Interview mit Gustl Mollath zur neuen Situation in seinem Fall „Hoffe jetzt auf die Wahrheit"

HANDOUT - Gustl Mollath in der ARD/SWR-Sendung "Report Mainz" am 13.11.2012. Der Fall des seit sechs Jahren gegen seinen Willen in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebrachten Gustl Mollath ke doch noch einmal aufgerollt werden. Foto: SWR/Report Mainz (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Rahmen der aktuellen Berichterstattung bei vollstiger Nennung der Quelle " SWR/Report Mainz") +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der in der Psychiatrie in Bayreuth untergebrachte Gustl Mollath (56) ist noch vorsichtig, was die Wiederaufnahme seines Verfahrens betrifft, wie er dem Kurier in diesem Telefon-Interview sagt.

Herr Mollath, die Staatsanwaltschaft Regensburg sieht die Glaubwürdigkeit Ihrer Ex-Frau erschüttert und begründet damit den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Was wissen Sie darüber?
Gustl Mollath: Mir liegt der Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft noch nicht vor. Ich weiß nicht, wie der formuliert ist.

Aber jetzt geht es in Richtung Wiederaufnahme des Verfahrens.
Mollath: Das kann man nur hoffen; das wird sich zeigen. Ich habe leidige Erfahrungen, wie Gerichte bisher entschieden haben; und da muss ich mit allem rechnen.

Sie sind noch vorsichtig?
Mollath: Ja, ganz klar. Bei dem, was in der Vergangenheit passiert ist, wäre alles andere nicht realistisch. Ich hoffe und wünsche, das sich jetzt endlich die Wahrheit durchsetzt. Nur die Vergangenheit und jeder Tag hier beweist mir, was in Deutschland möglich ist.

Aber die Staatsanwaltschaft scheint Ihre Sicht nun zu bestätigen?
Mollath: Ich meine, wenn man sich die Tatsachen genau anschaut, unbenommen der neuen Hinweise, hätte schon in der Vergangenheit Skepsis walten müssen; man hätte die Tatsachen werten können und müssen. So hätte man meiner Ansicht nach nicht verfahren können und dürfen. Die Staatsanwaltschaft hegt Zweifel an der Glaubwürdigkeit meiner früheren Frau. Diese Zweifel hätten schon damals die jeweiligen Richter hegen müssen und können. Doch was ich vorgebracht habe, ist erst einmal grundsätzlich nicht geglaubt worden. Prinzipiell wurde dieser Frau geglaubt, obwohl ich von vornherein dargelegt habe, welches Motiv da wahrscheinlich im Hintergrund steht. In die Richtung ist regelrecht aktiv abgewehrt worden. Alle Hinweise, Indizien, Beweise und Zeugenangebote sind nicht genutzt worden. So auch in der Verhandlung am 8. August 2006, in der dieses unsägliche Urteil (der Zwangsunterbringung) gesprochen wurde. Was glauben Sie, was ich über die Jahre miterlebt habe. Und keiner schaut hinter die Kulissen, unglaublich. Das ist das wirklich Erschütternde in der Geschichte. In der Verhandlung habe ich auch versucht, meine aussagende frühere Frau vereidigen zu lassen. Das wurde barsch abgelehnt. Denn eine Aussage wird, wenn sie unter Eid aufrechterhalten wird, in ihrer Glaubwürdigkeit aufgewertet. Ich gehe davon aus: Es sollte aktiv diese Zeugin geschützt werden.

Das Attest über die Verletzungen, die Sie Ihrer Ex-Frau angeblich zugefügt haben sollen, sei „unecht", heißt es jetzt; denn es stamme nicht von er damals benannten Nürnberger Ärztin, sondern von deren Sohn, einem „Weiterbildungsassistenten". Zudem sei die Lebensgefährtin des Bruders Ihrer Ex-Frau als Arzthelferin in jener Praxis tätig gewesen. War Ihnen dies alles bekannt?
Mollath: Das Einzige, was ich gewusst habe, war, dass die Lebensgefährtin vom Bruder meiner früheren Frau dort beschäftigt war. Gänzlich unbekannt war mir, dass meine frühere Frau jemals diese Arztpraxis frequentiert hätte. Das war eine ganz überraschende Situation. Bis vor kurzem war ich immer noch im Glauben – so wie es auch vor Gericht dargestellt wurde – dass eben diese Ärztin das Attest erstellt hätte. So wie es im Attest wiedergegeben wurde. Diese Ärztin kannte weder mich noch meine frühere Frau. Es wäre damals doch selbstverständlich gewesen, die begutachtende Ärztin oder denjenigen, der die Feststellungen angeblich getroffen hat, vor Gericht zu hören. Das wurde mir nicht ermöglicht. Normalerweise sollte das doch im Interesse des Gerichts selbst sein, die Wahrheit festzustellen. Das wurde aktiv eben nicht gemacht.

Das sind schwere Vorwürfe gegen die Justiz.
Mollath: Ich stelle Tatsachen dar. Ich bemängele grundsätzlich am Rechtssystem, letztendlich in Beweisnot zu sein, weil es einen Unterschied gibt zwischen Gerichtsprotokoll und dem tatsächlichen Verlauf die Verhandlung. Ich bin diskreditiert als angeblicher Irrer mit Wahnvorstellungen. Mein letzter Notanker waren die Medien. Wenn alles in der Demokratie versagt, dann helfen nur noch Medien, die Öffentlichkeit schaffen und einen Druck erzeugen, damit sich die Institutionen bewegen müssen. Da bin ich dankbar, dass das wenigstens funktioniert hat. Und jetzt wollen wir mal schauen, wie es ausgeht.

Das Gespräch führte Elmar Schatz

 

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