Holländer-Sänger Nikitin sagt Bayreuth-Auftritt ab Nazi-Tattoo auf der Brust

Der russische Bassbariton Evgeny Niktin ist von seinem Engagement als „Fliegender Holländer“  in der gleichnamigen Oper bei den Bayreuther Festspielen zurückgetreten. Das teilte Festspielsprecher Peter Emmerich dem Kurier mit.

Auslöser war eine Recherche der „Bild am Sonntag“ zu einem Video, das Nikitin als Mitglied einer russischen Metal-Band zeigt - mit kahlrasiertem Schädel und einer Hakenkreuz-Tätowierung auf dem Oberkörper. Die „Bild am Sonntag“ hatte sich mit Fragen an Niktin gewandt – über das Pressebüro der Festspiele, das sogleich die Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sowie das Regie-Team um Jan-Philipp Gloger informierte.

Das Video war zudem Teil eines Beitrags über Niktin in der Kultursendung „Aspekte“, das das ZDF am Freitagabend ausstrahlte.

Eine Jugendsünde

Die Festspielleitung habe Nikitin um ein Gespräch gebeten, dieses habe am Samstagmorgen stattgefunden. Nikitin erklärte, er habe sich die Tätowierungen in seiner Jugend stechen lassen. „Es war ein großer Fehler in meinem Leben und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte. Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen.“ Darum habe er sich entschieden, auf seinen Auftritt bei den diesjährigen Festspielen zu verzichten. Bereits am Nachmittag reiste Nikitin ab.

Große Herausforderungen

Das Regieteam sehe sich nun mit großen Herausforderungen konfrontiert.

Laut Regisseur Jan Philipp Gloger sei die künstlerische Beschädigung der Produktion – auch nach Einarbeitung eines Ersatzes – immens und könne auch bis zur Premiere am kommenden Mittwoch nicht restlos abgewendet werden, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung der Festspiele.

Am Samstagabend soll die Generalprobe der Neuproduktion des „Fliegenden Holländers“ stattfinden, mit der die diesjährigen Festspiele eröffnet werden. Die Rolle des Holländers übernimmt kurzfristig der Bassist Samuel Youn. Er debütierte 2004 als Gralsritter im "Parsifal" in Bayreuth, sang hier 2005 Reinmar von Zweter im "Tannhäuser" und ist seit 2010 als Heerrufer im "Lohengrin" zu hören - auch in diesem Jahr. Ob Youn den Holländer auch in der Premiere singen werde, entscheide sich nach der Generalprobe, so Emmerich.

Die Verzahnung der Festspiele mit den Größen der Nazi-Diktatur in Deutschland markiert eines der dunkelsten Kapitel der Musikgeschichte in Deutschland: Adolf Hitler war regelmäßiger Festspielgast und ließ sich in Bayreuth feiern. Nur mühevoll gelang in den 1950er Jahren ein Neustart der Festspiele. Richard Wagners Musik ist bis heute in Israel unerwünscht. Der Komponist (1813-1883) äußerte sich bei vielen Gelegenheiten judenfeindlich.

  • Video: der ZDF-Beitrag über Evgeny Nikitin

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Montagsausgabe (23. Juli) des Nordbayerischen Kuriers.

fz/Foto: pa

 

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