Inzterview über Bühnenerlebnisse Amateurtheater: "Es ist pur, es ist live"

BAYREUTH. Simon Isser interessiert sich für Theater, mehr noch: Er brennt dafür. Der Hesse, Kreisgeschäftsführer der CDU Offenbach, ist Präsident des Bundes Deutscher Amateurtheater und schaut sich somit auch von Amts wegen am Sonntag im Brandenburger Kulturstadel ein Rudolfstädter Gastspiel an: "Die Prinzessin auf der Erbse". Wir sprachen mit ihm über den Wert des Zusammenseins, Freude am Spiel und einen besonders triftigen Grund, 2019 Bayreuths Partnerstadt Rudolstadt aufzusuchen.

Sie sind Politiker, im Karnevalsverein sind Sie auch, Amateurtheater-Chef: Ist alles eine Form von Theater?

Simon Isser (lacht): Auf jeden Fall, so finde ich, ist das alles eine Form von Spiel, von Kommunikation und von Etwas-miteinander-machen.

Manchmal verschwimmen die Grenzen aus böser Absicht. Ärgert es Sie als aktiven Politiker, wenn man Politiker als Laiendarsteller schmäht?

Isser: Das müssen die sagen, die so geschmäht werden. Ich mache ohnehin eine Unterscheidung zwischen Laien und Amateurdarstellern. Außerdem zeugen  beide Formen, Amateur- und Laientheater, von Engagement und sind daher gut. Ich nehme das also eher als Kompliment. 

Amateur und Laie - wo ist da bitte der Unterschied?

Isser: Es gibt da keine klassische, brockhaustaugliche, scharfe Unterscheidung. Ich persönlich sehe das so: Wer Amateur ist, trifft sich in der Gruppe mit der ausdrücklichzen Absicht, Theater zu machen. Laien, das sind Leute, die eigentlich aus anderen Gründen Theater machen, aber eben auch mal Theater machen. So wie der Kirchenchor beispielsweise, der aus Anlass des Gemeindejubiläums ein Stück aufführt. Auch das ist legitim und gut, es ist ja auch oft ein Einstieg dafür, sich künftig intensiver mit Theater zu beschäftigen.

Am Sonntag schauen Sie sich einen Kinderstück-Klassiker eines Rudolstädter Theaters in Rudolstadts Partnerstadt Bayreuth an. Sie kommen aus Offenbach. Was treibt Sie nach Bayreuth?

Isser: Einmal das Theater, der Brandenburger Kulturstadl. Ich war da noch nie und bin schon ganz neugierig. Eine eigene Spielstätte zu haben, das ist schon was besonders, ich möchte das kennenlernen, ebenso, wie die das ehrenamtlich wuppen, wie die arbeiten. Und: Ich freue mich auf die Freunde aus Rudolstadt, ich war schon öfter dort, etwa auf Festivals, habe aber noch nie eine Produktion vom „theater-spiel-laden Rudolstadt“ gesehen.

Theater aus aller Welt in Bayreuths Partnerstadt

Sie sagen es, in Rudolstadt gibt es Festivals. Warum würden Sie denn beispielsweise einem Bayreuther die Zweistundenfahrt in die Partnerstadt empfehlen?

Isser: Da gibt es "Theaterwelten", ein großes internationales Festival mit Produktionen aus allen Weltregionen, aus allen Kontinenten, und mit Zuschauern, Theatermachern, Schauspielern, die die ganze Welt vertreten. Da gibt es spannende Kulturen zu erleben, die man in dieser Authentizität so sonst kaum zu sehen bekommt. Es ist keine Folklore, es ist zeitgemäßes Theater aus allen  Erdteilen, etwas, was man so pur, so dicht und so nah ganz selten sehen kann. Und man kann mit den Menschen von überall her ganz leicht ins Gespräch kommen.

Trotzdem: In Zeiten von Internet, Stream, Serien-Hype: Wozu braucht man die analogste aller Formen des So-tun-als-ob? Wozu Theater?

Isser: Es ist pur, es ist live, es ist ein echtes gemeinschaftliches Erlebnis. Ich sehe eine Produktion, die für mich an diesem einen Ort  und zu diesem einen Zeipunkt aufgeführt wird, und ich kann sie durch meine Reaktion, durch mein Lachen, mein Weinen und meinen Applaus beeinflussen. Jede Vorstellung ist anders. Und ich erlebe das zusammen mit anderen Menschen. Zu Hause, allein vor dem Kasten, sehe ich etwas, das bei jeder erneuten Ausstrahlung dasselbe ist. Gerade im Amateurtheater aus der Region erlebe ich auch noch regionale Bezüge und Bezüge zur heutigen Zeit. In Bayreuth spielt man heutzutage Shakespeare sicher anders als damals im London des elisabethanischen Zeitalters.  Ich kann zum Beispiel auch im lokalen Dialekt spielen. Das ist etwas , was ich so in keinem Sender finden kann, noch nicht mal beim "Tatort", wo dann vielleicht mal ein Alibi-Dialektsprecher in seinem Dienstzimmer sitzt.

Irgendwas macht immer Spaß

Sie vertreten 120 000 Amateurdarsteller - das ist wahnsinnig viel...

Isser: Ja, das ist wahnsinnig viel, und wahnsinnig breit aufgestellt ist es auch, in Stadt und Land, in Ost, West, Nord und Süd. Amateurtheater hat unglaubliche Vielfalt, von Kindertheater bis zu Seniorentheater, alle Spielformen, die man sich denken kann, bis hin zum Improtheater.

Wie viel Theater schauen Sie sich an?

Isser: Mindestens einmal die Woche, das kann ich sagen. Ich spiele ja auch noch selber...

...und schreiben Stücke.

Isser: Das kommt noch hinzu. Theatergucken war auch vorher meine Leidenschaft. Jetzt habe ich noch mehr Gelegenheiten, Gruppen anzuschauen, die ich nicht kannte, in Regionen, in die ich vorher nicht gekommen wäre.

Nicht alle Vorführungen sind brillant. Ist es manchmal eine Qual?

Isser: Nein, für mich ist das immer ein Vergnügen. Ich finde an jeder Vorstellung etwas, was mir Freude macht und mich interessiert.

INFO: Der theater-spiel-laden aus Rudolstadt ist seit 1994 mit dem Stück „Die Prinzessin auf der Erbse“ unterwegs. Am Sonntag, 13. Januar, gastiert das Theater im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Rudolstadt mit seiner Version des beliebten Klassikers von Hans Christian Andersen um 15 Uhr im Brandenburger Kulturstadl in Bayreuth.

 

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