Geschäftsführer im Interview "Weiteres Medi-Wachstum möglich"

Die Bayreuther Basketball-Legenden Derrick Taylor (links) und Michael Koch (rechts) im Rücken, will der neue Medi-Geschäftsführer den Standort Bayreuth auf ein neues Level heben. Foto: Stefan Wolfrum

BASKETBALL. Er hat sich bestens eingelebt. Rund 50 Tage nach seinem Amtsantritt vermittelt Björn Albrecht den Eindruck, als gehöre er schon jahrelang zum Bayreuther Basketball. Der neue Geschäftsführer des Bundesligisten Medi Bayreuth spricht jetzt schon wie selbstverständlich von „unser Standort“, „mein Team“ und „wir hier in Bayreuth“.

Nach 14 Jahren beim fränkischen Platzhirschen Brose Bamberg, zuletzt als Vertriebsleiter, hat der 38-jährige Thüringer eine neue Herausforderung gesucht. Und diese bei einem, wie er sagt, „sehr ambitionierten Projekt“ auch gefunden. Das hohe Niveau, das unter seinem Vorgänger Philipp Galewski erreicht worden sei, möchte er weiter ausbauen. „Den Standort auf ein neues Level heben“, das ist sein erklärtes Ziel. Dabei sollen sich Erfolg oder Misserfolg seines Vorhabens nicht nur an den nackten Zahlen ablesen lassen. Sicherlich sei die Bilanz der Medi-Mannschaft in den unterschiedlichen Wettbewerben ein wichtiger Indikator, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. „Über allem aber steht doch das Ziel: Wir wollen Menschen begeistern.“

Herr Albrecht, als Sie Anfang Oktober in Bayreuth angefangen haben, was hat Sie besonders überrascht?

Björn Albrecht: Ich wusste sehr viel über den Club, insbesondere durch die enge Verbindung mit meinem Vorgänger Philipp Galewski, mit dem ich seit Jahren gemeinsam im Marketing-Beirat der BBL war. Es gab da einen sehr intensiven Austausch. Deshalb sind die großen Überraschungen ausgeblieben. In der Stadt finde ich interessant, dass du die Studenten fast nicht wahrnimmst. In Bamberg, das ja in puncto Größe und Studentenzahl vergleichbar ist, ist das ganz anders. Hier ist das Studentenleben greifbarer. Aber das kann durchaus auch eine Herausforderung sein.

Wie meinen Sie das?

Albrecht: Wir könnten die Plattform sein, auf der sich das studentische Leben von Bayreuth mit dem gesellschaftlichen verbindet. Es könnte heißen: Als Student trifft man sich beim Basketball. Oder auch: Wenn du in Bayreuth studierst, musst du einmal beim Basketball gewesen sein. Unter den Studierenden ist Basketball schließlich die wichtigste Sportart. Und deshalb ist das für uns eine wichtige Zielgruppe.

Das scheint bislang noch nicht so zu funktionieren, wie gerade die geringe Zuschauerresonanz bei den Champions-League-Heimspielen zeigt. Denn gerade hier hatte man ja sehr auf die Studenten gesetzt.

Albrecht: Wir stehen da noch am Anfang. Wir beginnen gerade, zusammen mit der Universität Strukturen aufzubauen. Beispielsweise planen wir einen Studentenspieltag. Beim Heimspiel gegen Straßburg am 19. Dezember bieten wir den Studenten ein günstiges Kombiticket an – erst Oberfrankenhalle, dann Party in der Fabrik. Hier wollen wir schon einige Hundert Studenten in die Halle bekommen. Grundsätzlich ist es mein Wunsch, jeden Platz in der Halle belegt zu haben – unabhängig vom sportlichen Erfolg. Und da spielen Studenten eine große Rolle.

Abgesehen davon, was waren die ganz großen Baustellen, die Sie bei Ihrem Amtsantritt erkannt haben?

Albrecht: Die ganz großen Baustellen gibt es hier nicht. Augenscheinlich aber ist, dass mit dem hohen sportlichen Anspruch mit Bundesliga-Playoffs und Champions-League-Teilnahme die Anforderungen an die Organisation enorm gewachsen sind. Hier müssen wir nachziehen. Es geht da um die Kapazitäten des Back-Office-Bereichs, insbesondere bei der Öffentlichkeitsarbeit. Es geht aber auch um den Breitensport und um die Nachwuchsarbeit. Wenn wir das Thema „Heroes of Tommorow“ weiter mit Leben erfüllen wollen, müssen wir die Präsenz an Schulen steigern, aber auch Strukturen schaffen, um Jugendliche aus der Region an die erste Mannschaft heranzuführen. Auch das Thema Sponsoring wollen wir mehr in die Breite tragen. Möglichst viele Firmen und Menschen sollen in das Thema Basketball integriert werden.

Bleiben wir beim Thema Sponsoring: Es war noch vor kurzem unvorstellbar, dass es hochklassigen Basketball in Bayreuth ohne Haupt- und Namenssponsor Medi geben könnte. Ist das immer noch so?

Albrecht: Wir sind unheimlich froh, dass wir Medi haben. Dass es einen ortsansässigen Hauptsponsor in dieser Größenordnung gibt, der sich in diesem hohen Maße engagiert, ist keine Selbstverständlichkeit. Wir befruchten uns gegenseitig sehr. Inzwischen aber sind wir in der Sponsorenstruktur so breit aufgestellt, dass wir nicht wie an anderen Standorten von einem einzigen Sponsor abhängig sind. Medi sichert uns das Thema Playoffs ab, wir wären aber auch ohne Hauptsponsor weiterhin erstligafähig.

Was Medi für den wirtschaftlichen Bereich ist, ist Trainer Raoul Korner für den sportlichen. Sein Name ist untrennbar mit dem aktuell hohen sportlichen Niveau verbunden. Haben Sie Angst vor der Zeit nach Korner?

Albrecht: Nein. Im Sport passieren so viele Dinge in kurzer Zeit, so dass du immer auf einen Bruch eingestellt sein musst.  Und  wir  wissen  durchaus, dass der Markt mitbekommen hat, was Raoul hier für eine gute Arbeit geleistet hat. Dennoch  habe ich das Gefühl, dass er den Weg auch noch länger mitgehen wird. Und ich habe das Gefühl, dass er sehr daran interessiert ist, eine Struktur mitaufzubauen, die dann noch funktioniert, wenn er nicht mehr da ist.

Noch vor einem Monat gab es Überlegungen, Veränderungen am Kader vorzunehmen. Sind diese Gedankenspiele nach den jüngsten Erfolgen wieder vom Tisch?

Albrecht: Momentan läuft es ja richtig gut, die Mannschaft findet sich und ist in der Lage, Schwächephasen zu überstehen. Deshalb sehen wir momentan wirklich keinen allzu großen Handlungsbedarf, zumal wir nur jemanden holen würden, der uns definitiv auch weiterhilft. Dass wir am Transfermarkt noch einmal was tun, um bei Verletzungen abgesichert zu sein, ist aber auch nicht ausgeschlossen.

Vor dem Hintergrund des relativ schlanken Etats ist das sportliche Niveau jetzt schon sehr hoch. Ist es möglich, es so weiter nach oben zu schrauben, dass man irgendwann wieder um einen Titel mitspielen kann?

Albrecht: Sagen wir so: Es ist auch in Bayreuth grundsätzlich nicht ausgeschlossen, Titel zu gewinnen. Es wäre aber ein absoluter Glücksfall. Momentan sind die Bayern allen anderen deutlich voraus. Wie man ihnen aber gefährlich werden kann, hat in der vergangenen Saison Alba Berlin gezeigt, das einen nicht einmal halb so großen Etat hat wie die Münchner. Die Berliner haben den Bayern einen extrem harten Titelfight geliefert. Das heißt, wenn du gut rekrutierst, wenn die Team-Chemie stimmt und du die Spieler am Standort gut entwickelst, dann kannst du finanzielle Nachteile soweit kompensieren, dass du im Idealfall um einen Titel mitspielen kannst.

Sie sind ja mit dem ambitionierten Ziel angetreten, den Standort auf ein neues Level zu heben. Bedeutet das, Sie möchten ihr Team zum konstanten Playoff-Aspiranten formen?

Albrecht: Das steht schon im Vordergrund, aber unsere Organisation ist weit mehr als nur ein Sportclub. Wir sind eine Marke, wir haben ein Jugendprogramm. Es gibt sehr viele Aspekte, weshalb sich Menschen mit uns verbinden. Alles nur auf die zwei Wochenstunden in der Halle zu reduzieren, wäre mir zu einfach. Sicherlich geht es darum, uns unter den besten acht Bundesliga-Teams zu etablieren und regelmäßig international mitzuspielen. Ich will aber dazu in allen anderen Bereichen einen Schritt nach vorne machen – in der Jugendarbeit, im Breitensport, in der Infrastruktur, in der Kapazität im Back-Office, in der Weiterentwicklung der Spieler. Es gibt da so viele Facetten. Letztlich läuft unser großer Auftrag hier am Standort unter der Überschrift: Wir wollen Menschen begeistern.

Aber sind die rein sportlichen Ziele nicht unrealistisch, angesichts eines Etats von rund 4,5 Millionen Euro?

Albrecht: Deshalb müssen wir auch hier wachsen. Aktuell liegen wir im Vergleich der Etats der Bundesliga-Teams ungefähr auf Platz zehn. Daran kann man sehen, wie sehr wir in den vergangenen zwei Jahren overperformt haben. Aber wenn wir dauerhaft in den Playoffs stehen und international spielen wollen, müssen wir den Etat schon auf eine Größenordnung von sieben bis 7,5 Millionen Euro bringen.

Wie kann das gelingen? Zumal es doch vor kurzem hieß, dass man so gut wie ausvermarktet sei.

Albrecht: Es gibt da schon ein paar Schrauben im Sponsoring, an denen man drehen kann. Beispielsweise arbeiten wir mit einem Konzept, bei dem wir nicht nur klassisches Sponsoring vermarkten, sondern Unternehmen auch eine Plattform für die Fachkräfte-Akquise bieten. Oder einfacher: Du kannst über uns nicht nur deinen Firmennamen bekannter machen, um deine Produkte oder Dienstleistungen an den Mann zu bringen, sondern dich auch als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Das ist gerade in unserer Region ein sehr wertiges Thema. Und dann entwickelt sich der Basketball insgesamt ja auch weiter, es gibt inzwischen auch relevante Umlagen der Liga aufgrund des guten TV-Deals mit der Telekom. Letztlich können alle Effekte zusammen zu diesem angestrebten Budget führen. Wir müssen aber die Kirche im Dorf lassen, weil das alles nur durch harte, nachhaltige Arbeit aller Beteiligten möglich sein wird.

Der angesprochene TV-Deal bedingt offensichtlich aber auch eine schwächere Resonanz in der Halle. Wie begegnen sie diesem Effekt?

Albrecht: Man muss schauen, welche Zielgruppen man mit welchem Motiv in die Halle bringt. Nicht jeder kommt nur des Basketballs wegen. Manch einer möchte unterhalten werden. Der kommt aber nur vier Mal im Jahr. Dem musst du ein anderes Produkt anbieten als dem klassischen Fan mit Dauerkarte, der vornehmlich auf den Sport fixiert ist. Obwohl wir mit unseren Planungen noch am Anfang stehen, bin ich mit den aktuellen Zuschauerzahlen nicht einmal unzufrieden. Schließlich haben wir mit 2200 Bundesliga-Dauerkarten eine neue Rekordsituation geschaffen. Lediglich international ist mit 1000 Dauerkarten noch deutlich Luft nach oben. Aber hier haben wir dann auch die Chance, ganz neue Zielgruppen für unseren Sport zu begeistern.

 

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