In der ehemaligen Brauerei und Mälzerei sollen 18 Wohnungen entstehen Neues Leben in der Kreuz-Bräu

Bier ist hier schon seit fast 100 Jahren nicht mehr gebraut worden. Trotzdem kennen die Älteren das Gebäude im Kreuz immer noch unter dem alten Namen, einem Namen mit Geschichte: Kreuz-Bräu. Seit Ende 2004 steht das Gebäude, zuletzt Malz- und Kunstmühle und Getränkemarkt, leer. Jetzt gibt es einen zweiten und wohl letzten Anlauf, luxuriöse Wohnungen dort einzurichten. Der Architekt Wolfgang Becher, Motor des Projekts, ist sicher, dass es klappt. Andernfalls ist ein Stück Geschichte wohl Geschichte.

Sein Herz hängt an diesem großen Backsteinbau, der stadtbildprägend ist. Schließlich ist sein Leben eng mit der Kreuzbräu verknüpft: „Ich bin dort aufgewachsen“, sagt Wolfgang Becher.

Fritz Schmidt aus der Bayreuther Brauerdynastie macht sich 1896 auf dem Hügel im Kreuz mit der Kreuz-Bräu selbstständig – mit Brauerei und Mälzerei. In der Nachbarschaft der Aktien-Brauerei, einen Steinwurf weg von der Maisel-Brauerei. Alle gebaut im ähnlichen Stil: Backstein, Sichtmauerwerk, zum Teil wunderschöne Details. Industriearchitektur, wie man sie in Bayreuth nicht mehr so oft findet. 1902 kommt die Mühle dazu.

Gebäude soll vor Abriss bewahrt werden

Bis in die 20er Jahre hinein wird in der Kreuz-Bräu gebraut. Vor 90 Jahren, 1923, ging das Braurecht auf die Erste Kulmbacher Bierbrauerei über: „Die Kreuz-Bräu wurde Niederlage der EKU, so nannte man das damals. Das Bier wurde in großen Fässern geliefert und in Bayreuth auf Flaschen umgefüllt“, sagt Becher. Der 64-Jährige erinnert sich gerne an die Kindheit in der Kreuz-Bräu zurück: „Das war aufregend bis zum Geht-nicht-mehr für uns Jungs. Beim Bierausfahren mit dem Pferdefuhrwerk durften wir mit. Oder zum Eisbrechen auf dem Eisweiher.“

Becher verfolgt seit Ende 2004, als auch die Mühle endgültig schließt, die Idee, das Gebäude durch eine neue Nutzung nicht nur zu beleben, sondern es dadurch auch vor dem möglichen Abriss zu bewahren. Und damit das Ensemble mit der langen Grenzbebauung zum ehemaligen Krankenhaus und der schönen Hofsituation in die Zukunft zu retten. „2008 war schon mal ein Makler dran, doch das hat nicht funktioniert“, sagt Becher knapp.

Deshalb nimmt er es diesmal selbst in die Hand. Mit einem, wie er sagt, „für Bayreuth nahezu einmaligen Modell“: 18 Loft-Wohnungen plus eine Gewerbeeinheit über zwei Stockwerke, die Becher in einem Bauherrenmodell umsetzen will, sollen in dem Backsteingebäude entstehen. „Wohnen in Industriearchitektur gibt es in Bayreuth in der Form nicht. Und das Interesse ist groß. Neun der 18 Wohnungen sind nach nicht einmal zwei Wochen entweder verkauft oder reserviert. Die Penthäuser oben drauf waren sofort weg.“ Für das Projekt, dessen Verwirklichung rund zehn Millionen Euro kosten wird, gründete Becher eine Gesellschaft: „Wenn die 18 Mann beisammen sind, gehen wir – vielleicht schon im Frühjahr – alle zum Notar und beurkunden die Sache. denn wir wollen nicht ins Risiko gehen.“

Umbau soll Ende 2015 fertig sein

Eineinhalb Jahre, schätzt Becher, wird es im Anschluss dauern, das Gebäude zu entkernen, Anbauten zu entfernen, die beiden Aufzugschächte zu bauen, neue Stahlbetondecken einzuziehen, die Tiefgarage mit 36 Stellplätzen zu bauen. „Ende 2015 könnten wir fertig sein. Keine der Wohnungen wird aussehen wie die andere“, sagt der Architekt, denn: „Verkauft wird eine Basisfläche. Eine Wohnung mit Heiz-Estrich, gedämmt, mit Haustür. Den Grundriss der Wohnung kann jeder individuell für sich setzen. Wir haben da schon ein paar schöne Vorschläge erarbeitet.“

Thomas Dressel, der die Immobilien der nach wie vor existenten Fritz Schmidt KG verwaltet und das Gebäude der Kreuz-Bräu an die Bauherrengemeinschaft verkaufen wird, wenn das Projekt Bechers klappt, nennt die Idee charmant. „Man kann schon sagen, dass es die letzte Chance für das Gebäude ist“, sagt Dressel. Zwei Herzen, sagt er, der im Hof nebenan wohnt, schlagen in seiner Brust: „Es ist schon schön, wenn hier Ruhe ist. Aber langfristig kann man das natürlich nicht so lassen.“ Noch steht das Gebäude gut da. „Doch irgendwann kommen sie unweigerlich, die Kosten, die Reparaturen.“ Und das wäre der Punkt, an dem man dann auch über einen Abriss nachdenken müsste. „Wenn nicht neues Leben hier Einzug hält.“

 

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