Hawaii-Debüt Anne Haug und Andreas Dreitz starten bei Ironman-WM

Die Anstrengungen waren Anne Haug beim Zieleinlauf nach ihrem Langdistanz-Debüt in Frankfurt deutlich ins Gesicht geschrieben. Auf Hawaii wird es nicht einfacher. Foto: Imago/Patrick Scheiber

TRIATHLON. Vor gerade einmal drei Monaten hat Anne Haug (Team Icehouse) ihr Debüt auf der Langdistanz gegeben. Bei der Ironman-Europameisterschaft wurde sie Vierte. Am Samstag steht die 35-jährige Bayreutherin bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii am Start. Dort bestreitet sie dann ihren zweiten Wettkampf über die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen – und das nicht ohne Chancen auf einen Podestplatz.

Allerdings sind auch jene drei Damen dabei, die am 8. Juli in Frankfurt vor Haug landeten: Die Schweizer Überfliegerin Daniela Ryf (31), die ihren vierten Hawaii-Sieg in Folge anstrebt, die 36-jährige US-Amerikanerin Sarah True, die wie Haug ihr Hawaii-Debüt gibt, und die Australierin Sarah Crowley (35). Weitere starke Konkurrentinnen sind die junge Britin und Vorjahreszweite Lucy Charles (25), die Finnin Kaisa Sali, die ebenfalls 37-jährige Dreifach-Siegerin (2010, 2013 und 2014) Mirinda Carfrae aus Australien sowie die Vorjahresvierte Heather Jackson (34) aus den USA.

Doch wie schätzt Anne Haug, deren eigentlicher Saisonhöhepunkt die 70.3-WM über die halbe Distanz Anfang September im südafrikanischen Port Elizabeth war (Platz drei hinter Ryf und Charles), selbst ihre Chancen ein? „Ich möchte ein solides Rennen machen und es vor allem schaffen, im Laufen etwas näher an mein Potenzial zu kommen, als das noch in Frankfurt der Fall war“, sagte sie dem Tritime-Magazin. Bei der European Championship benötigte die bekannt starke Läuferin nach einem Platten gleich zu Beginn der Radstrecke, der sie knapp zehn Minuten kostete, für den abschließenden Marathon 3:04:32 Stunden – die viertbeste Zeit. Auch wolle sie lernen, Eindrücke und Erfahrungen für das kommende Jahr sammeln.

Eine besondere Herausforderung auf den Strecken durch die Lavafelder um die Kleinstadt Kailua-Kona stellt normalerweise die glühende Hitze dar. Um so gut wie möglich dafür gerüstet zu sein, bereitete sich Haug auf Lanzarote vor. „Auf der Vulkaninsel finde ich ideale Trainingsbedingungen und auch ein heißes Klima vor. Ich bin gespannt, wie ich im Rennen mit den Bedingungen zurechtkomme. Im Training habe ich von Tag zu Tag gemerkt, dass mein Körper die Temperaturen immer besser verträgt.“ Für Samstag sind während des Rennens für Hawaii-Verhältnisse eher moderate 22 bis 25 Grad vorhergesagt.

Im kommenden Jahr ganz vorne dabei sein

Anne Haugs Trainer Dan Lorang will keine Prognose abgeben, außer dass Daniela Ryf wohl überlegen gewinnen wird. Sein Schützling soll dann im kommenden Jahr ganz vorne dabei sein. „In Südafrika haben wir gesehen, dass Anne auch im Schwimmen in der Lage ist, im großen Pulk mit dabei zu sein. Wenn sie das auch auf 3,8 Kilometern zeigt, dann wäre das schon ein großer Sprung in die richtige Richtung“, sagt der ehemalige Bundestrainer, der aktuell auch mit der Radleistung zufrieden ist. „In Frankfurt haben wir gesehen, dass die energetische Umstellung von der Kurzstrecke auf die Langstrecke sicherlich noch etwas Zeit braucht. Aber das Rennen wurde etwas auf den Kopf gestellt, weil Anne nach ihrem Platten einfach deutlich zu hart Rad gefahren ist und damit die Energietanks einfach leer waren.“

Deshalb verrät Lorang, der mit dem ebenfalls von ihm betreuten, diesmal jedoch verletzt fehlenden Doppelsieger Jan Frodeno schon jede Menge Erfahrungen auf Hawaii sammeln konnte, Folgendes über die Rennstrategie: „Wir werden versuchen, das Rennen konservativ anzugehen. Nach dem Schwimmen soll Anne ihr Tempo fahren und sich zurückhalten, damit die Körner fürs Laufen reichen. Wir blasen dieses Jahr sicher nicht zur Attacke, sondern gehen das Rennen mit dem nötigen Respekt an.“

Anne Haug hofft derweil, ihre läuferischen Fähigkeiten auch über die Langdistanz irgendwann gewinnbringend einsetzen zu können. „Mitteldistanz liegt noch sehr nah an der Olympischen Distanz. Langdistanz ist eine komplett andere Sportart. Energieaufnahme, -haushaltung und das richtige Pacing sind entscheidend. Man muss möglichst effizient arbeiten. Das fällt mir noch sehr schwer.“

Top-Ten-Platzierung angepeilt

Andreas Dreitz (SV Bayreuth) ist schon etwas länger auf der Langdistanz unterwegs und gewann gleich bei seinem ersten Start vor gut einem Jahr den Ironman Emilia-Romagna in Italien. Auf Hawaii ist aber auch der 29-jährige Michelauer ein Debütant. Bei der Challenge Roth musste er sich Anfang Juli nur Sebastian Kienle (34) geschlagen geben, der als Hawaii-Sieger von 2014 mit Titelverteidiger Patrick Lange auch heuer wieder zu den Topfavoriten zählt.

Sollte es Dreitz gelingen, sein Schwimmdefizit zur Spitze möglichst gering zu halten, könnte er anschließend seine Radstärke ausspielen. „Ziel ist eine Top-Ten-Platzierung“, sagte er dem Online-Magazin „tri2b.com“. Vor einem Jahr war Dreitz nur als Zuschauer auf Hawaii. „Wenn ich damals in die Gesichter geschaut habe, dann muss da draußen etwas anders sein als bei anderen Ironman-Rennen.“

ZDF überträgt live

Wer das Rennen auf Hawaii mit Anne Haug und Andreas Dreitz am Samstag live mitverfolgen will, der hat gleich zwei Chancen dazu. Das ZDF berichtet ab 18.25 Uhr unter www.zdfsport.de und ab Mitternacht dann auch im TV vom Ironman. Rennstart am Kailua Pier ist für die Profi-Männer um 18.35 Uhr deutscher Zeit, die Frauen gehen fünf Minuten später ins Wasser. Den Zieleinlauf von Haug gibt es aber vielleicht nicht zu sehen. Weil die Übertragung um 3.45 Uhr endet, müsste sie eine Zeit von 9:05 Stunden schaffen. In Frankfurt benötigte sie 9:14:06 Stunden. Bereits am Freitag früh zeigt das ZDF-Morgenmagazin (5.30 bis 9 Uhr) einen Bericht über Anne Haug, inklusive Liveschalte nach Kona.

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