IHK-Umfrage Oberfrankens Wirtschaft drosselt das Tempo

Symbolfoto: Axel Heimken/dpa

BAYREUTH. In der oberfränkischen Wirtschaft zeigen sich zu Jahresbeginn im Umfeld von schwächelnder Inlandsnachfrage und steigenden Auslandsrisiken erste Eintrübungen. Dennoch überwiege bei den Unternehmen weiter der Optimismus, teilte die IHK für Oberfranken in Bayreuth mit. Der IHK-Konjunkturklimaindex gibt demnach um vier Zähler nach und liegt zu Jahresanfang bei 123 Punkten.

Die aktuelle Geschäftslage werde von den befragten Unternehmen erneut positiv bewertet, bleibe aber hinter den Ergebnissen der Herbstumfrage zurück. Dennoch trage das anhaltend hohe Niveau dazu bei, dass der IHK-Konjunkturklimaindex über seinem Mittelwert der letzten zehn Jahre bleibt. 49 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer schätzten ihre derzeitige unternehmerische Lage weiterhin positiv ein, nur neun Prozent seien mit der aktuellen Geschäftslage nicht zufrieden. "Auffallend gute Ergebnisse vermelden der Bausektor und die Dienstleistungsunternehmen, merklich hinter dem Gesamtergebnis notiert dagegen der Großhandel", so IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

"Die Unternehmen blicken etwas verhaltener auf die weitere Geschäftsentwicklung", fasst Hohenner die Konjunkturaussichten zusammen. Konkrete Anzeichen für einen bevorstehenden Abschwung lassen die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage jedoch nicht erkennen. Rund ein Viertel der Unternehmen rechne für die kommenden zwölf Monate mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 16 Prozent würden eine Verschlechterung erwarten.

Mit einem besonders positiven Ausblick warten der Tourismus und der Dienstleistungssektor auf. Auch der Großhandel ist wieder optimistischer, das Baugewerbe hingegen rechnet mit keiner weiteren Verbesserung der betrieblichen Situation.

Mehr im Ausland investieren

In dem derzeit unbeständigen Marktumfeld und der schwer absehbaren Konjunkturentwicklung wachse die Zurückhaltung bei der Investitionsneigung, auch wenn diese erneut leicht gestiegen sei. Ein Viertel der Unternehmen wolle in den kommenden zwölf Monaten im Inland mehr investieren, 13 Prozent der Befragten wollen ihre Investitionen zurückfahren. In der Industrie und im Dienstleistungssektor seien die Investitionsplanungen überdurchschnittlich hoch.

Die oberfränkische Wirtschaft will der Kammer zufolge wieder mehr im Ausland investieren, Hauptmotiv sind Kapazitätserweiterungen und Produktinnovationen.

Die Mitarbeiterzahl der oberfränkischen Unternehmen soll in den kommenden Monaten im Saldo weiter wachsen, der Beschäftigtenzuwachs werde aus Sicht der Unternehmen aber geringer ausfallen als in den Vorjahren. Auffallend sei die Einschätzung der Industrie, die nach einem großen Beschäftigtenzuwachs im Jahr 2018 mit einer Seitwärtsbewegung rechnet. "Der Arbeitsmarkt ist weiterhin nicht in der Lage, die hohe Arbeitskräftenachfrage zu befriedigen", so Hohenner.

Weltwirtschaftsklima wird rauer

Die Auftragsvolumina hätten in den letzten sechs Monaten wenig Potenzial entfalten können und nahmen im Saldo geringfügig zu. Der Blick auf die kommenden Monate falle dagegen recht positiv aus: Für das Inlandsgeschäft kalkulierten 26 Prozent der Firmen mit einem steigenden und 17 Prozent mit einem sinkenden Auftragsvolumen. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen werden auch die Auslandsgeschäfte im Saldo weiter zulegen.

"Noch ist die Konjunktur stark genug, um die vielen Risikofaktoren zu verkraften", so Hohenner. "Brexit, Trump, Fachkräftemangel und eine nachlassende Konjunktur in China und den USA können unsere Unternehmen aber signifikant treffen. Das Weltwirtschaftsklima wird spürbar rauer."

Für 60 Prozent der Befragten bleibe der Fachkräftemangel größter Risikofaktor. Spürbar höher als zuletzt schätzten die Unternehmer die Risiken bei der Inlandsnachfrage ein, gefolgt von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, den Arbeitskosten sowie den Energie- und Rohstoffpreisen (jeweils über 40 Prozent).

"Umso wichtiger ist es, den Blick für die Standortrisiken nicht zu verlieren", so IHK-Präsidentin Sonja Weigand. Eine Auflösung des Investitionsstaus bei Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft und Digitalisierung, die Reduzierung der Steuerlast und eine Entschlackung beim Bürokratieaufwand würden helfen, den Standort Deutschland zukunftssicher aufzustellen.

Sorgen bereiten der Präsidentin, wie die Volkswirtschaften unserer wichtigsten Handelspartner für die Zukunft gerüstet sind. "Bisher verzeichnen wir nur eine Abkühlung der Dynamik. Sollte es aber tatsächlich zu einem zyklischen Abschwung kommen, wäre Deutschland die einzige westliche Volkswirtschaft, die noch über eine gewisse konjunkturpolitische Manövrierfähigkeit verfügt", so Weigand. "Die meisten großen Volkswirtschaften, mit den USA an der Spitze, haben kaum noch funktionsfähige Konjunkturinstrumente, da Zinssenkungen weitgehend ausgeschlossen sind und sich die Staatsverschuldung in vielen Ländern bereits auf Rekordniveau befindet."

 

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