In Weidenberg sollen bald Erstklässler unterrichtet werden, die für die Förderschule noch nicht bereit sind Eine Klasse für die Schwächsten im Kreis

Eine eigene Förderklasse für die schwächsten Grundschüler im Landkreis soll in Weidenberg gebildet werden. Foto: Jonas Güttler /dpa

Es gibt Kinder, die benötigen mehr Hilfe, als eine gewöhnliche Förderschule ihnen bieten kann. Und zwar von der ersten Klasse an. Für acht von ihnen soll jetzt in Weidenberg eine besondere Klasse gebildet werden. Der Landkreis probiert sich damit an einem etwas anderen Weg zur Inklusion: Indem die Kinder frühzeitig getrennt werden, damit sie später dauerhaft zusammengeführt werden können.

Die Kinder, an die sich das Angebot richtet, haben teils schwere Störungen im sozialen und emotionalen Bereich, sagt Jugendamtsleiter Georg Schmelzer. Sie sind aggressiv, depressiv oder traumatisiert und obwohl sie sechs Jahre alt sind, sind sie nicht selten auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen. Sieben solche Jungen und ein Mädchen hat der Konrektor der Weidenberger Förderschule, Markus Schneider-Geier, unter 14 Bewerbern herausgesucht. Ab September sollen sie eine eigene Schulklasse bilden. Das Ziel: Sie in zwei Jahren emotionale soweit zu stabilisieren, dass sie eine gewöhnliche Grundschulklasse besuchen können. Eine der schwierigsten Aufgaben dabei: Dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht nur sich, sondern auch die anderen Kindern überhaupt wahrnehmen.

Ein Spagat

Landrat Hermann Hübner (CSU) begrüßt das Projekt, äußert aber auch Zweifel. „Es ist ein Spagat zwischen Förderbedarf und dem Inklusionsgedanken.“ Jugendamtsleiter Schmelzer sagt: „Wir wollen den Spieß umdrehen und die Kinder nicht irgendwann aus einer Regelklasse herausnehmen müssen. Das ist auch Inklusion.“ Schulamtsdirektor Günther Roß sagt: „Trotz des Spagats sehe ich einen Bedarf, zum Wohle der Kinder.“

Die Bildung einer sogenannten „sonderpädagogischen Stütz- und Förderklasse“ falle zumindest teilweise in den Aufgabenbereich des Landkreises. Weil die Gründe für die Auffälligkeiten der Kinder oft in deren familiären Umfeld und weniger an einer Lernbehinderung lägen.

Drei Betreuer für acht Kinder

Landrat Hübner spricht von einer „sehr intensiven Kinderbetreuung, die auf Dauer sicher nicht kindgerecht ist“. Tatsächlich stellt der Freistaat für diese eine Klasse gleich zwei Lehrkräfte, der Landkreis finanziert zusätzlich eine sozialpädagogische Fachkraft. Indem er einen Betrag pro Kind überweist, den er, würden die Kinder eine andere Schule besuchen, aber auch an einen anderen Träger überweisen müsste. Jugendamtsleiter Schmelzer sagt: „Wir rechnen damit, dass wir damit auf Dauer sogar Geld sparen.“ Würde das Kind stattdessen in einer heilpädagogischen Tagespflege untergebracht, würden leicht hundert Euro pro Tag fällig. Ein Besuch der Schule und auch der Transfer der Kinder, die täglich bis aus Hollfeld anreisen müssen, soll für die Eltern der Kinder kostenlos sein.

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises hat das Projekt einstimmig befürwortet. Konrektor Schneider-Geier sagt: "Jetzt können die Kinder ganz entspannt mit der Schule anfangen."

 

 

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