Indizienprozess Ein Schläger soll ins Gefängnis

In einem Indizienprozess um eine gefährliche Körperverletzung auf dem Parkplatz einer Diskothek im Mainauenpark hat das Schöffengericht drei Männer verurteilt. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH. Mit Schuldsprüchen gegen drei Männer endete am Mittwochabend ein seit Oktober laufender Indizienprozess um eine Discothekenschlägerei. Einer der Verurteilten soll ins Gefängnis.

Das Schöffengericht bestrafte ein Brüderpaar im Alter von 21 und 22 Jahren zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und drei Monaten und von einem Jahr – mit jeweils 1500 Euro Geldbuße. Der dritte Mann, ein 26-Jähriger, ist einschlägig vorbestraft und bekam eine zweijährige Freiheitsstrafe.

In der Urteilsbegründung sagte der Schöffengerichtsvorsitzende Alois Meixner, er und seine Schöffen hätten den Fall nicht ganz „so hoch gehängt“ wie die Staatsanwaltschaft. Staatsanwalt Julius Klug hatte nach dem Ende der langwierigen Beweisaufnahme nämlich von einer „hinterhältigen, geplanten Tat“ gesprochen, die „nahe an einem versuchten Tötungsdelikt“ sei. Er hatte für das Brüderpaar jeweils drei Jahre und für den 26-Jährigen vier Jahre Haft beantragt. Das rief bei den Verteidigern Unverständnis hervor – Wolfgang Schwemmer, Uwe Fritz und Jörg Stingl beantragten Freisprüche.

Warum die Verteidiger Freisprüche wollten

Zu der außergewöhnlichen und völlig gegensätzlichen Beurteilung der Beweislage kam es aus folgendem Grund: Das schwer verletzte Opfer, ein 28-Jähriger, hatte kurz nach der Tat nur einen der Angeklagten als Täter benannt. Der Mann ist wie die drei Angeklagten Russlanddeutscher und wurde nach den Feststellungen im Urteil in der Nacht zum 18. März von einem der Brüder aus einer Diskothek im Mainauenpark herausgeholt und draußen über etwas zu reden. Was das Gesprächsthema sein sollte, wurde in dem Prozess nie genau geklärt. Draußen wurde der 28-Jährige von mehreren Männern mit Fäusten und Fußtritten zusammengeschlagen.

Im Verlauf des Prozesses arbeiteten die Verteidiger eine ungewöhnliche Aussageentstehung heraus: Das Opfer rückte erst nach und nach mit der Identität der Angreifer heraus. Den Namen des 26-Jährigen nannte er deshalb nicht, weil ihm bekannt war, dass dieser Mann für mehrere brutale Gewalttaten – den Überfall auf einen Zimmerergesellen im Februar 2013 und den Überfall auf eine Geburtstagsfeier im Eintracht-Sportheim - eine dreijährige Jugendstrafe bekommen hatte. Aus dieser Strafe hatte der Angeklagte noch einen Strafrest offen, stand also unter Bewährung.

Zunächst behauptete das Opfer, er habe den 26-Jährigen heraushalten wollen, damit dieser nicht bestraft werde. Im Prozess schließlich gab er zu, er habe vor dem 26-Jährigen Angst. Im Umfeld der Angeklagten und im Umfeld der Zeugen gab es tatsächlich Vorgänge, die Angstmache nahelegen: Falls jemand ins Gefängnis gehe, werde der 28-Jährige „abgestochen“. In Handychats war nachzulesen, dass man die Sache doch ohne Justiz untereinander klären könne.

Verdächtigensuche im "russischen Facebook"

Ein zweiter Grund, warum die Verteidiger die Täterschaft ihrer Mandanten nicht zweifelsfrei erwiesen sahen, liegt im Verhalten der einzigen Tatzeugin, der Freundin des Opfer. Die Frau behauptete im Prozess, sie habe alle drei Angeklagten erkannt. Kurz nach der Tat hatte sie aber ausgesagt, es handle sich um „drei Brüder“. Als Ermittler der Frau vorhielten, die beschuldigten Brüder seien nur zu zweit, soll die Zeugin in einem russischen sozialen Netzwerk, ähnlich Facebook auf russisch, nach der Identität des dritten Mannes gesucht haben. Damals behauptete sie, sie habe ihn an einer speziellen Halskette erkannt, die sie an einem der Schläger gesehen haben will.

Dass das Gericht trotz der Widersprüche zu einem Schuldspruch kam, liegt laut dem Gerichtsvorsitzenden Meixner an den glaubwürdigen Aussagen anderer Zeugen: Eine Frau, die das Opfer am morgen im Krankenhaus besuchte, hörte von dem 28-Jährigen klar die Namen aller drei Angeklagten. Die Schwester des Opfers, die die Angeklagten kennt, sagte etwas aus, was für das Gericht „ganz wichtig“ war. Die Frau hatte einem der Angeklagten Vorhaltungen gemacht, warum er ihren Bruder zusammengeschlagen habe. Und darauf die Antwort erhalten: „Wir wussten nicht, dass das dein Bruder war. Er hat als erster angefangen zu schlagen und ich habe nur meinem Bruder geholfen.“ Das Resümee des Gerichts: Die Widersprüche seien da, aber nicht unauflösbar.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading