Im Kreis Kulmbach Mehr Geld für neue Kinderkrippen

Neue Betreuungsplätze für Kleinkinder sollen in den kommenden Jahren entstehen. Krippen-Pläne gibt es in Kulmbach, Himmelkron und in vielen weiteren Kommunen im Landkreis. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

KULMBACH/HIMMELKRON. Krippen liegen voll im Trend. Im Landkreis Kulmbach haben sie nicht nur rund um Weihnachten ihre Hochsaison. Krippenplätze bleiben ein schwieriges Dauerthema in den Kommunen. Um die gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Alter unter drei Jahren zu schaffen, sind Städte und Gemeinden stark gefordert. Sie müssen viel Geld investieren, um den aktuellen Bedarf zu decken. Ein Problem sind die unsicheren Prognosen. Denn niemand kann vorhersehen, wie sich die Nachfrage entwickeln wird.

Noch hat der Boom seinen Höhepunkt nicht erreicht. Die Zahl der betreuten Kleinkinder kennt nur eine Richtung. Große Zuwächse gibt es seit 2007. "Pro Jahr sind zwischen 60 und 70 neue Krippenplätze dazugekommen", sagt Rainer Blüchel von der Kindergarten-Aufsicht und Kita-Fachberatung am Kulmbacher Landratsamt.

Derzeit bieten die Einrichtungen im Landkreis insgesamt 514 Betreuungsplätze für Mädchen und Buben an, die das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Das reicht rechnerisch für 38 Prozent der Kinder in diesem Alter aus.

Neuere Höchststand bahnt sich an

Zwar sei im zurückliegenden Jahr 2018 das Angebot vorerst nicht weiter ausgebaut worden, sagt Rainer Blüchel. Aber es bahnt sich ein neuer Höchststand an. Denn in vielen Kommunen laufen Planungen für neue Krippen. 2019 und in den Folgejahren wollen Städte und Gemeinden die Fördermöglichkeiten ausnutzen und in die Kinderbetreuung investieren.

Der Kulmbacher Stadtrat plant eine neue Kindertagesstätte in der Innenstadt. Dort sollen sieben neue Kindergarten- und Krippen-Gruppen entstehen. Wie es in der Sitzung am Donnerstag hieß, liegt der Schwerpunkt bei der Kleinkinderbetreuung.

In Wirsberg, Ludwigschorgast, Untersteinach und Ködnitz sind neue Krippenplätze im Gespräch. Die Trebgaster Krippe hat ebenfalls einen weiteren Bedarf angemeldet. Allein dort sind zwölf zusätzliche Plätze nötig.

Die Himmelkroner planen eine Komplettlösung, um die Einrichtungen endlich an einem Ort zusammenzulegen. Für die neue Kindertagesstätte Mäuseparadies mit angeschlossener Krippe müsste die Gemeinde eine große Summe stemmen. Bau von Gebäuden und Wegen sowie Grunderwerb belasten den Haushalt voraussichtlich mit rund drei Millionen Euro. Barrierefreiheit, Brandschutz und vor allem die derzeit hohen Preise in der Baubranche treiben die Kosten nach oben.

"Bedarf überrollt uns"

Die Frage, die bei der jüngsten Gemeinderatssitzung im Raum stand: Wird die große Lösung überhaupt ausreichen oder sind schon in einigen Jahren die nächsten Anbauten nötig? "Das hängt vom Buchungsverhalten der Eltern ab", sagte Bürgermeister Gerhard Schneider.

Sicher sei nur, dass zuletzt die Nachfrage extrem gestiegen ist. "Der Bedarf überrollt uns", sagte Schneider. Künftig soll es in Himmelkron drei Gruppen für Kinder im Krippen-Alter geben. Zwei seien jetzt schon ausgebucht. Im Bereich Kindergarten und Hort sei die Lage auf längere Sicht kalkulierbarer. Nicht so bei der Krippe.

Die Gemeinde Himmelkron wirbt um junge Familien. "Wenn sie bauen, brauchen sie zwei Einkommen", erklärte der Bürgermeister. Eltern haben einen Rechtsanspruch darauf, dass sie eine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr erhalten. Gut die Hälfte aller Kinder in dem Alter gehe mittlerweile in die Krippe.

 Eltern suchen verstärkt nach einer Betreuungsmöglichkeit für ihr Kleinkind. Auch der katholische Kindergarten "Unsere Liebe Frau" in der Kulmbacher Innenstadt erhält regelmäßig Anfragen. Dabei gibt es dort gar keine Krippe. Zweijährige können zwar zusammen mit älteren Kindern sogenannte Nestgruppen besuchen.

Anderer Personalbedarf

Für eine Krippe gibt es aber ganz andere Anforderungen. Es braucht beispielsweise einen Schlafraum und ein größeres Bad mit einem gut ausgestatteten Wickelbereich. Auch der Personalbedarf ist bei Krippen ein anderer.

Die Stadt will Abhilfe schaffen. Mit dem geplanten Universitäts-Campus werden Familien nach Kulmbach ziehen, die ebenfalls Betreuungsmöglichkeiten brauchen.

"Neue Plätze zu schaffen ist durchaus sinnvoll", sagt "Die-Kita"-Leiterin Elke Wuthe vom Kulmbacher Diakonie-Verbund. "Die Nachfrage ist ungebrochen", bestätigt sie. Die Wartelisten beim größten Träger für Kindertagesstätten im Landkreis sind seit Jahren lang. Aktuell hat "Die Kita" 40 Kleinkinder auf der Liste stehen, für die noch nach einem Platz gesucht wird.

Hinter der großen Nachfrage stecke der gesellschaftliche Trend, dass Eltern nach der Geburt ihrer Kinder schneller wieder zurück in die Arbeitswelt gehen als früher. "Sie wollen arbeiten und sie können arbeiten, denn der Bedarf an Arbeitskräften ist hoch", sagt Elke Wuthe.

Für die Kommunen sei es schwierig zu planen, weil sie die tatsächliche Nachfrage nicht kennen. Diese liege auf alle Fälle höher als noch vor einigen Jahren angenommen wurde. Dass die Kommunen dabei sind, langfristig ein Überangebot zu schaffen, glaubt Elke Wuthe nicht. Trotz der unsicheren Prognosen seien neue Krippenplätze dringend nötig.


Krippen im Landkreis

Rund 38 Prozent aller Kinder im Alter unter drei Jahren finden im Landkreis Kulmbach bereits einen Betreuungsplatz in einer Krippe. Die Kommunen wollen das Angebot zusammen mit den Trägern weiter ausbauen.

Im Jahr 2007 gab es nach Auskunft des Kulmbacher Kreisjugendamtes 25 Krippenplätze im Landkreis. Aktuell sind es 514.

Eltern haben seit 2013 für ihr Kind ab dessen ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Von 2019 an planen unter anderem Kulmbach und Himmelkron neue Investitionen in Krippen.

 

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