In Hof und Bayreuth Forscher sagen Mikroplastik den Kampf an

Professor Michael Nase (rechts) und Hochschulpräsident Jürgen Lehmann freuen sich bereits auf die Möglichkeiten, die ihnen das eigene Institut für Biopolymere bieten wird. Noch forschen die Kunststoff-Spezialisten in der Werkhalle der anderen Studiengänge. In ein paar Jahren sollen eigene Labors hinzukommen. Foto: Christopher Michael

HOF/BAYREUTH. Ein neues Institut an der Hochschule Hof befasst sich mit biologisch abbaubaren Kunststoffen. Mit der Universität Bayreuth ist eine Kooperation angedacht.

Die Forschungsvorhaben im materialwissenschaftlichen Institut der Hochschule Hof gehen schon lange auch in Richtung Kunststoffe. Die Grundordnung der Bildungseinrichtung, quasi das Regelwerk, nach dem sich sämtliche Aktivitäten richten, ist auch bereits geändert. „Jetzt fehlt nur noch ein passendes Gebäude für unser neues Institut für Biopolymere“, sagt Hochschulpräsident Jürgen Lehmann im Gespräch mit unserer Zeitung.  

Seit Oktober ist klar: Die Hochschule will noch stärker in zukunftsträchtige Bereiche vorstoßen und hat hierzu vor wenigen Wochen bereits den Grundstein gelegt.  „Unter Biopolymeren verstehen wir drei Bereiche“, erklärt Michael Nase, Professor für Kunststofftechnologie an der Hochschule und künftiger Institutsleiter. „Und zwar Kunststoffe an sich: Die können biobasiert und zugleich biologisch abbaubar, biobasiert aber nicht abbaubar oder konventionell hergestellt aber trotzdem abbaubar sein“, erklärt der Experte.  

PET-Flaschen immer dünner

Ein zweiter Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit soll nach Nases Aussage auf dem Recycling von Kunststoffen liegen und ein dritter auf nachhaltiger Produktion. „Schon beim einfachen Griff zur PET-Flasche merkt man, dass diese in den vergangenen Jahren immer dünner geworden sind“, sagt er. „Auch das ist nachhaltig, weil einfach weniger Kunststoff benötigt wird.“  

Für Hochschulpräsident Lehmann passt „das Thema genau in unsere Region und das Profil unserer Hochschule“. Schließlich gebe es in Oberfranken zahlreiche Betriebe, die in der kunststoffverarbeitenden Industrie angesiedelt sind. Hier erhoffen sich er und Professor Nase Möglichkeiten zur Kooperation.

Bereits Anfang 2019 soll es gemeinsam mit den Unternehmen der Region ein Wissenstransferprojekt geben, bei dem Vertreter aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der regionalen Firmen Einblick in die Arbeit der Biopolymer-Wissenschaftler erhalten. Und auch zur benachbarten Universität in Bayreuth soll es schon bald enge Verbindungen geben.

Dort besteht bereits ein Lehrstuhl für Biopolymere. „Wobei es dort um ganz andere Bereiche geht“, erklärt Nase. Konkurrenz gebe es da aber keine, bekräftigen die Hofer. Die Bayreuther Forscher würden sich eher den Polymeren widmen, die in der Natur produziert werden, etwa der technischen Nachahmung von Spinnenseide, während die Hofer eingangs erwähnte Kunststoffe im Blick haben.  

Bayreuth als wertvoller Partner

Stattdessen haben die Hofer Biopolymer-Forscher eher die chemische Fakultät der nur 60 Kilometer entfernten Universität im Auge. „In Hof synthetisieren wir keine eigenen Kunststoffe, sondern greifen auf kommerzielle Produkte zurück“, erklärt Nase. Hier könnten die Bayreuther wertvoller Partner sein. „Sie im chemischen Bereich und wir im physikalisch-technischen“, sagt Nase.

Und auch die besonders in Nordostfranken angesiedelte Textilindustrie könne profitieren, sind sich Lehmann und Nase sicher: Immerhin gibt es bereits Verbundstoffe, die Kunststoffe und Naturfasern wie Flachs oder Hanf verbinden, sagt Nase und präsentiert ein dünnes Stück Plastik – ein Exemplar einer Testreihe – aus dem Fasern ragen.

Mögliche Anwendungsbereiche für die künftige Arbeit hat Professor Nase bereits ins Auge gefasst: etwa biologisch abbaubare Mulchfolie für den Garten oder Verpackungsmaterial. Auch das Recycling sei künftig noch ein viel größeres Thema, erklärt der Hochschulprofessor.

So sieht eine neue EU-Richtlinie demnach vor, dass Verpackungen bis 2030 größtenteils recycelbar sein sollen. Und auf eines legt Nase in diesem Zusammenhang besonders Wert: „Wir wollen das sogenannte Down-Cycling vermeiden.“ Das bezeichnet einen Vorgang, bei dem aus recycelten Plastikprodukten niederwertigere Produkte wie Plastikflaschen entstehen. „So tragen wir in Hof einen kleinen Teil dazu bei, dem Mikroplastik in den Weltmeeren Einhalt zu gebieten“, gibt sich Hochschul-Präsident Lehmann zuversichtlich.  

Bis die Hofer voll einsteigen können, kann es aber noch etwas dauern. Derzeit liegt der Ball bei der Landespolitik, wie Lehmann erklärt. Sobald der Bau des Instituts-Gebäudes – und vor allem die Bewilligung des Personals – durch den Landeshaushalt sind, könnten die Bagger rollen. „Realistisch ist ein Baubeginn frühestens in vier Jahren“, sagt Lehmann und gibt damit eine grobe Schätzung über die Planung der Hochschul-Vertreter. Geforscht wird jedoch schon jetzt. Damit dem Mikroplastik eher früher als später der Kampf angesagt werden kann.  


Zur Person: Michael Nase ist Hochschulprofessor für Kunststofftechnologie. Von 1999 bis 2005 studierte er an der Lutheruniversität in Halle an der Saale Werkstoffwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Kunststofftechnik. Anschließend ging er in die Industrie zu einem Produzenten von Verpackungen und promovierte berufsbegleitend zu sogenannten Peel-off-Verpackungen, also Abzieh-Produkten, wie sie etwa bei der Käse- oder Wurstverpackung mittlerweile fast durchgängig im Einsatz sind, und war dort zuletzt drei Jahre als Leiter der Entwicklung tätig. 2013 erreichte ihn der Ruf nach Hof. Seitdem ist Nase dort als Hochschulprofessor und seit 2015 als Studiendekan tätig. 

 

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