Grüne Spitzenkandidatin Wie Katharina Schulze wirkt

Katharina Schulze, 33 Jahre alte Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, will auf dem La-Spezia-Platz in Bayreuth Menschen für Politik im Allgemeinen und für grüne Politik im Besonderen begeistern. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Vieles, das Katharina Schulze sagt, ist „absurd“. Dass trotz Energiewende eine Kohlekommission tagt, dass Inseln von Plastikmüll in den Meeren schwimmen, dass der Windkraft mit einer Abstandsregel der Garaus gemacht wurde. Absurd ist eines der Lieblingswörter der jüngsten Spitzenkandidatin, die die bayerischen Grünen je hatten. Ein anderes ist Mut. Neben solchen Begriffen ist es aber die Leidenschaft, die Menschen für Politik zu begeistern, die von Schulzes Besuch in Bayreuth in Erinnerung bleiben wird.

Die 33 Jahre alte Handballspielerin spricht von Politik wie vom Sport. Die Grünen seien gut trainiert und bereit, so viele Punkte zu machen wie möglich. Zweitstärkste Kraft wollen die Grünen in Bayern werden, ein zweistelliges Ergebnis soll her, bei der Landtagswahl am 14. Oktober. Das könnte reichen für den Einzug von Tim Pargent, den Direktkandidaten der Grünen in Bayreuth und Zweitplatzierten der Oberfrankenliste. Damit das klappt, ist Schulze hier.

 

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80 Interessierte sind gekommen um mit ihr zu sprechen. Über Europa und die Benachteiligung von Frauen. Über Flüchtlinge und rechte Gewalt. Über Flächenfraß und Lobbyismus. Bei Freibier und Teelichtern sitzen Junge und Alte auf dem La-Spezia-Platz zusammen. Über den Köpfen wehen die Europafahnen. Und es sind keineswegs nur Grüne, die gekommen sind. Auch auf den den politischen Nachwuchs anderer Parteien wirkt Schulze interessant.

Schulze wirkt quirlig

Denn die Spitzenkandidatin lacht und gestikuliert viel, wirkt quirlig, redet ohne Punkt und Komma. Blickt neugierig ins Publikum, giert geradezu nach den nächsten Fragen. Schulze will Politik erklären, will Menschen dafür begeistern. Kein Thema, das dafür nicht geeignet sei. Und keineswegs, sagt sie, müsste man gleich den Grünen beitreten. Schulze spricht mit dem Selbstvertrauen einer Spitzenkandidatin, die erstmals in der Geschichte der Grünen 10.000 Mitglieder in Bayern hinter sich weiß. Während Sozialdemokraten und Christsoziale gleichzeitig mit den schlechtesten Umfragewerten aller Zeiten zu kämpfen haben. „Da liegt was in der Luft“, hört man Schulze mehrmals an diesem Abend sagen.

Nie mehr Faschismus

Sie selbst sei vor zehn Jahren aktiv geworden um zu verhindern, dass jemals wieder Faschisten in Deutschland das Sagen haben. Zu wertvoll sei die Errungenschaft, in Europa „frei leben, lieben und arbeiten“ zu können. Schulze nennt sich selbst das „absolute Europa-Fangirl“. Die Reisefreiheit auf dem Kontinent verteidigt sie mit den Worten: „Don’t touch my Schengen“ – Hände weg von meinem Schengen. Und ihren Unmut über geschältes und in Plastik verpacktes Gemüse drückt sie mit den Worten aus: „Are you fucking kidding me?“ – Wollt ihr mich veräppeln? Dass hier eine neue Generation Politiker spricht sieht man nicht nur, man hört es auch.

Mit Vergewaltigung gedroht

Schulze sagt, dass sie wegen ihres Kampfes gegen Rassisten und Populisten im Internet angefeindet wird. Dass ihr, die sich dafür einsetze, dass Frauen die Hälfte der Macht in Deutschland erhielten, anzügliche Bemerkungen gemacht würden. Dass ihr Unbekannte im Internet unverhohlen mit Vergewaltigung drohten. Wie jemand, der so freundlich und fröhlich aussehe, das wegstecken könne, will da ein Mann auf dem La-Spezia-Platz wissen. Sie habe sich eben ein dickes Fell zugelegt, sagt Schulze. Was sie bedauere. Schließlich stumpfe niemand gerne ab.

Zuschauer in den Arm genommen

Davon ist sonst aber nichts zu merken. Schulze wirkt nahbar wie sonst nur wenige. Einen Mann, der die Frauenquote im Landtag auf zehn statt auf 28 Prozent schätzt, nimmt Schulze tröstend in den Arm, sagt: „So schlimm ist es Gott sei Dank nicht.“ Genauso einen jungen Flüchtling, der stolz erzählt, dass er, der erst vor acht Jahren aus Somalia gekommen sei, mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten habe und die Grünen wählen werde.

Zukunft wird aus Mut gemacht

Dazwischen spricht die 33-Jährige immer wieder davon, dass Zukunft aus Mut gemacht werde und dass eine bessere Welt möglich sei, wenn man nur gemeinsam daran arbeite. Dafür brandet Applaus auf. Es scheint, als hätten sich die Menschen auf dem La-Spezia-Platz nach Worten gesehnt, die Hoffnung machen. Nach ein bisschen Optimismus neben all den Schreckensbildern marodierender Rechtsradikaler, die noch wenige Stunden zuvor von Chemnitz aus um die Welt gingen.

Selbst den politischen Nachwuchs anderer Parteien hört man nach eineinhalb Stunden sagen, dass er die Grünen um Politiker wie Schulze beneide.

 

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