Historisches Museum Im Bett mit Erinnerungen an Richard Wagner

BAYREUTH. Ein Wagner-Zimmer im Historischen Museum: Bis Ende Januar sind Möbel aus dem ersten Bayreuther Domizil Richard Wagners in einer Sonderausstellung zu bewundern. Die Möbel – Schrank, Kommode, Bett und zwei Nachttische – stammen aus dem Hotel Fantaisie in Donndorf, wo der Komponist von April bis September 1872 die ersten fünf Monate nach seinem Wegzug aus Tribschen lebte.

Der Komponist war vorausgefahren, seine Frau indes hatte noch letzte Angelegenheiten am Vierwaldstättersee zu erledigen, in Tribschen, dem stattlichen Haus am Rande von Luzern, in dem die Familie sechs Jahre gelebt hatte. Cosima erreichte Bayreuth schließlich am 30. April und sah sich liebevoll begrüßt. „Die Kinder munter“ notierte sie, Hund Rus „gut auf“ und „R. zum Empfang!“ Es ging gut weiter. „Abends gleich auf Fantaisie spazieren, herrlicher Park, noch vollständigere Abgeschiedenheit als in Tribschen.“

Die Wagners könnten in jenen Frühlingstagen des Jahres 1872 vor den Toren Bayreuths das erste Mal den Eindruck gewonnen haben, nicht nur irgendwo zu Gast zu sein; dass sie in keinem „Asyl“ angelangt, sondern dauerhaft angekommen seien, wie Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe bei der Eröffnung der Präsentation am Dienstag sagte.

Dem Zimmer nachempfunden

Zeugen dieser ersten Bayreuther Zeit, als Richard Wagner den Bau seines Festspielhauses in Angriff nahm, sind bis Ende Januar im Historischen Museum zu sehen, in der Nachempfindung des Zimmers, in dem die Wagners im Hotel Fantaisie in Donndorf nächtigten. Eine Kommode, zwei Nachttischchen, ein Doppelbett, ein Schrank – und alles tatsächlich mal von Richard und Cosima Wagner in Beschlag genommen.

Dass die Möbelstücke auch von einem breiteren Publikum angeschaut werden können, liegt auch an Karla Fohrbeck. Sie bezeichnete sich als „Kultur-Detektiv“, was seine Berechtigung hat, da Karla Fohrbeck tatsächlich zahlreiche Kulturproejekte auf den Weg gebracht hat. Sie war es, die die Geschichte des Wagner-Zimmers vor sieben Jahren erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. „Es war ein Geheimtipp, so geheim, dass nicht einmal Jeff Maisel, der Eigentümer des Hotels, davon wusste“, erzählte sie am Dienstag.

Verschiedene Möglichkeiten waren erwogen worden, unter anderem die Aufstellung der Möbel in einem Kongresshotel, das Maisel seinerzeit noch bauen wollte. „Jetzt haben wir den Spatz in der Hand“, sagte Karla Fohrbeck. Da mischte sich eine gewisse Genugtuung mit leisem Bedauern: Wohl können die Möbel dank der zügigen Einigung zwischen Maisel, Stadt und Oberfrankenstiftung bewahrt und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wagnerianer waren entzückt

Doch besser wäre es nicht nur nach Fohrbecks Meinung, wäre die Aura des einstigen Hotelzimmers in etwa erhalten geblieben. Das wäre nur an Ort und Stelle gegangen. Mit dem stattlichen Gebäude aber hat der neue Eigentümer, die Alexander Rothschild GmbH, allerdings eigene Pläne: In dem Hotel sollen Luxuswohnungen Platz finden.

Mit der Schließung des Hotels haben glühende Wagner-Fans einen Höhepunkt ihres Bayreuth-Aufenthalts eingebüßt. Hunderprozentig original war das Zimmer nicht mehr, seine Aura aber genügte noch immer, Wagnerianer zu verzücken, wie die einstigen Pächter Ulrich und Michaela Herath zu berichten wissen. „Es gab einige, die wollten nur deswegen bei uns übernachten, wenn sie in dem Bett schlafen konnten, in dem schon Wagner gelegen hatte“, erzählt Michaela Herath. Und Ulrich Herath kann sich daran erinnern, wie der baumlange SPD-Spitzenpolitiker Björn Engholm nach kurzer Prüfung davon absah, sich in das allzu kurze Wagner-Bett zu falten.

Die Möbel werden nur bis Mitte Januar im Erdgeschoss zu sehen sein. Wohin dann? Das bleibt noch zu klären. Im Richard-Wagner-Museum findet sich kaum Platz dafür, weder konzeptionell noch räumlich. Die Möbel wären dort ebenso aus dem Zusammenhang gerissen wie es im Historischen Museum sind. Immerhin würden sie dort für einen Einschnitt Zeugnis ablegen, mit dem für Bayreuth ein wichtigs Kapitel begann, wie Merk-Erbe noch sagte. Im zweiten Stock, so sagte es Martina Ruppert, Chefin des Historischen Museuns, wäre ein Standort tatsächlich vorstellbar – „direkt gegenüber vom Steingraeber-Flügel“.

 

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