Gerüchte gefährden Existenz des Gasthofs

Seit 51 Jahren gibt es den Gasthof Opel in Himmelkron schon, seit einigen Monaten kursieren jedoch Gerüchte, dass der Betrieb schließen soll. „Das stimmt nicht“, stellt Chefin Sieglinde Opel-Ehgartner klar. Denn das Gerücht ist für die Familie längst kein Spaß mehr, sondern bedroht ihre Existenz.

Als die Wirtin zum ersten Mal von den Gerüchten hörte, musste sie noch lachen. Die Familie hatte Anfang Februar fünf Tage lang Urlaub in Italien gemacht, währenddessen wurde eine der Servicekräfte von einem Gast auf die angeblich geplante Schließung des Gasthofes angesprochen. Unsicherheit verbreitete sich unter den 15 Mitarbeitern: War vielleicht doch etwas Wahres dran an dem Gerücht? Doch Opel-Ehgartner konnte ihre Mitarbeiter beruhigen: Der Betrieb werde nicht schließen. „Am Anfang haben wir das für einen Scherz gehalten. Doch mittlerweile geht es um unsere Existenz“, sagt Opel-Ehgartner. 

Entsetzen war groß

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich das Gerücht in Himmelkron. Alle redeten über die angeblich geplante Schließung – nur nicht mit der Wirtin selbst. Sogar bei einer Faschingsveranstaltung in dem Gasthof war es Hauptthema unter den Gästen. Doch jedes Mal, wenn die 57-Jährige oder einer ihrer Mitarbeiter an die Tische kamen, verstummte das Getuschel. Bis Himmelkrons Bürgermeister Gerhard Schneider das Gespräch mit den Gastronomen suchte. „Ich war entsetzt, als ich hörte, dass der Gasthof Opel schließen sollte“, sagt Schneider. Immerhin gebe es in Himmelkron nur drei große Gastronomiebetriebe – und eine Geschäftsaufgabe hätte auch bedeutet, dass die 15 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren würden.

Verschiedene Gerüchte im Umlauf

Immer wieder wurde Schneider bei Veranstaltungen und Gemeinderatssitzungen auf das Gerücht angesprochen. Die Nachricht von der angeblichen Schließung hatte sich weit über Himmelkron hinaus verbreitet. „Erst als ich die Geschichte in verschiedenen Varianten gehört hatte, wurde ich stutzig“, sagt der Bürgermeister.

Beim Metzger erzählte man sich, dass der Gasthof Opel schließe, weil die Familie nach Italien auswandern wolle. In der Kirche hieß es, dass der Gasthof zahlungsunfähig sei und deshalb dicht mache. Am Sportplatz sagte man, dass Familie Opel plane, aus dem Gasthof ein Altersheim zu machen. „Das stand den Gerüchten nach natürlich schon längst in der Zeitung“, sagt Tochter Jasmin Ehgartner. Sogar einen Termin für die Schließung hatte man festgelegt: Angeblich würde Familie Opel am Dienstag, 29. Mai, der Gastronomie den Rücken kehren. „Die Leute sind so erfinderisch, das glaubt man nicht“, sagt Ehgartner.

Bürgermeister ist entsetzt

Immer wieder riefen Gäste aus Nürnberg, Bayreuth, Kulmbach und Hof an, die Angst hatten, dass ihre geplante Veranstaltung ins Wasser fällt. Anfangs waren die Gastronomen entsetzt, später wütend und verzweifelt. Deshalb empfahl der Bürgermeister den beiden Frauen, sofort zu handeln. Er schlug ihnen vor, die Gerüchte mit einem Einleger im Gemeindeblatt zu widerlegen. Auch wenn das den Schaden, den der Betrieb durch die falschen Nachrichten bisher erlitten habe, nicht wiedergutmachen könne. Denn: „Wie lange es genau läuft, wissen wir nicht“, sagt Ehgartner. Sie wissen auch nicht, wie viele Gäste erst gar nicht bei ihnen angerufen haben, um einen Saal für Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen oder Geburtstage zu buchen. Schneider sagt: „So eine Rufschädigung habe ich in den 15 Jahren, die ich bisher Bürgermeister bin, noch nicht erlebt.“

Kein Schuldiger greifbar

So schnell sich die Falschmeldung um die angebliche Schließung ausgebreitet hat, so schwierig ist es, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Opel-Ehgartner und ihre Tochter suchten zunächst nach dem Schuldigen, der das Gerücht in die Welt gesetzt hatte. Doch egal, wen sie fragten, ein Name wurde nie genannt. Die Familie wusste sich nicht mehr zu helfen. Sie ließ einen Einleger für das Gemeindeblatt drucken, auf dem steht, dass das Gasthaus nicht schließen wird. „Wir haben gehofft, das große Feuer in Himmelkron totzutreten“, sagt Jasmin Ehgartner. Mit dem Gemeindeblatt erreichten sie gleich 800 Haushalte auf einmal. Und dann wurde der Familie auch bewusst, wie weit sich das Gerücht bereits verbreitet hatte. Plötzlich wurden sie und ihre Mitarbeiter überall angesprochen – beim Einkaufen, auf der Straße, im Bekanntenkreis.

Gefährliches Spiel

„Das ist wie stille Post“, sagt die 57-Jährige. Was wohl mit einem blöden Spruch am Stammtisch begonnen habe, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. „Und jeder hat noch etwas dazugedichtet.“ Doch für die beiden Frauen ist es kein Spiel – es geht dabei um ihre Existenz. Klar ist: „Man hat versucht, uns tot zu reden.“ Und auch wenn das Thema für Bürgermeister Gerhard Schneider offiziell erledigt ist, so ganz vergessen kann er es nicht. Aber: „Ich kann keine Gerüchte verbieten.“ 

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