Im Steinwald heimisch Bald Nachwuchs bei den Luchsen?

MARKTREDWITZ. Im Steinwald lebt seit August 2016 die Luchsin „Fee“, im April 2018 kam der junge männliche Luchs „Hotzenplotz“ hinzu. Nun könnte es im Frühjahr Nachwuchs geben – erstmals in Nordbayern.

Der einsame Steinwald mit seinem hohen Bestand an Rehwild scheint für die streng geschützten Tiere ein idealer Lebensraum zu sein. Die beiden verlassen zwar zeitweise ihr angestammtes Revier, doch sie kehren immer wieder zurück. Der Steinwald liegt südlich des Fichtelgebirges südlich von Marktredwitz. Das Schicksal der beiden ausgewilderten Tiere gleicht sich: Sie wurden im Bayerischen Wald ohne Mutter gefunden, von Menschenhand großgezogen und dann im Steinwald freigelassen, berichtete Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, Eigentümer der Güterverwaltung Friedenfels.

"Es gibt genug Rehe"

Als Besitzer großer Waldflächen im Steinwald unterstützt der Baron das Luchsprojekt, das federführend vom Landesamt für Umwelt in Augsburg initiiert wurde. Die Auswilderung wurde mit den zuständigen Jägern, dem Jagdverband, den Landwirten, den Bayerischen Staatsforsten Waldsassen und Fichtelberg und den Verantwortlichen der Naturparks Steinwald und Fichtelgebirge abgesprochen.

Von Gemmingen-Hornberg, der selbst Jäger ist, sieht keine Konfliktpotenziale. „Im Steinwald gibt es genug Rehe, da bleibt für die Jagd ausreichend übrig“, erläuterte er. „Wir merken nicht, dass mittlerweile zwei Luchse da sind.“ Die überwiegende Mehrheit der Jäger im Steinwald begrüße das Auswildern der geschützten Tiere.

Durch eine Vielzahl von Fotofallen lässt sich das Leben der Luchse gut dokumentieren. Das Männchen ist mit einem leichten Senderhalsband ausgestattet, so können seine Raumbewegungen vom Landesamt für Umwelt gut verfolgt werden. Tagsüber schläft „Hotzenplotz“ in einer Dickung oder an einem der vielen Granitfelsen, nachts jagt er auf der Suche nach Nahrung. Schon nach einer Woche hatte er einen jungen Bock erlegt, der etwa doppelt so schwer wie er selbst war.

"Nachwuchs wäre Sensation"

„Die Wiederfreilassung der mutterlosen Luchse erfolgte erstmalig nicht am Auffindungsort“, berichtete ein Sprecher des Landesamtes. Das inzwischen 18 Monate alte Männchen wird in der kommenden Ranzzeit, im Februar und März, geschlechtsreif. Nachdem auch das Weibchen dasselbe Gebiet nutzt, „ist 2019 Luchsnachwuchs im Steinwald grundsätzlich möglich“, formulierte der Sprecher.

Nach einer Tragezeit von gut zwei Monaten kommen dann ein bis vier, normalerweise aber zwei Junge zur Welt. „Man kann ernsthaft vermuten, dass die beiden sich schon begegnet sind. Sicher ist, dass sich ihre Territorien großflächig überschneiden und sie wiederholt die gleichen Plätze aufsuchen“, berichtete Waldbesitzer Freiherr von Gemmingen-Hornberg. „Nachwuchs wäre eine Sensation. Das wären die ersten Jungtiere im nördlichen Bayern.“

Auch im Fichtelgebirge unterwegs

Aus Daten des Senderhalsbandes ist bekannt, dass das Männchen auch schon im südlichen Fichtelgebirge unterwegs war. Eine Zuwanderung von Luchsen aus dem Bayerischen Wald in das Fichtelgebirge sei bislang nicht dokumentiert. Von der Distanz her wäre dies möglich, allerdings stellen die vielen Straßen, insbesondere die A 6 und auch die A 93, für die Tiere große Barrieren dar, erläuterte der Sprecher des Landesamtes für Umwelt.

Im Monitoringjahr 2017, das bis April 2018 reicht, wurden in Bayern bis zu 18 erwachsene Luchse gezählt. Bei den halbwüchsigen Tieren, die ihr Mutterrevier auf der Suche nach einem eigenen Revier verlassen haben, ist eine leicht steigende Tendenz zu beobachten. Aber es gab in den vergangenen Jahren mehrere Fälle von Wilderei.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading