IHK hilft oberfränkischen Tüftlern, ihr Wissen zu sichern - Ratschläge sind enorm begehrt Verstärkte Cyberangriffe aus dem Osten

Der Schutz vor Cyberkriminalität ist in vielen Firmen noch unzureichend. Foto: dpa

Oberfränkische Tüftler schweben in Gefahr, dass ihnen Datendiebe die besten Ideen klauen, wenn dieses Wissen im Computer gespeichert ist. Daher hilft die IHK in Bayreuth mittelständischen Firmen, ihr Know how zu schützen, und die Resonanz auf dieses seit Anfang des Jahres bestehende Angebot der Kammer sei enorm, so Peter Wilfahrt, der Leiter des Referats IT-Sicherheit bei der Industrie- und Handelskammer.

Im letzten Vierteljahr, seit sich die Ukrainekrise verschärft hat, sei zunehmend zu beobachten, dass aus dem Osten "verstärkt Angriffe gefahren werden", sagt Wilfahrt.

Die Informationstechnologie (IT) eines Unternehmens zu sichern, sei so wichtig wie der Feuerschutz, sagt Michael Hange, der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Viele Unternehmen schirmten sich ungenügend vor der sogenannten Cyberkriminalität ab, so Bitkom, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien.

Cyberkriminalität geschieht im Dunkeln; von Datenklau betroffene Firmen schweigen lieber und erstatten keine Anzeige, weil sie fürchten, das Vertrauen ihrer Kunden zu verlieren und einen schweren Imageschaden zu erleiden, heißt es bei IHK und Polizei.

Der Kammer gehe es darum, das Know how der oberfränkischen Unternehmen auch wirklich in der Region und den Wissensvorsprung hier zu halten, sagt Wilfahrt. Ein Unternehmer sollte bestrebt sein, "dass meine Geheimnisse, die ich bei mir im Unternehmen habe, auch wirklich da drin bleiben". Um dabei zu helfen, habe die IHK Anfang dieses Jahres ihr drei Jahre bis Ende 2016 laufendes Projekt Know-how-Schutz und IT-Sicherheit im Mittelstand - kurz KNOW IT - begonnen. Know-how-Schutz bedeute, Patente und Gebrauchsmuster vor unbefugtem Zugriff zu bewahren.

Wilfahrt sagt: "Wir als Oberfranken sind bekannt für unsere Hidden Champions, die extrem wissensbasiert arbeiten." Konzerne wie Siemens könnten sich aus eigener Kraft schützen. Kleinere Betriebe seien da - bis auf Ausnahmen - noch nicht so gut aufgestellt. "Wir begleiten diejenigen, die noch nicht so gut aufgestellt sind, auf dem Weg zur Absicherung." Jeder Weltmarktführer müsse befürchten, ausgespäht zu werden.

"Wenn mir jemand das Auto klaut, habe ich kein Auto mehr, aber wenn mir jemand Daten klaut, dann existiert irgendwo weltweit eine Kopie und ich nehme es im ersten Moment vielleicht gar nicht wahr, dass etwas weg ist", erklärt Wilfahrt. Doch die Täter hinterließen Spuren. So sei erst vergangene Woche bei einem Verein versucht worden, Passwörter abzugreifen. Da seien dreitausend Passwort-Zugriffe innerhalb von 24 Stunden festgestellt worden. Wilfahrt sagt: "Angegriffen wird jeder Internetanschluss, in jedem Moment, das ist Tatsache. Die Frage ist, wie viele kommen durch." Er rät: "Das Geschickteste ist, wenn ich präventiv handle und sage: Okay, ich lasse eine Firewall sowie einen Virenschutz einrichten, damit ich ein gesundes System habe - und niemand reinkommt."

Andererseits könne es passieren, dass ein Mitarbeiter Daten mitnimmt. Das lasse sich unterbinden, indem beispielsweise verboten wird, einen USB-Stick mitzunehmen. Wenn ein Mitarbeiter ausscheidet, "kann ich kontrollieren, ob er sich vielleicht die ganzen Kundendaten noch mal per Mail geschickt hat".

Durch Cyberattacken habe bereits ein Drittel der deutschen Unternehmen Daten verloren, geht aus einer Bitkom-Statistik hervor. Eine GfK-Umfrage im Auftrag der Zurich Versicherung unter Mittelständlern hat laut Fachleuten deutlich gemacht, dass viele Unternehmer immer noch allzu sorglos seien, wenn es darum gehe, sensible Daten zu schützen.Oft scheuten Firmenchefs die Kosten für Sicherheitssysteme, die unterschiedliche Endgeräte wie PCs, Laptops, Smartphones oder Tablets vor Angriffen abschirmen.

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