Greiffenberger-Gruppe wird zerschlagen

Wird verkauft: Greiffenberger Antriebstechnik in Marktredwitz. Foto: red

 Die von Millionenverlusten und hohen Schulden belastete Greiffenberger-Gruppe wird zerschlagen.  Zur „Sicherstellung der Konzernfinanzierung“ soll die größte Greiffenberger-Tochter, ABM Antriebstechnik in Marktredwitz, an den Freisinger Mittelständler Senata verkauft werden, teilte das Unternehmen mit. Bei ABM arbeiten über 500 Beschäftigte. Die Senata-Gruppe ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit rund 300 Millionen Euro Umsatz und 1500 Mitarbeitern.

 Greiffenberger hatte wegen hoher Abschreibungen bei ABM im vergangenen Jahr über 25 Millionen Euro Verlust verbucht. Der Wert von ABM war um 21 Millionen Euro korrigiert worden. Beim Konzernumsatz hatte es nur einen leichten Rückgang um 0,3 Prozent auf 151,7 Millionen Euro gegeben. Die Eigenkapitalquote, Indikator für die Kapitalstärke eines Unternehmens, war von 24 auf nur noch 6,7 Prozent gesunken.

ABM brauchte zehn Millionen Euro

Eine Sanierung aus eigenen Kraft war nicht mehr möglich. Allein für die Restrukturierung von ABM sind nach Unternehmensangaben inklusive Sozialplan rund zehn Millionen Euro nötig. Ein Investor wurde gesucht – und nun gefunden. ABM steuerte zuletzt 93,3 Millionen (minus 0,5 Prozent) zum Umsatz der Gruppe bei. Eberle kam auf 43,5 Millionen, BKP auf 15 Millionen.

Der Aufsichtsrat der Greiffenberger AG habe dem Verkauf von ABM zugestimmt, teilt das Unternehmen mit. Die Gegenleistung von Senata bestehe im Wesentlichen in der Entlastung von Verbindlichkeiten und Restrukturierungskosten. Gleichwohl bleibe in der Greiffenberger AG in Relation zur zukünftigen Größe der Gruppe noch eine hohe Verschuldung zurück.

Verkauf im September

Der Vorstand der Greiffenberger AG will jetzt mit dem Käufer und den Finanzierungspartnern der Greiffenberger-Gruppe die notwendigen Verträge, insbesondere den Kaufvertrag über die Anteile an  ABM sowie die Finanzierungsvereinbarungen für die verbleibende Gruppe endverhandeln. Ein Abschluss des Kaufvertrags wird bis Anfang September und dessen Vollzug bis Ende September  angestrebt.

Finanzierung mittelfristig gesichert

 Mit Vollzug des Kaufvertrags könne die für die laufende Sanierung der Greiffenberger-Gruppe benötigte zusätzliche Liquidität aufgebracht und die mittelfristige Finanzierung der Greiffenberger-Gruppe abgesichert werden, heißt es weiter. Gleichzeitig werde jedoch der Teilkonzern ABM, der bislang über 60 Prozent zum Konzernumsatz beigetragen hat, vollständig aus der Gruppe ausscheiden und in die Senata-Gruppe integriert werden. Das bedeute, dass die Greiffenberger-Gruppe an der erwarteten nachhaltigen operativen Verbesserung im Teilkonzern ABM nicht teilhaben werde.

 Die Greiffenberger-Gruppe werde nur noch aus den Unternehmensbereichen Metallbandsägeblätter & Präzisionsbandstahl (Eberle) sowie Kanalsanierungstechnologie (BKP) bestehen. Und das offenbar auch nur für eine gewisse Zeit. Denn: Greiffenberger will auch seinen Kanalsanierer BKP (Velten bei Berlin) verkaufen.

Der früherer Alleinvorstand Stefan Greiffenberger, Sohn des Firmengründers Heinz Greiffenberger, ist seit vielen Monaten erkrankt. Der langjährige Aufsichtsrat Marco von Maltzan hat die Geschäfte bereits im Oktober 2015 übernommen. Die Aktie notierte gestern um 1,30 Euro. Vor gut zwei Jahren war das Papier noch zwischen sechs und sieben Euro wert.

 

Senata:

Die Senata GmbH ist eine inhabergeführte, völlig eigenfinanzierte Holding mittelständischer Unternehmen mit Sitz in Freising. Allein-Gesellschafter und Geschäftsführer ist Werner Folger. Senata wächst kontinuierlich durch den Ausbau und Investitionen in mittelgroße Unternehmen der Metall- und Kunststoffbranche. „Das Engagement wird immer langfristig gesehen und erfolgt nicht unter kurzfristigen Renditegesichtspunkten. Finanzielle Stabilität ist das höchste Gut – vor Wachstum und Größe“, so das Unternehmen über sich selbst. Senata hat derzeit 13 operativ tätige Tochtergesellschaften in Deutschland, Italien, Spanien und England sowie Lizenzpartner in China, Indien und Mexiko. Die Unternehmen sind im Heißpressen und Spritzgießen, in der Metallbearbeitung und der Herstellung von Halbzeugen tätig. 

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