Handwerk fordert Der Meister muss es sein

Symbolfoto: Matthias Hiekel/dpa-Zentralbild/dpa

BAYREUTH/BERLIN. Es gibt nichts über Meisterarbeit, sagt der oberfränkische Handwerkspräsident Thomas Zimmer, doch für viele Berufe gilt seit 2004 keine Meisterpflicht mehr. Damit hat sich zwar das Angebot vergrößert – der Handwerksverband ZDH aber warnt vor unfairem Wettbewerb.

Der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer dringt daher auf eine generelle Rückkehr zur Meisterpflicht. „Wir können nicht jeden wild drauflosarbeiten lassen“, sagte Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Im Handwerk gebe es eine zunehmende Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. „Seit der Deregulierung braucht man als Rolladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein“, sagte Wollseifer.

„Theoretisch kann jeder einfach einen Auftrag annehmen und machen. Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein.“ Inzwischen seien einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betitelten, aber gar nicht ausgebildet seien. „Und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt.“

Rückkehr rechtlich möglich

Bei dem Thema bewege sich aber etwas, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Handwerks besage, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich sei.

Seit der Deregulierung seien im Handwerk Zigtausende Soloselbstständige dazugekommen. Es komme aber zu Verwerfungen am Markt und Wettbewerbsverzerrungen. „Viele Solo-Selbstständige geben an, dass sie weniger als 17.500 Euro Umsatz haben, damit müssen sie dann den Kunden gar keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Die können ihre Leistungen natürlich deutlich günstiger anbieten als seriös arbeitende Handwerksbetriebe, die die Mehrwertsteuer abrechnen“, sagte Wollseifer. 

Viele Solo-Selbstständige sorgten nicht fürs Alter vor und zahlten keine Kranken- und Unfallversicherung. „Dadurch können sie ganz andere Preise kalkulieren und noch mal fast 40 Prozent günstiger anbieten. So kommt es, dass sie für die Stunde 25 Euro berechnen, und Betriebe, die ihre Sozialversicherungsabgaben leisten, 50 Euro berechnen. An vielen Stellen läuft es in die falsche Richtung. Das sollte begradigt werden.“ 

Der 63-Jährige sagte weiter: „Wenn argumentiert wird, die damalige Deregulierung habe zu einem größeren Angebot an günstigen Handwerksleistungen geführt, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es die Meister-Handwerksbetriebe sind, die die Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung zahlen. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun.“

Pfuscharbeit fällt auf das ganze Handwerk zurück

Auch der oberfränkische Handwerkspräsident Thomas Zimmer (Bayreuth) plädiert für die rasche Wiedereinführung der Meisterpflicht in vielen Berufen. Zimmer leitet die entsprechende Arbeitsgruppe des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Er sagt auf Anfrage unserer Zeitung, gerade bei Fliesenlegern und Raumausstattern sei auch in Oberfranken die Zahl der meisterfreien Betriebe seit der Reform 2004 erheblich angestiegen. 

Die Schattenseiten seien, dass sich jemand „ohne jegliche Qualifikation selbstständig machen kann“ und weniger Nachwuchs ausgebildet werde, weil die Befähigung dafür fehlt. Der Kunde wisse oft nicht, dass die von ihm beauftragte Firma kein Meisterbetrieb ist. „Bei Pfuscharbeit heißt es dann pauschal: Der Handwerker hat’s gemacht, das fällt auf das ganze Handwerk zurück“, beklagt Zimmer.

 

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