Hasibether fordert NS-Dokuzentrum

Bayreuther Gespräche im Leuschnerzentrum: Beate Michel, Wolfgang Hasibether, Peter Engelbrecht, Dr. Karla Fohrbeck, Lisa Hain und Martina Ruppert. Foto: Andreas Harbach

Die früheren KZ-Außenlager in Bayreuth und Pottenstein sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Dieses Fazit zog die Kulmbacher Lehramtsstudentin Lisa Hain bei den Bayreuther Gesprächen im Wilhelm-Leuschner-Zentrum. Um das Gedenken zu stärken, forderte Wolfgang Hasibether, Vorsitzender der Leuschner-Stiftung, ein NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth noch dem Vorbild anderer Zentren in Bayern.

Die Gesprächsrunde stand unter dem Thema „Für die Zukunft erinnern“. Referenten waren neben Lisa Hain die Publizistin Karla Fohrbeck aus Neudrossenfeld, die Leiterin des Historischen Museums in Bayreuth, Martina Ruppert, sowie Kurier-Redakteur Peter Engelbrecht. Mehr als 30 Zuhörer waren gekommen.

KZ-Außenlager in Oberfranken geraten in Vergessenheit

Die angehende Gymnasiallehrerin Hain untersuchte im Rahmen ihrer Zulassungsarbeit an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg die Erinnerung an mehrere frühere KZ-Außenlager in Oberfranken. Sie kam zum ernüchternden Ergebnis, dass dieses Kapitel der regionalen NS-Geschichte häufig verdrängt werde.

So erinnere in Pottenstein lediglich eine Gedenktafel auf dem Friedhof unter anderem an die KZ-Häftlinge, die von 1942 bis 1945 im Außenlager von Flossenbürg für die SS-Karstwehr schuften mussten.

Bayreuth-Besucher werden nicht über Lagervergangenheit aufgeklärt

Am Schöngrundsee, der von den Gefangenen errichtet wurde, erinnere nichts an die Opfer. Keine Hinweise gebe es auch an der Teufelshöhle, die in Randbereichen von den KZ-Gefangenen ausgebaut wurde. Bürgermeister Stefan Frühbeißer habe auf Anfrage mitgeteilt, dass in der sogenannten Magerscheune, dem früheren Außenlager, bis zum Jahr 2020 eine Ausstellung über diesen Teil der Pottensteiner Heimatgeschichte gezeigt werden solle, berichtete Lisa Hain.

In Bayreuth erinnere ebenfalls nur ein Gedenkstein auf einer Wiese nahe des Nordrings an das frühere Außenlager in der Neuen Baumwollspinnerei. Bayreuth profitiere als Festspielstadt vom Tourismus, Besucher würden nicht über die Lagervergangenheit aufgeklärt, bedauerte Hain.

NS-Pläne: Aufmarschplatz für 65.000 Menschen

Martina Ruppert klagte über den Platzmangel im Historischen Museum, der eine umfassendere Darstellung der NS-Geschichte nicht zulasse. Sie kündigte an, das Modell des sogenannten Gauforums im Maßstab von 1 zu 20, das derzeit im Keller des RW21 lagert, wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Die Pläne der NS-Machthaber sahen ein Gauforum für Bayreuth mit einer Prachtstraße und einem Aufmarschplatz für 65.000 Menschen, umgeben von monumentalen Gebäuden, vor.

Das geringe Geschichtswissen der Jugend bedauerte die Publizistin Karla Fohrbeck. Selbst über die politischen Auseinandersetzungen der 1970er Jahre um den Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, der von Konservativen heftig angefeindet wurde, sei heute bei jungen Leuten kaum etwas bekannt.

Hasibether: Bayreuth ein zentraler Ort der Nazi-Ideologie

Wolfgang Hasibether, der Stiftungsratsvorsitzende der Leuschner-Stiftung, sprach sich für ein Konzept der Erinnerungskultur in der Region Bayreuth aus. Es fehle ein Konzept zur ganzheitlichen Vermittlung verschiedener historischer Gedenkorte und deren Verbindung zu Opfern und Widerstand in der Region.

Hasibether plädierte für ein NS-Dokumentationszentrum Bayreuth. Die Stadt sei ein zentraler Ort der Nazi-Ideologie gewesen. In Bayern gebe es bisher drei NS-Dokumentationszentren wie den Obersalzberg, München und Nürnberg, die durch den bayerischen Staat und das Gedenkstättenprogramm des Bundes finanziert werden. „Es wäre denkbar, ein viertes Dokumentationszentrum in Bayreuth zu gründen“, sagte er.

Bereits 1923 habe Hitler die Wagner-Familie in Bayreuth getroffen, Bayreuth sei der reichsweite Hauptsitz des NS-Lehrerbundes gewesen. Die Wagner-Festspiele seien ab 1933 eine NS-Kultstätte gewesen.

red

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