Heroin per Post Kronzeuge kommt mit drei Jahren davon

In einem der spektakulärsten Fälle von Heroinschmuggel der vergangenen Jahre in Bayreuth ist nun ein 26-jähriger Mann als wichtiger Helfer verurteilt worden. Foto: Frank Leonhardt/dpa-Archiv

BAYREUTH. Er war der wichtigste Helfershelfer bei einem der größten Fälle von Heroinschmuggel in den vergangenen Jahren. Im September sagte er im Prozess gegen den Drahtzieher aus, der siebeneinhalb Jahre bekam. Nun stand der Kronzeuge selbst vor Gericht und kam mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren davon.

Die drei Jahre muss der Mann nicht unbedingt im Gefängnis verbringen. Wie auch der gleichaltrige Drahtzieher des Heroinschmuggels ist der 26-Jährige massiv drogensüchtig.

Die Strafkammer des Landgerichts ordnete deshalb eine Drogentherapie in der Entziehungsanstalt an. Sollte der Verurteilte „clean“ werden und Rückfälle vermeiden können, kommt er nach etwa zwei Jahren frei – auf Bewährung.

Straffällig wurde er durch seine Bekanntschaft zu einem gleichaltrigen Mann, der ein der Bayreuther Rauschgiftszene ein Schmuggel-, Handels- und Vertriebssystem aufgezogen hatte, das selbst altgedienten Kriminalbeamten einen gewissen Respekt abnötigte.

Handy angezapft

Dem System kamen die Ermittler nur nach und nach und in mühevoller Kleinarbeit auf die Spur. Am Anfang stand ein Tipp eines V-Manns aus der Szene. Aus der daraufhin angeordneten Telefonüberwachung ergaben sich zunächst keine konkreten Hinweise, aber ein Verdacht: Warum nutzte der Mann so oft ein zweites Mobiltelefon, dessen Nummer nicht bekannt war?

Erst über Umwege gelang es den Ermittlern dieses Handy anzuzapfen. Und sie erfuhren von einem Drogengeschäft im Juli 2017: 200 Gramm Heroin und 50 Gramm Kokain sollten aus den Niederlanden in Bayreuth eintreffen – per Postpaket. Die Ermittler hielten das Paket an – und die Rauschgiftszene wurde nervös. Der Drahtzieher wurde verhaftet.

Nur einmal hatte der Mann in einem abgehörten Gespräch den Begriff „Western Union“ verwendet. Das war der entscheidende Ansatz, das raffinierte System des Drahtziehers offen zu legen: Der Mann hatte einen niederländischen Lieferanten, bei dem er über sein Geheimhandy Rauschgift bestellte. Dann wurde die Lieferung in einer Postfiliale per Bargeldtransfer via Western Union an Empfängernamen, meist in Belgien, bezahlt. Das Rauschgift kam danach per Postpaket nach Bayreuth – zum Teil an Adressaten, die ahnungslos waren, aber auch an zum Teil eingeweihte Personen.

Insgesamt 36 Bargeldtransfers

Erst durch Ermittlungen bei Western Union fanden die Kriminalbeamten die Dimensionen heraus: Insgesamt gab es 36 Bargeldtransfers im Wert von 60.000 Euro. Mit Hilfe des später von den Beteiligten zugegebenen Einkaufspreises von 30 Euro pro Gramm errechnete die Kripo eine eingeschmuggelte Gesamtmenge von zwei Kilo Heroin.

Der nun verurteilte 36-Jährige half dem Drahtzieher vielfach bei den Bargeldtransfers und stellte seine Adresse als Empfängeradresse zur Verfügung. Die wesentliche Gegenleistung für ihn: Stetige Versorgung mit Heroin.

In seinem Prozess gestand er seine Zusammenarbeit mit dem Drahtzieher. Insgesamt half er dem Drahtzieher beim Einschmuggeln von rund 800 Gramm Heroin. Ein 100 Gramm-Paket verschwand auf nie geklärte Art und Weise: Der jetzt Verurteilte will es auf einem Dachboden versteckt haben. Als er es zusammen mit dem Drahtzieher abholen wollte, hatte jemand das Versteck ausgeräumt.

Staatsanwalt Jan Köhler hatte in seinem Plädoyer drei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe beantragt, der Verteidiger Hilmar Lampert zwei Jahre und neun Monate.

 

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