In einer neuen Rolle SpVgg-Ex-Geschäftsführer Gruber als Kümmerer

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der SpVgg Bayreuth und Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH Wolfgang Gruber gefällt sich in seiner neuen Rolle: Als Kümmerer und Strippenzieher im Hintergrund. Foto: Peter Kolb

FUSSBALL. "Niemals geht man so ganz“ sang einst die Kölner Legende Trude Herr. Und diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man sich mit Wolfgang Gruber unterhält. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der SpVgg Bayreuth und Geschäftsführer der Altstädter Spielbetriebs-GmbH hat beileibe noch nicht abgeschlossen mit seinem Verein. „Nennen Sie mich einen Kümmerer“, sagt der Arzt im Gespräch mit dem Kurier. Der 51-jährige will nicht ausschließen, in der kommenden Saison wieder auf einen offiziellen Posten, „vielleicht sogar wieder als Geschäftsführer“, zurück zu kehren.

In seiner neuen Rolle geht er so richtig auf. Die Idee einer Kooperation mit dem FSV Bayreuth – wir berichteten – gab es schon lange. „Wir haben schon mit dem vorletzten Vorsitzenden Alexander Just gute Gespräche geführt, und auch jetzt auch sehr gute mit dem neuen kommissarischen Vorstand Jürgen Bauer“, sagt der viel beschäftigte Chirurg. „Von unserer Seite gab es schon immer den Gedanken, dass sich was tun muss. Und mit dem FSV gab es in den letzten Jahren nie Probleme. Der Druck auf die Vereine ist ja immer größer geworden, was auch mit der demografischen Entwicklung verbunden ist. Wir haben die Gespräche unter der Prämisse begonnen, dass keiner in einer starken Position ist“, sagt Gruber, der sich auch vorstellen kann, alte Traditionen über den Haufen zu werfen: „Die Zersplitterung in Kleinstvereine bringt den Bayreuther Fußball in keinster Weise weiter. Aber Fusionen könnten viel bewirken.“ Im speziellen Fall schließt er eine SpVgg FSV Bayreuth nicht grundsätzlich aus. „Aber beim FSV haben jetzt ein paar Personen auf die Bremse getreten. Wobei es nicht die üblichen Verdächtigen waren“, erklärt Gruber mit einem gewissen Schmunzeln. Warum hat man sich nicht um eine Zusammenarbeit mit dem unmittelbaren Nachbarn BSC Saas bemüht? „Die Saaser sind in ihrer Grundstruktur fest eingefahren“, glaubt Gruber, „daran wird sich auch nichts ändern. Und unser Glück kann auch nicht in der Kooperation mit Neudrossenfeld liegen. Wir müssen unseren Fokus auf das Stadtgebiet legen“.

Der Unterbau für Regionalliga-Team muss stimmen

Wenn man den Leistungsgedanken konsequent verfolge, führe kein Weg an der Regionalliga-Mannschaft der SpVgg Bayreuth vorbei. Doch der Unterbau muss auch stimmen. Eine mögliche Kooperation würde mehr Chancen bieten: Zum einen eine starke zweite Mannschaft, die man irgendwann einmal gerne in der Landesliga sehen möchte, zum anderen eine starke A-Jugend. „Da haben wir riesige Fehler gemacht, da war alles nur Stückwerk“, wird Gruber deutlich. „Wir haben zwar das Nachwuchsleistungszentrum, in dem wir uns komischerweise im Ranking sogar verbessert haben, aber in den älteren Altersklassen geht es spürbar bergab.“ Die A-Junioren steigen beispielsweise in die Bezirksoberliga ab. „Wir brauchen uns, obwohl wir die Nummer eins in Oberfranken sind, nicht wundern, wenn die 14-, 15-jährigen Talente abwandern. Weil sie keine Perspektive sehen.“ Da will man nun mit Trainer Timo Rost gegensteuern und neue Anreize schaffen. „Drei A-Junioren werden künftig Vertragsamateure, werden dementsprechend gefördert“, so Gruber. „Und die A-Junioren müssen zurück in die Landesliga und dort nach Höherem streben.“ Das Nachwuchsleistungszentrum müsse „ertragreich“ werden, so dass die Jugendlichen langfristig dem Verein etwas zurückgeben können.

Fehlende Infrastruktur ein Thema

Die fehlende Infrastruktur bei den Altstädtern war ein wichtiges Thema bei den Gesprächen mit dem FSV, der mit dem FC-Gelände gleich fünf Spielfelder beisteuern würde. Gruber kann sich durchaus vorstellen, dort oder beim BSV 98 einen Jugendstandort zu schaffen, wo die NLZ-Teams zusammen mit den anderen Mannschaften gemeinsam trainieren könnten. Und dann steht langfristig ja auch noch die „neue“ Jakobshöhe mit weiteren Plätzen und einem Sportheim im Raum, das dann auch ein „richtiges“ Vereinsleben bieten kann. „Und dann haben wir endlich einmal eine permanente Trainingsmöglichkeit für unsere erste Mannschaft, die derzeit herumvagabundiert“, sagt Gruber.

Altstädter trainieren in neuer Saison fest beim PosT-SV

Damit ist allerdings ab Juli Schluss: Denn dank der Zusammenarbeit mit dem PosT-SV wird dann die Regionalliga-Mannschaft bis auf weiteres auf dem Gelände am Mühlgraben eine Heimstatt finden. „Wir lassen dort ab Mitte April das Spielfeld professionell herrichten“, kündigt Gruber an, „und es wird komplett nur dem Regionalliga-Team zur Verfügung stehen. Dafür zahlen wir auch einen kleinen Obolus“. Die A-Klassen-Mannschaft des PosT-SV wird dann auf der Jakobshöhe spielen und trainieren.

GmbH stand kurz vor der Auflösung

Die neue Euphorie ist natürlich eng mit dem sportlichen Erfolg der Regionalliga-Elf verbunden: „Nach dem Katastrophenstart standen wir im September tatsächlich kurz vor der Auflösung der GmbH“, lässt Gruber wissen. Doch mit dem Trainerwechsel – bekanntlich kam Timo Rost für Josef Albersinger, mit dem man immer noch im Clinch liegt – kam auch der Optimismus zurück. „Die Mannschaft bleibt weitgehend zusammen“, erklärt Gruber, „es wird aber punktuelle Verstärkungen geben“. Trainer Rost, an dem die Altstädter unbedingt festhalten wollen, sei in intensiven Gesprächen mit Kandidaten. „Doch da kommt natürlich eine negative Berichterstattung eher ungelegen“, spricht Gruber einen Artikel in einem Bayreuther Online-Portal an, in dem von angeblichen Problemen bei den Altstädtern die Rede ist. „Der Autor hat meines Wissens vor acht Wochen mit unserem Geschäftsführer Matthias Fleischmann gesprochen und jetzt den damaligen Stand veröffentlicht.“ Wobei Gruber nicht verhehlt, dass es auch Liquiditätsprobleme gegeben habe: „Und darum müssen wir in der kommenden Saison den Etat so aufstellen, dass dies nicht mehr passiert.“ Die Installation eines hauptamtlichen Geschäftsführers steht immer noch an, was auch an den überzogenen finanziellen Vorstellungen der Kandidaten liegt, und auch die Sportliche Leitung soll früher oder später neu besetzt werden.

Dankbar für die neue Tribüne

„Die neue Tribüne ist ein Geschenk, wofür wir der Stadt sehr dankbar sind“, sagt Gruber, der von der neuen Stimmung im Stadionrund begeistert ist. „Und wenn dann noch irgendwann das Flutlicht hinzukommt, könnte man tatsächlich die Leute wieder mehr für Fußball begeistern. Wir müssen auch den einen oder anderen Sponsor für uns gewinnen. Aus einer Arztpraxis oder einer Anwaltskanzlei heraus ist das alles nicht zu betreiben. Das kostet einfach zu viel Geld.“ Dass man bei Freitagsspielen mit Eishockey in Konkurrenz treten würde, ist Gruber bewusst. „Da muss man halt den Spielplan dementsprechend gestalten.“ Das Flutlicht könne man zudem auch für andere Veranstaltungen wie Konzerte nutzen.

 

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