Große Baustelle steht bevor Mammutprojekt für Lessau und Lankendorf

Der Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft für Hochwasserschutz und Flurneuordnung in Lessau, Roland Hagen (rechts) und der stellvertretende Vorsitzender für Lankendorf (links), Leonhard Heinz beim Bach in Lessau zum Thema Hochwasserschutz. Foto: Ralf Münch

LESSAU/LANKENDORF. Bunte Linien, Kreuze, Anmerkungen. Die Karte, die die Experten zur Bürgerversammlung nach Lessau mitgebracht haben, ist reichlich gefüllt. Dort sind Regenrückhaltebecken, neue Flurwege und Einlauftrichter eingezeichnet. Denn rund um die beiden kleinen Orte Lessau und Lankendorf wird es große Baustellen geben.

„Wir haben das Verfahren weit nach vorne gebracht, auch wenn noch keine Bagger rollen“, sagt Thomas Müller, Sachgebietsleiter für Dorf- und Flurentwicklung am Amt für ländliche Entwicklung (ALE) Oberfranken vor 25 Zuhörern im Gasthof Schamel. Das Mammutprojekt zur Neugestaltung des Hochwasserschutzes und der Flurwege geht in seine entscheidende Phase.

Von Anfang an eingebunden waren die beiden Landwirte Roland Hagen (39) und Leonhard Heinz (62). Sie gehören der vor gut zwei Jahren gewählten Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft Lessau-Lankendorf an. „Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Projekt“, sagt Hagen, Erster Vorsitzender der Flächenbesitzer aus Lessau. Und Heinz, zweiter Vorsitzender der Lankendorfer Eigentümer, fügt hinzu: „Wir sind besser eingebunden als bei früheren Flurbereinigungen.“

Am Tag nach der Bürgerversammlung zeigen Hagen und Heinz dem Kurier-Reporter Orte, die schon bald anders aussehen sollen. „Beim schlimmen Hochwasser 2006 war der Abfluss mit Treibgut verstopft“, erinnert sich Hagen dort, wo ein Einlaufrechen gebaut werden soll, an den 18. September 2006. Damals überspülte der in Normalzeiten harmlose Würgersbach den 90 Einwohner kleinen Ort. „Da vorne stand eine Garage. Irgendwann war der Wasserdruck so groß, dass das Fahrzeug durch die Wand trieb.“

Bei der Bürgerversammlung erläutern die Experten, wie sie solche Szenen künftig vermeiden wollen. Neben ALE-Vertretern sitzen Markus Münchmeier und Harald Auer vom Ingenieurbüro Münchmeier-Eigner (Erbendorf) sowie Florian Göbet von der Dienstleistungsgesellschaft Landsiedlung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am Tisch. Auch Hans Wittauer (FWG), Bürgermeister der Marktgemeinde Weidenberg, ist da. „Zwölf Jahre nach der Flut wird jetzt richtig Fahrt aufgenommen“, sagt er mit Blick auf den einstimmigen Beschluss des Gemeinderats vom 25. Februar (wir berichteten). Der Hochwasserschutz soll einem Jahrhunderthochwasser standhalten.

Rund um Lessau werden sechs Becken aus Erdwällen gebaut, um Wasser schon in der Fläche zurückzuhalten. „Vom tiefsten Punkt aus wird es sechs Meter hoch sein“, sagt Roland Hagen, der gerade den Hang hinaufsteigt und die Höhe anzeigt. Genau dort, wo das größte Becken mit einem Volumen von 25 000 Kubikmetern entstehen soll.

Insgesamt kosten die sechs Bauwerke, so schätzt Münchmeier, brutto circa drei Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Maßnahmen. Als erstes sollen der Einlaufrechen, der das Treibgut abhält, und vier Fallschächte gebaut werden. Und wer zahlt? „Mindestens 80, vielleicht 85 Prozent der Freistaat Bayern“, sagt Müller. Den Rest übernimmt die Kommune.

Das gilt aber nur für den Hochwasserschutz. Die Flurneuordnung, der zweite große Teil des Mammutprojekts, wird ebenfalls mit 80 bis 85 Prozent gefördert. Die restlichen Kosten treffen die Grundstücksbesitzer, die anteilig pro Hektar beteiligt werden. Florian Göbet präsentiert die aktuellen Pläne. „Dieser Weg soll geschottert werden, hier gibt es einen Seitenstreifen“. Seine Liste war lang.

Und mancher Weg rief auch Kritik hervor. „Ob der wirklich gebraucht wird“, sagte Jürgen Raab aus Lessau. „Das können schnell 20 000 Euro für mich werden“, rechnet er vor.

Eine endgültige Kostenberechnung, so Thomas Müller, gibt es aber noch nicht. „Und wenn ein Weg nicht gewollt wird, streichen wir ihn raus. Sie entscheiden das.“ Roland Hagen und Leonhard Heinz sehen die Kosten als Investition in die Zukunft. „Die Chance auf eine so große Förderung kommt so schnell nicht wieder.“

 

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