Hohe Fördersumme Sie suchen nach weichen Maschinen

Unser Bild zeigt (von links) Parag Shah (Dr. Schneider Holding), Prof. Volker Altstädt (Neue Materialien Bayreuth/NMB), Franz Josef Pschierer (Bayerischer Wirtschaftsminister), Prof. Hans Werner Schmidt (Bayerische Forschungsstiftung), Prof. Arndt Bode (Präsident Bayerische Forschungsstiftung), Thomas Neumeyer (NMB), Klaus Krenn (Isosport Verbundbauteile) und Klaus Krauß (Fördervereinigung NMB). Foto: Bayerische Forschungsstiftung

BAYREUTH. Hautweiche Maschinen, leicht zu bedienen: Sense-Skin heißt ein neues Projekt, das die Bayerische Forschungsstiftung fördert. Die Kooperation aus Forschung und Wirtschaft, an der die Neuen Materialien Bayreuth beteiligt sind, wird mit fast 900.000 Euro bezuschusst.

Die Forscher und Unternehmer verfolgen bei diesem Projekt mehrere Ziele. Zum einen wollen sie herausfinden, wie man Bauteile für verschiedene Anwendungen herstellt, deren Oberfläche sich möglichst weich anfühlt. Das Vorbild: Der menschliche Körper, dessen Oberfläche, die Haut, weich ist und die dennoch ein festes Grundgerüst hat.

Unternehmen suchen
 nach neuen Materialien

Das zweite Ziel ist es, Unternehmen den Weg zu ebnen, auf diesen weichen Materialien etwas völlig Neues zu verwirklichen. Ohne Knöpfe, Schalter oder Drehgriffe soll es dem Benutzer einer Maschine, ähnlich wie bei einem Touchscreen, möglich sein, Funktionen auszulösen. Im Auto zum Beispiel kann das bedeuten, dass der Fahrer nur die Innenseite der Tür berührt und somit das Licht einschaltet. Vielleicht schaffen es die Forscher sogar, dass das Navi auf der Mittelkonsole bedient wird und zwar so, dass man sich seltener vertippt als auf dem Touchscreen. 

Die neue Technologie könnte auch in der Klinik genutzt werden. Nach jeder Operation müsse in einem Krankenhaus die Fläche, auf der ein Patient lag, gereinigt werden, so Katharina Krause, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Neue Materialien Bayreuth GmbH (NMB). „Haben Sie schon einmal einen Drehgriff oder einen Knopf gereinigt?“, fragt sie. „Das ist sehr aufwendig, macht überhaupt keinen Spaß und verlangsamt natürlich die Arbeit im Krankenhaus.“ Die Hoffnung sei daher, dass Sense-Skin die Anzahl der Schalter und Knöpfe in modernen Operationssälen reduzieren und dadurch die Arbeit beschleunigen könnte, so Krause. 

Drei verschiedene Schichten verbinden

Unabhängig von der konkreten Anwendung erfordere die Entwicklung dieser neuen Technologie, dass drei verschiedene Materialschichten einwandfrei miteinander verwoben würden, sagt Thomas Neumeyer, Leiter der Abteilung Division Plastics bei NMB. Die unterste Schicht sei die harte Komponente und werde Träger genannt. Das analoge Stück dazu im menschlichen Körper wäre das Knochengerüst. Dieser Träger müsse mit einer weichen Komponente verbunden werden, die wiederum mit einer Deckfolie besetzt werde. 

Die Firma Hexpol TPE GmbH aus Lichtenfels ist dafür verantwortlich, das passende Material zu finden. Dabei unterstützt sie die Universität Bayreuth. Die Isosport Verbundbauteile GmbH mit Sitz im Burgenland in Österreich kümmert sich um die Entwicklung der Deckfolie. Die NMB wird sich damit beschäftigen, wie der Träger, die weiche Komponente und die Deckfolie einwandfrei miteinander verbunden werden können.

Schließlich wird sich die Dr. Schneider Kunststoffwerke GmbH mit Hauptsitz in Kronach-Neuses unter anderem damit befassen, das Spritzgießwerkzeug zu entwickeln, mit dem fertige Bauteile aus den neuen weichen Materialien hergestellt werden können.

Das Projekt Sense-Skin ist ein gemeinsames Forschungsvorhaben der genannten Unternehmen in Kooperation mit den Bayreuther Wissenschaftseinrichtungen. Es gehe darum, dass jeder der Partner neue Kenntnisse erlange, die für ihn von Interesse seien, erläutert Katharina Krause.

Die von der Landesregierung 1990 gegründete und aus den Erlösen der Privatisierung zahlreicher Bayerischer Staatsbetriebe finanzierte Bayerische Forschungsstiftung fördert jährlich 30 bis 40 Projekte. Dabei gilt die Einschränkung, dass nur Projektteilnehmer, die auch in Bayern angesiedelt sind, Fördergelder beanspruchen dürfen. Ein unabhängiges Gremium aus Gutachtern (aus Wirtschaft und Wissenschaft) entscheide über die Bewilligung der Förderung, so Prof. Arndt Bode, Präsident der Bayerischen Forschungsstiftung. Langfristig soll so die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Bayern erhalten und gestärkt werden. 

„Zukunftsträchtige
Technologien“

Franz Josef Pschierer, Bayerischer Wirtschaftsminister, betonte bei der Übergabe des Förderbescheids die Bedeutung anwendungsnaher Forschung für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Bayern. Beispielhaft wies er auf die Konkurrenz chinesischer Unternehmen hin. 

Bei seinen ersten Amtsbesuchen in China seien lediglich Spielzeughersteller und ähnliche Unternehmen anzutreffen gewesen. Mittlerweile gebe es jedoch auch chinesische Unternehmen, die massiv in Technologien investieren würden, die ungeahnte Innovationen hervorbringen könnten. Heutzutage sei China bereits eines der Länder, in denen weltweit am meisten in künstliche Intelligenz investiert würde. 

Die Förderung des Projektes Sense-Skin ist somit als ein Beispiel dafür anzusehen, wie die Bayerischen Forschungsstiftung versucht, Bayern in dem internationalen Wettbewerb, um die Arbeitsplätze von Morgen zu unterstützen.

Der Wirtschaftszweig Neue Materialien, in den auch das Projekt Sense-Skin fällt, gilt als zukunftsträchtig. Dazu sagt Prof. Uwe Glatzel, NMB, Bereichsleiter Metall: „Die Geschichte des technischen Fortschritts ist nicht umsonst nach Materialien benannt. Neue Produkte benötigen neue Materialien, die den technologischen Wandel erst möglich machen.“ 

 

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