In Landkreis Bayreuth sollen 27 öffentliche Ladesäulen entstehen Neue Ladesäulen für den Landkreis

Bislang sind es ausschließlich private Unternehmen, die Ladesäulen für Elektrofahrzeuge im Landkreis Bayreuth betreiben. Weitere Firmen und vor allem die Kommunen wollen jetzt nachziehen. Foto: Archiv/Ronald Wittek

Elektroautos sollen zu einer ernsthaften Alternative in Stadt und Landkreis Bayreuth werden. Während in der Stadt derzeit an acht Stellen Elektroautos aufgeladen werden können, sind es im Landkreis schon jetzt elf Ladestellen und damit genauso viele wie im Landkreis Kulmbach. Das Problem ist nur: Öffentlich und wirklich für Jeden zu jeder Zeit zugänglich, sind die Ladesäulen im Kreis meist nicht. Das soll sich ändern. Und zwar durch mindestens 27 neue Säulen, die die Kommunen anschaffen wollen.

Weil sich Landratsamt und Kreistag einig sind, dass mit ausreichend Ladesäulen auch deutlich mehr Elektrofahrzeuge Einzug in die Region halten werden, will der Kreis jetzt aufrüsten. Er verspricht sich davon nicht zuletzt eine deutliche Zunahme von Elektrofahrzeugen, die wiederum nötig ist, damit der Kreis sein Klimaziel erreicht: eine Verringerung des Kohlendioxidausstoßes um 50 Prozent. Was im Landkreis Bayreuth, der weniger Industrie bereit hält als andere Regionen Deutschlands, aber nur über Schadstoffeinsparungen beim Verkehr zu erreichen ist.

Rothammel: Schon jetzt ein Erfolg

1000 Ladepunkte sind dafür dem Beauftragen für Klimaschutz am Landratsamt, Bernd Rothammel, zufolge, im gesamten Landkreis ungefähr nötig. Unternehmen und Kommunen wollen davon etwa 100 anschaffen. Und weil jede Ladesäule zwei Ladepunkte bereit hält, sollen 50 Säulen reichen, um die Klimaziele zu erreichen. Selbst wenn man davon nach dem bevorstehenden Aufrüsten noch etwas entfernt sein wird, spricht Rothammel schon jetzt von einem vollen Erfolg.

Warum, das erklärt er so: Weil gut 80 Prozent aller Ladevorgänge nachts in den Garagen der Besitzer von Elektroautos vonstatten gehen. Weil außerdem über kurz oder lang immer mehr Unternehmen Lademöglichkeiten für ihre Mitarbeiter schaffen werden. Weil der Verkehr, der den Landkreis nur auf der Durchreise quert, entlang der Autobahnen und Fernstraßen „tankt“. Und weil der Landkreis folglich nur Säulen für durchschnittlich jeden zehnten Ladevorgang bereit halten müsse.

Die Säulen sollen schnellstmöglich kommen

Und die sollen jetzt schnellstmöglich kommen. Nicht zuletzt deshalb, weil es ordentlich Fördergelder gibt. Darum haben die Rathäuser von Pegnitz, Bad Berneck, Bindlach, Eckersdorf, Gefrees, Goldkronach, Heinersreuth, Speichersdorf, Emtmannsberg, Kirchenpingarten, Seybothenreuth und Waischenfeld dem Landratsamt mitgeteilt, dass sie mit dessen Hilfe Fördergelder für insgesamt 22 neue Ladesäulen beantragen wollen. Mit Ausnahme von Kirchenpingarten, wo das erst im Zuge der Dorferneuerung in einigen Jahren geplant ist, soll das schnellstmöglich passieren. Während es sich in den kleineren Gemeinden um je eine Ladesäule handelt, sollen in den größeren Gemeinden zwei, in Pegnitz gar vier öffentliche Säulen entstehen.

Dazu kommt eine Säule in Aufseß, für die die Gemeinde auf eigene Faust Fördergelder beantragt hat, sowie mindestens vier Säulen in Bischofsgrün, Mehlmeisel, Warmensteinach und Fichtelberg, wo man auch ein eigenes, gemeinsames E-Mobilitätskonzept verfolgt. Doch damit nicht genug. In acht weiteren Gemeinden wollen Unternehmen dafür sorgen, dass weitere Ladesäulen aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nämlich in Gesees, Plankenfels, Schnabelwaid, Creußen, Mistelgau, Pottenstein, Betzenstein und Plech.

Einige Gemeinden sehen keinen Bedarf

Dem Landratsamt noch keinen Bedarf gemeldet hat Rothammel zufolge nur die Stadt Hollfeld. Die Gemeinden Ahorntal, Glashütten, Haag, Hummeltal, Mistelbach, Prebitz und Weidenberg hätten gemeldet, dass sie derzeit keinen Bedarf sehen.

Viel Zeit haben die Kommunen nicht mehr, sich dem gemeinsamen Projekt doch noch anzuschließen. Die Förderanträge zur Finanzierung der Ladesäulen müssen bis Ende des Monats gestellt werden. Rothammel rechnet aber damit, dass es in den nächsten Jahren weitere Förderprogramme geben wird. Was genau eine Ladesäule die Gemeinden kosten wird, könne Rothammel noch nicht sagen. Durch die Bündelung des Kreises könnten die Kommunen aber wohl mit günstigeren Angeboten rechnen, als üblich. Gefördert werden rund 40 Prozent der Nettokosten. Maximal sind das für eine Säule mit zwei Ladepunkten 6000 Euro für die Anschaffung sowie weitere 5000 Euro für den Aufbau.

Kritik an der Ladeleistung

Kritik zu den Plänen kommt von Werner Mildner, dem Kreisrat der SPD aus Pegnitz. Ladeleistungen von 22 Kilowatt, wie sie der Kreis jetzt bewerbe, seien schon bald nicht mehr zeitgemäß, sagt Mildner. Das volle Aufladen einer Autobatterie dauere damit mehrere Stunden. Mildner fordert, der Kreis solle mindestens 50 Kilowatt starke Ladesäulen anschaffen. Rothammel hingegen verteidigt das Vorgehen. Säulen mit stärkerer Ladeleistung seien um ein Vielfaches teurer. Zudem genüge es, eine Ergänzung zu den privaten Anschlüssen der Elektromobilfahrer zu schaffen. An den geplanten Säulen bekomme man innerhalb einer halben Stunde genügend Energie, um 50 bis 100 Kilometer weit zu fahren und damit von jedem Punkt des Landkreises aus nach Hause zu kommen.

So ist es in der Stadt

Die Stadt Bayreuth hat bereits im Frühjahr die Bezuschussung von sechs Ladesäulen im Stadtgebiet beantragt – darunter auch eine Schnellladesäule mit einer Ladeleistung von bis zu 50 Kilowatt. Auf Nachfrage heißt es, aktuell läge noch keine Information vor, ob die beantragten Ladesäulen auch tatsächlich alle gefördert würden.

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