wird bester Lehrling Österreichs, macht sich selbstständig. Sie heiratet ihren ersten Mann, geht ein Jahr nach Berlin, zurück nach Wien, für zweieinhalb Jahre nach New York. 1988 wird sie die Frau von Rainer Markgraf, ab 1995 lebt sie überwiegend in Immenreuth.

An den Kapazitätsgrenzen

Das Bauunternehmen ist sehr gut ausgelastet. „Wir hatten noch nie einen so guten Auftragsbestand. Wir sind an den Kapazitätsgrenzen. Mehr geht nicht.“ 400 Millionen Euro Umsatz machte Markgraf zuletzt. Die Rendite soll steigen, sagt die Gesellschafterin.

Irene Markgraf sucht den Kontakt zu ihren Beschäftigten. Da treffen sich Menschlichkeit und Geschäftssinn. „Man erreicht bei den Mitarbeitern viel mehr, wenn man auf sie eingeht.“ Wer sich wohl fühle, der bringe eine bessere Leistung. „Nach einigen Jahren schlägt sich das in der Bilanz nieder.“

Am Hauptsitz in Bayreuth will das Unternehmen in der Kantine gesündere Ernährung anbieten. Bauarbeiter, die auf Außenbaustellen eingesetzt werden, sollen, wenn sie es selbst wünschen, ein 1-Bett-Zimmer bekommen. Üblich sind Zimmer mit drei bis vier Betten. „Ich bin die beste Gewerkschafterin der Firma“, sagt sie. Das Personal stehe hinter ihr. Woher sie das wisse? „Das sind die Rückmeldungen.“

Großauftrag von der Bahn

Das Bayreuther Bauunternehmen hat neben Immenreuth noch Geschäftsstellen in Marktredwitz, München und Weiden und ein Asphaltmischwerk in Kulmain. Regionalbüros gibt es in Frankfurt, Hamburg, Berlin und Zwickau. Markgraf baut in ganz Europa. Erst kürzlich gab es den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Baiersdorf (Mittelfranken) nach Forchheim. Ende 2018 soll das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 120 Millionen Eurofür die beteiligte Arbeitsgemeinschaft fertig sein.

Die Zukunft der Firma will Irene Markgraf gut absichern und dafür sorgen, dass die Stiftungen gut laufen. Neben der Rainer Markgraf Stiftung, die sich die Förderung der leistungsbereiten Jugend, der Wirtschaft und Wissenschaft in Oberfranken und der Oberpfalz auf die Fahnen geschrieben hat und dafür im Jahr sechsstellige Summen aufbringt, kümmert sich die Unternehmerin mit einer zweiten Stiftung um Tiere in Not, denen sie einen guten Lebensabend ermöglichen will – „dass sie in Würde sterben können“.

Jedes Pferd ist anders

Die Stiftung sucht dafür noch ein Grundstück in Immenreuth, auf dem mal 20 Pferde, Esel, 30 bis 40 Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hamster und andere Tiere aufgenommen werden können. Tiere haben ihr in ihrem Leben sehr geholfen, sagt Irene Markgraf. 650 Pferde hat sie schon gepflegt, 350 früher selbst geritten. „Und jedes Pferd ist anders.“

Und sonst? Reisen, Luxus? „Interessiert mich nicht.“ Ausnahmen bestätigen die Regel: Alle drei Jahre kauft sie sich ein schnelles Auto. Sie liest viel über Alternativmedizin, mag Mozart und Bruckner. Wagner weniger. „Zu bombastisch.“ Da geht sie lieber mit dem Hund in den Wald oder mit Freunden zum Heurigen in Österreich, das ihr eng verbunden bleibt. 

 

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