IHK: Bahn hängt Ost-Oberfranken ab

Der Fortschritt bei der Bahn geht an Ost-Oberfranken vorbei, findet die IHK. Foto: Peter Gisder

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember nimmt die Deutsche Bahn AG die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke von Nürnberg nach Erfurt offiziell in Betrieb. Für die Region bringt die neue Verbindung Vorteile im Nord-Süd-Verkehr, gibt es doch Halte in Bamberg und Coburg. Aus Sicht der IHK für Oberfranken Bayreuth reicht das aber nicht aus.

Zum Teil werden mit dem neuen Fahrplan bestehende Verbindungen gekappt, auch bleibt der Osten Oberfrankens in weiten Teilen außen vor, wenn es um die Anbindung an das Schienenfernverkehrsnetz geht, so die Kammer in einer Pressemitteilung.

"Die Wirtschaft in Oberfranken ist nicht nur auf Zustiegsmöglichkeiten zu einem Schnellzug von München nach Berlin angewiesen. Wir brauchen generell eine schnellere Anbindung an den Schienenfernverkehr", betont IHK-Präsidentin Sonja Weigand in der Mitteilung

Sie fordert, dass es ab Dezember gerade im Ost-West-Verkehr nicht zu Verschlechterungen kommen darf bzw. lange geforderte Verbesserungen nicht weiter auf die lange Bank geschoben werden.

Elektrifizierungslücken hemmen Potenziale

Als Beispiel nennt die IHK-Präsidentin die bestehenden Elektrifizierungslücken auf der "Franken-Sachsen-Magistrale" zwischen Nürnberg, Marktredwitz und Prag sowie zwischen Nürnberg und Dresden, in der auch die Anbindung der Stadt Bayreuth erfolgen soll.

Potenziale im Personen- und insbesondere auch im Güterverkehr werden gehemmt, weil bei Bahnfahrten in Oberfranken nach wie vor ein Wechsel von Elektro- auf Diesellok erforderlich ist.

Chancen vergibt man auch durch den Systembruch an der deutsch-tschechischen Grenze. Bis Eger können die aus Osteuropa kommenden Züge elektrisch fahren, dann muss auf Diesel umgekoppelt werden. Und das, obwohl Deutschland seit 1995 die Elektrifizierung bis Nürnberg zugesagt hat.

Containerverkehr bietet Potenziale für die Region

Gerade der Containerverkehr bietet Potenziale für die Region. "Egal, ob man über die weltweite Anbindung spricht oder den Hinterlandverkehr zu den Nordseehäfen, Oberfranken liegt verkehrsgünstig und könnte durch zusätzliche Wertschöpfung profitieren", ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner.

Notwendig seien aber der Ausbau und die Elektrifizierung der Stecken. Die Ertüchtigung des Streckenabschnitts Hof-Marktredwitz bis Cheb habe dabei sogar einen doppelten Nutzen, da diese Abschnitte auch essentielle Teile der Franken-Sachsen-Magistrale sind.

Schlechter wird die Anbindung an das überregionale Schienennetz auch für die Regionen um Lichtenfels, Kronach und Kulmbach. Die bisherigen ICE-Halte in Lichtenfels und Saalfeld entfallen größtenteils, die von der Bahn als Ausgleich angekündigten IC-und ICE-Verbindungen sind noch nicht komplett umgesetzt.

Todesstoß für Elektrifizierung

Unverständlich ist für die IHK auch die aktuelle Nachricht, dass beim Neubau der Ortsumgehung Untersteinach (Landkreis Kulmbach) die für die Elektrifizierung erforderliche Höhe der Brücken nicht berücksichtigt wird. "So etwas darf es nicht geben. Hier werden 60 Millionen in eine Ortsumgehung investiert, auf Wunsch der Bahn werden die Brücken zu niedrig gebaut", so IHK-Hauptgeschäftsführerin Hohenner. "Damit wird einer möglichen Elektrifizierung der Verbindung Hof-Kulmbach-Lichtenfels-Bamberg von vorneherein der Todesstoß versetzt und ländliche, aber wirtschaftsstarke Regionen auf Dauer vom Schienenfernverkehr abgehängt".

Eine derartige Ignoranz durch die Bahn könne die oberfränkische Wirtschaft nicht akzeptieren. Bereits heute werde jeder zweite Euro von den oberfränkischen Industrieunternehmen mit dem Export verdient.

"Damit das so bleibt, braucht Oberfranken eine wettbewerbsfähige und moderne Verkehrsinfrastruktur für die Warenströme. Wir müssen für nationale und internationale Wirtschaftsräume und Metropolen auch auf der Schiene schnell erreichbar sein. Der Fernverkehr sowie der Regionalverkehr in der Fläche muss intelligent aufeinander zugeschnitten sein", betont IHK-Präsidentin Weigand.

red

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