Nach den Playdowns Tigers mit beeindruckendem Siegeswillen

Als sich die Anspannung gelegt hatte: Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel (links) und Trainer Petri Kujala feierten in Deggendorf mit ihrem Anhang. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Wer am Sonntagabend in Deggendorf neben Matthias Wendel saß, der muss ihn gehört haben, den Stein, der dem Geschäftsführer der Bayreuth Tigers in der 67. Minute vom Herzen fiel. Da nämlich traf Bayreuths Stürmer Johan Lorraine aus spitzem Winkel exakt die kleine Gasse, die zwischen dem rechten Torpfosten und dem aus der Position geratenen Deggendorfer Torhüter Jason Bacashihua entstanden war. Es war das entscheidende Bayreuther Tor im vierten Spiel der DEL2-Playdownserie, der Klassenerhalt war perfekt. Eine Saison mit anfänglichen Schwierigkeiten und beeindruckender Entwicklung kulminierte in diesem einen Moment. Dabei habe das Erreichen des Saisonziels schon in dieser ersten Runde, so sagt Wendel im Interview mit unserer Zeitung, auf ganz wackligen Füßen gestanden.

Herr Wendel, nehmen Sie uns ein bisschen mit in die Zeit nach der Overtime. Wie wurde gefeiert, war die Party dem realisierten Ziel angemessen. Was haben Sie gehört?

Matthias Wendel: Nicht nur gehört, vielmehr miterlebt. Ich war bis 4.30 Uhr selbst mit dabei, habe mich dann aber leider verabschieden müssen. Und ich war lange nicht der Letzte. Es war ein rauschendes Fest. Einfach großartig.

Sie waren immer positiv. Aber Hand aufs Herz, haben Sie diesmal kurz gezweifelt, als Curtis Leinweber in der 56. Minute das 4:3 für Deggendorf gelungen war?

Wendel: Nicht nur gezweifelt. Ich würde sagen – gebangt. Mir ist da einiges durch den Kopf geschossen. Zu diesem Zeitpunkt waren ja Juuso Rajala und Kevin Kunz schon verletzt ausgeschieden. Und ich wusste, dass beide definitiv am Dienstag nicht würden spielen können, ebenso Martin Heider. Der wäre nach seiner zweiten größeren Strafe gesperrt gewesen. Mir war schlagartig bewusst, wie gefährlich die Situation ist, weil ich auch weiß, in welchen Sog man da hineingeraten kann.

Wie meinen Sie das?

Wendel: Uns hätte am Dienstag nur ein Rumpfkader zur Verfügung gestanden, beispielsweise hat Henry Martens schon am Sonntag im Sturm aushelfen müssen. Vor diesem Hintergrund wäre eine Heimniederlage gar nicht unwahrscheinlich gewesen. Dann hätte es plötzlich 2:3 gestanden, und wir hätten plötzlich gewinnen müssen. All das ging mir auch in den ersten vier Minuten der Overtime durch den Kopf, als uns Deggendorf unter Druck gesetzt hat. Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als uns Johan Lorraine erlöst hat.

Die Frage, ob Sie aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus gerne ein weiteres Spiel in Bayreuth gehabt hätten, erübrigt sich dadurch…

Wendel: Genauso ist es, aber ungeachtet unserer Personalsituation wäre es so gewesen. Wirtschaftliche Überlegungen spielen für mich hier keine Rolle. Ich wollte, dass es möglichst schnell zu Ende ist.

Wieder einmal ist die Mannschaft zurückgekommen, obwohl das Momentum beim Gegner war…

Wendel: Das zeigt den absoluten Willen dieser Mannschaft. Ihr Siegeswille ist beeindruckend.

Was sind weitere Qualitätsmerkmale?

Wendel: Der Charakter und die mannschaftliche Geschlossenheit. Jeder kämpft für jeden. Das habe ich in dieser Form das letzte Mal in Bayreuth erlebt, als wir in die DEL2 aufgestiegen sind. Dass wir zum jetzigen Zeitpunkt schon 13 Spieler dieser Mannschaft unter Vertrag haben – plus Trainer, stimmt mich dementsprechend zuversichtlich.

Nach welchen Kriterien werden die Neuzugänge ausgewählt?

Wendel: Sie müssen uns leistungsmäßig einen Schritt voranbringen. Und sie müssen charakterlich zur Mannschaft passen. Wir wollen eine gute Mischung aus Arrivierten und Jungen, die Petri Kujala noch entwickeln kann. Dass er das kann, haben nicht zuletzt Spieler wie Kevin Kunz und Nicklas Mannes eindrucksvoll bewiesen.

Wann werden Sie weitere Neuzugänge präsentieren?

Wendel: Zwei haben wir schon sicher, können sie aber noch nicht vermelden, da sie in der DEL2 noch im Spielbetrieb stehen.

Rückkehr von Christopher Kasten ausgeschlossen

Eine Personalie, die in Fankreisen heiß diskutiert wird, ist Christopher Kasten, der aktuell noch in Deggendorf unter Vertrag steht. Ist es denkbar, dass er in der kommenden Spielzeit wieder für Bayreuth auflaufen wird?

Wendel: Das ist ausgeschlossen. Wir haben die Akte Kasten vor zwei Jahren geschlossen und werden sie auch nicht wieder öffnen. Außerdem haben wir auf dieser Position keinen Bedarf, da wir schon fünf Verteidiger unter Vertrag haben und für die noch freie Stelle nach einem Spieler mit dem ganz gewissen Etwas Ausschau halten.

Nicht zufrieden können Sie mit dem Zuschauerschnitt sein. 1612 in der Hauptrunde sind angesichts der überwiegend guten Leistungen nicht genug, 4660 kamen in zwei Playdown-Spielen dazu. Was kann man tun, um das in der kommenden Saison signifikant zu steigern?

Wendel: Grundsätzlich sind wir mit dem Schnitt absolut im grünen Bereich, schließlich haben wir mit 1600 kalkuliert. Und auch der Anstieg des Zuspruchs in den Playdowns zeigt, welches Potenzial grundsätzlich vorhanden ist. Da die Zuschauerentwicklung langfristig zu sehen ist und für die aktuellen Zahlen immer die Vorsaison verantwortlich ist, bin ich zuversichtlich, dass wir unseren Schnitt in der neuen Serie steigern werden. Schließlich haben unsere Fans gesehen, wie sich diese Mannschaft entwickelt hat.

Will heißen: Sie werden vor der kommenden Saison ein anderes Ziel formulieren als den bloßen Klassenerhalt?

Wendel: Dafür ist es jetzt noch etwas früh, aber sicherlich werden wir wohl nicht mehr als Absteiger Nummer eins wahrgenommen werden.


Stimmen aus dem Lager der Tigers

Carsten Herrmannsdörfer (Fanbeauftragter): Wir waren mit rund 300 Mann in Deggendorf, Stimmung war natürlich Bombe. Als Ville Järveläinen das 4:4 geschossen hat, hat es sich angefühlt, als hätten wir die Meisterschaft gewonnen. Das war überragend. Auch mit den Deggendorfer Fans gab es überhaupt keine Probleme. Gekippt ist die Stimmung erst nach dem Spiel, als wir mit der Mannschaft feiern wollten, die Ordner aber eher als Deggendorfer Fans denn als Ordner aufgetreten sind. Sie wollten die Mannschaft gar nicht mehr aufs Eis lassen, haben die Eismaschine dann rausgeschickt. Und selbst Petri Kujala wollten sie daran hindern, zu den Fans zu gehen. Das war unterste Schublade. Ich habe dem Leiter des Ordnungsdienstes bei der Verabschiedung dann auch noch einen schönen Bandwurm an den Hals gewünscht, und dass ihn doch ein Blitz auf dem stillen Örtchen heimsuchen soll. Das wiederum fanden die umstehenden Polizisten und auch die Security sehr witzig.

Kevin Kunz (Stürmer): Wir haben absolut würdig gefeiert, zunächst im Bus, dann in der Kabine. Dass wir diese Serie insgesamt so deutlich, aber doch jedes einzelne Spiel immer erst in der Verlängerung gewonnen haben, ist ein Verdienst unseres immensen Willens und der mannschaftlichen Geschlossenheit, die sich im Laufe der Saison zunehmend entwickelt hat. Ich werde jetzt erst einmal Urlaub machen und mich dann auch wieder verstärkt auf mein Studium konzentrieren.

Henry Martens (Verteidiger): Der Gewinn der Serie bedeutet mir sehr viel. Gerade die vier Overtimes. So was habe ich noch nie erlebt. Wir sind an den Playoffs ja gerade mal mit drei Punkten vorbeigeschrammt, da war die Enttäuschung zunächst schon groß. Und dann vier solche Spiele abzuliefern, das war schon stark. Im Gegensatz zu letzter Saison, als wir abgeschlagen Letzter waren, haben wir diese Saison relativ souverän die Klasse gehalten. Aber als Sportler will man natürlich immer besser werden. Wir peilen für nächstes Jahr auf jeden Fall die Play-offs an. Jetzt genieße ich erst einmal noch die Zeit mit den Jungs in Bayreuth und danach geht es für meine Familie und mich nach Hause, wo wir den Sommer verbringen werden und uns auf die nächste Saison vorbereiten.

Sebastian Busch (Stürmer): Es ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen, da ich ja auch noch nächste Saison hier in Bayreuth Vertrag für die DEL2 habe und gerne hierbleiben möchte. Sonntagnacht sind wir so um 1 Uhr in Bayreuth angekommen und saßen dann noch zusammen, haben die Saison Revue passieren lassen und das eine oder andere Bier getrunken. Die nächsten Tage werden erst mal ruhig, wir freuen uns aber schon auf die offizielle Abschlussfeier mit unseren Fans. Für die nächste Saison wollen wir auf jeden Fall eine gute Mannschaft zusammenstellen, was ja jetzt im Ansatz schon gut gelungen ist, und am besten die Playdowns umgehen.“

 

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