Interview Haindling in Bayreuth: "Nicht nur irgendeine Partymusik"

Haindling-Frontmann Hans-Jürgen Buchner ist ein naturverbundener Mensch und engagiert sich im Naturschutz. Foto: Helloconcerts

BAYREUTH. Haindling - der Name steht für entspannte Musik mit einem Schuss politischer und gesellschaftlicher Kritik in bayerischer Mundart. Und das seit nun 35 Jahren. Der Name Haindling ist untrennbar mit dem Frontmann und Gründer der Band Hans-Jürgen Buchner verbunden. Im Sommer tritt er mit seiner Formation in Bayreuth auf. Wir haben vorab mit ihm über schöne Musik gesprochen - und darüber, wer heute ein Problem hätte, wenn Buchner Revolverheld geworden wäre.

Herr Buchner, Heimat, Tradition – das liegt derzeit voll im Trend. Die Nachbarn aus Österreich – Bands wie Wanda oder Seiler und Speer - machen’s uns gerade vor, wie man mit Mundart im Pop-Mainstream voll einschlägt. Wäre das nicht der ideale Zeitpunkt für eine neue Haindling-Platte?

Hans-Jürgen Buchner: Das wäre bestimmt der ideale Zeitpunkt. Aber irgendwie trödele ich immer gerne ein wenig. Momentan mache ich die Filmmusik für einen Stummfilm. Das ist auch eine sehr interessante Aufgabe. Ich habe zwei Ordner voller Texte und ungefähr 500 Melodien. Wenn ich aufstehe, setze ich mich an den Flügel. Da fällt mir jeden Tag eine neue Melodie ein, die ich dann aufnehme. Alle sagen: Mensch, bring wenigstens eine Klavierplatte raus. Ich will das auch unbedingt machen. Aber es dauert halt. Ich werkele gerne. Momentan spiele ich am liebsten einfach so.

Gibt es andere Mundart-Bands, die Sie gerne hören? Vielleicht eine Hör-Empfehlung abseits von Haindling, ein Geheimtipp für unsere Leser…

Buchner: Wanda und die anderen Österreicher kenne ich natürlich. Das ist mir aber zu spekulativ auf Hit gemacht. Das ist härtere Musik für junge Leute. Das muss ich nicht unbedingt machen. Ich mach‘ für mich schöne Musik. Und ob das jetzt ein Hit wird? Das will ich gar nicht unbedingt, weil ich sonst die ganze Zeit in Deutschland rumreisen müsste. Das habe ich alles hinter mir. Aber nach wie vor bin ich wahnsinnig gerne mit meiner Band unterwegs, und wir freuen uns auf die Tour und auf Bayreuth. Wir wollen unsere Fans mit schöner Musik und mit unseren Themen wie Umweltschutz bestärken.

„Wenn ich anstatt Musiker ein Revolverheld geworden wäre, dann würde es einen Haufen tote Deppen geben.“ Ein Zitat von Ihnen aus dem Haindling-Film von 2014. Wer wäre mittlerweile von uns gegangen, wenn Sie mit dem Schießeisen besser wären als mit der Musik?

Buchner: Da haben wir gerade ein gutes Beispiel mit dem – wie heißt er noch gleich – der Gorilla da in Venezuela, der da unbedingt an der Macht bleiben will und verhindert, dass Hilfskonvois ins Land kommen. Die Menschen sind am Verhungern, und er lässt keine Hilfe ins Land, weil er Angst hat, dass er entmachtet wird. Das kann ich nicht mehr verstehen. Der wäre zum Beispiel weg. (lacht)

Das war jetzt außenpolitisch. Sie sind seit Jahrzehnten in Deutschland beim Bund Naturschutz aktiv. Haben Sie für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben?

Buchner: Natürlich. Ich bin da sogar gefilmt worden und habe einige böse Briefe von Landwirten gekriegt.

In Bayern tobt darum eine heftige Debatte. Überhaupt rückt das Thema Umwelt- und Klimaschutz immer mehr in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte…

Buchner: … ist ja klar, weil alles kaputtgeht.

Wenn Sie heute König von Bayern werden würden, was wäre morgen im Freistaat anders?

Buchner: Wenn wir bei den Bienen bleiben, dann war es ja bisher so, dass die Bauern freiwillig die Blühflächen gemacht haben und dafür bezahlt wurden. Wenn jetzt das Gesetz rauskommt, dann sind die Bauern zu Blühstreifen am Feldrand und an Bachläufen verpflichtet und bekommen kein Geld dafür. Das würde ich sofort ändern. Wenn es schon um den letzten Rest unserer Natur geht, dann muss ich das doch fördern.

Sie sehen also auch manche Dinge im Volkbegehren kritisch?

Buchner: Nein, eben nicht. In dem Volksbegehren ist alles okay. In der Politik nicht. Das bestimmt ja die Politik. Das Volksbegehren leuchtet jedem ein. Das sehe ich doch an der Windschutzscheibe an meinem Auto, dass es immer weniger Insekten gibt. Vögel schwinden. Insekten und Bienen verschwinden. Die Leute sind viel zu wenig aufgeklärt. Und das würde ich ändern, wenn ich König von Bayern wäre.

Ein Blick auf das Konzert in Bayreuth im Sommer: Auf was dürfen sich die Haindling-Fans besonders freuen?

Buchner: Na, auf das ganze Konzert! Weil wir schöne Musik machen und nicht nur irgendeine Partymusik, sondern Musik mit Gehalt und wunderschönen Melodien, wie es sie heute nicht mehr oft gibt. Wir singen in Mundart und bringen wahnsinnig viele Instrumente auf die Bühne, sodass jedes Stück anders besetzt ist und keine Langeweile aufkommt. Wir verstehen uns auf der Bühne einfach sehr gut. Und dieses gute Gefühl und die Lustigkeit wird auf die Leute übergehen. Und ich freue mich danach immer, wenn die Zuschriften bekomme, dass in der Familie eine Woche lang über dieses schöne Konzert geredet wurde.

Ist es denn nach 35 Jahren Haindling so, dass Vater, Mutter, Kind zum Konzert kommen?

Buchner: In letzter Zeit sind oft junge Leute da, die mir sagen, dass sie mit meiner Musik aufgewachsen sind. Neulich war ich in München in einem Lokal. Da sagte der Kellner, der vielleicht 25 war: Herr Buchner, ich bin mit ihrer Musik groß geworden. Das ist einfach schön.


Info: Haindling spielt am 26. Juli in der Oberfrankenhalle in Bayreuth. Karten für das Konzert gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet zu einem Preis von 42,50 bis 55 Euro.

 

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