Grippewelle trifft Bayreuth

Der Impfstoff gegen Grippe wirkt in diesem Jahr nicht optimal, dennoch rät Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zur Impfung. Die Grippewelle ist in die Bayreuth angekommen. Foto: Archiv/Kay Nietfeld/dpa

Die Grippewelle hat jetzt auch die Region Bayreuth voll erwischt. Innerhalb einer Woche hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle verdoppelt, und sie steigt offenbar weiter an. Am Klinikum ist die Lage angespannt. Geplante Eingriffe werden verschoben, Patienten an andere Krankenhäuser verwiesen. Der diesjährige Grippeimpfstoff wirkt nicht optimal.

Die Grippe nimmt das Klinikum in die Zange: Mehr Kranke bei deutlich weniger Personal. Die Zahl der stationären Influenza-Patienten habe sich auf etwa 35 knapp verdoppelt, teilte Klinikum-Sprecher Frank Schmälzle auf Anfrage mit. Wobei der stärkste Anstieg Ende vergangener Woche verzeichnet worden sei. Allein am Freitag sei bei 23 Patienten Influenza im Klinikum-Labor nachgewiesen worden. Auf der Influenza-Station wurden bis gestern 219 Patienten behandelt.

65 Pfleger erkrankt

Verschärft werde die Lage, weil die Krankheit das Personal des Klinikums nicht verschont. Derzeit fehlten im Pflegedienst 65 Mitarbeiter wegen Grippe oder Erkältung. Gesunde Mitarbeiter verlegten ihren Urlaub und freie Tage, um Personallücken zu stopfen, teilte Schmälzle mit. „In Einzelfällen verweisen wir Patienten (nicht Influenza-Fälle) inzwischen an andere Krankenhäuser und verschieben elektive (nicht dringend notwendige) Eingriffe“, so Schmälzle, der betroffene Patienten um Verständnis bat. Ob der Höhepunkt der Grippewelle erreicht sei, könne man nicht sagen. Das Klinikum bittet Patienten, die sich krank fühlen, zunächst zum Hausarzt zu gehen. Die Notaufnahme arbeite „an ihrer Kapazitätsgrenze“.

Land unter in der Arztpraxis

Allerdings war am Montag auch in der Praxis des Bayreuther Allgemeinmediziners Dr. Ingo Rausch „Land unter“. Bereits in der vergangenen Woche seien mehr Patienten mit Atemwegsinfekten in die Praxis gekommen, seit gestern habe er zudem eine Praxisvertretung übernommen, sagte er dem Kurier. „Ein erheblicher Teil meiner Patienten leidet nicht nur an einem leichten Infekt, sondern an Influenza.“ Antibiotika helfen bei einer Virusinfektion nicht. Rausch kann nur die Symptome behandeln. Patienten bräuchten Ruhe, reichlich Flüssigkeit und vor allem Geduld.

Zwei Tote in Oberfranken

Die Grippewelle hat sich rasch aufgebaut. In der Woche vom 29. Januar bis 4. Februar hatte sich die Zahl der gemeldeten Influenzaerkrankungen in der Region gegenüber der Vorwoche verdoppelt. 114 Fälle registrierte Dr. Klaus von Stetten, Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt Bayreuth, in der fünften Kalenderwoche. Neuere amtliche Zahlen liegen nicht vor. In der ersten Januarwoche waren noch 18 Fälle gemeldet worden. Aber längst nicht alle Grippefälle werden amtlich erfasst.

Auch bundesweit meldet das Robert-Koch-Institut einen deutlichen Anstieg. Bayernweit sind mehr als 6000 Grippeerkrankungen im Winter 2017/18 erfasst. Nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums wurden in der laufenden Grippesaison in Bayern sieben Todesfälle registriert, zwei davon in Oberfranken. Dennoch sei der Verlauf der Grippesaison bislang milder als im Vorjahr. 2016/17 waren zur fünften Kalenderwoche in Bayern sogar mehr als 8600 Grippefälle registriert worden.

Vierfach-Impfung wäre besser gewesen

Im Klinikum Bayreuth wurde überwiegend der Influenza-Typ B identifiziert. Dies könne damit zusammenhängen, „dass der Impfstoff, der überwiegend verabreicht worden war, genau die B-Komponente nicht enthält, die jetzt zu den meisten Erkrankungen führt“, so Schmälzle. Ingo Rausch sagte, Standard bei den Impfungen, die die Krankenkassen bezahlten, sei die Dreifach-Impfung gewesen. „Im Nachhinein betrachtet wäre die Vierfach-Impfung besser gewesen.“ Allerdings falle die Entscheidung über den Impfstoff für eine Grippesaison schon im Sommer davor. „Manchmal landet man einen Volltreffer, manchmal liegt man etwas daneben“, sagte Rausch. Dennoch rät er Patienten auch jetzt noch zur Grippeimpfung.

Huml rät zur Impfung

Das tut auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Dem Kurier teilte die Ärztin auf Anfrage mit, bei der Mehrzahl der untersuchten Grippefälle würden aktuell Influenza-B-Viren der sogenannten Yamagata-Linie diagnostiziert. „Diesen Virusstamm enthält in dieser Saison nur der Vierfach-Impfstoff.“ Ein „gewisser Schutz“ gegen die zirkulierende Influenza-B-Virus-Linie sei aber auch durch die im verabreichten Dreifach-Impfstoff enthaltene B-Linie möglich. Insbesondere bei Hochrisikopatienten, also Menschen mit schweren Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber und Nierenerkrankungen solle in Absprache mit dem Arzt lieber der Vierfach-Impfstoff verwendet werden, den die Kassen laut AOK nur in solchen medizinisch begründeten Fällen bezahlen.. Auch eine Nachimpfung mit dem Vierfach-Impfstoff sei grundsätzlich möglich, so die Gesundheitsministerin.

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