Geboren im Kaiserreich Gerda Hildebrandt wird 101 Jahre alt

Im Beisein ihrer Tochter Brigitta Schmidt und Ehemann Werner, links, sowie Bürgermeisterin Simone Kirschner feierte Gerda Hildebrandt ihren 101. Geburtstag. Foto: Gabi Schnetter

HEINERSREUTH. Hineingeboren in die letzten Monate des Ersten Weltkrieges und des Kaiserreiches: Gerda Hildebrandts Start ins Leben ist nicht einfach. Auch als junge Ehefrau und Mutter geht es turbulent weiter. Der Zweite Weltkrieg macht sie zur Witwe. Immer wieder muss sie umziehen. Am Donnerstag feiert sie im Seniorenheim ihren 101. Geburtstag. Und allen Widrigkeiten zum Trotz hat sich die Jubilarin weder Lebensmut noch Freude nehmen lassen.

Unverblümt sagt sie die Wahrheit, scherzt und trinkt gerne ein Glas Sekt mit ihren Gästen. Fein herausgeputzt sitzt sie auf ihrem Bett und freut sich über den Besuch. Auch heute noch achtet sie darauf, dass das, was sie anzieht, gut zusammenpasst, und ab und zu wird eine neue Bluse bestellt.

Ständchen auf der Harmonika

Georg Weydenhammer spielt ihr ein Geburtstagsständchen auf der Harmonika. Gerda Hildebrandt, die immer gern getanzt hat, bedankt sich mit Küsschen. Bürgermeisterin Simone Kirschner überbringt auch die Grüße von Ministerpräsident Markus Söder und dazu eine vergoldete Silbermedaille mit Patrona Bavariae darauf. Und auch ihr gibt die Jubilarin einen Tipp mit auf den Weg: „Lass’ dich nicht unterkriegen.“

Mit 18 geheiratet

Geheiratet hat Gerda Hildebrandt mit 18 Jahren. Zwei Mädchen brachte die gebürtige Bayreutherin zur Welt. Der Ehemann war im Kriegseinsatz und ist dann in Gefangenschaft verstorben. Das war 1944. Die letzten Kriegstage erlebte sie in Kassel. Die Stadt, immer wieder von Bombardements überzogen. Mit zwei kleinen Kindern floh sie von einem Luftschutzbunker in die nächste Unterkunft. Bei einem Bauern fanden sie am Schluss Unterschlupf. Tochter Brigitta Schmidt sagt: „Sie hat sich immer zu helfen gewusst, nie unterkriegen lassen. Und sie war sich für nichts zu schade. Hat auch selbst das Dach mit gedeckt, als die Ziegel nach einem Bombenangriff auf der Straße lagen.“

Zurück in die alte Heimat

Nach dem Krieg zieht es die Witwe zurück in die alte Heimat Bayreuth. Dorthin wo sie schon als Jugendliche als Statistin bei den Festspielen mitgewirkt hatte. „Vom Parsifal gibt es sogar noch ein Bild.“ Das war 1968.

Vorher schon, 1952 hat Gerda Hildebrandt wieder geheiratet und die jüngste Tochter Brigitta Schmidt kommt zur Welt. „Wir waren immer das Dreimäderlhaus,“ sagt die heute 66-Jährige. Die älteste Schwester ist vor ein paar Jahren gestorben, die mittlere lebt heute in New Jersey, USA. Von der Geburtstagsfeier dreht Brigitta Schmidts Ehemann Werner deshalb auch einen kleinen Film. „Der geht heute noch nach USA.“

Silberne Luftballons

Das kleine Zimmer im Seniorenheim ist liebevoll geschmückt. Vor dem Fenster hängen silberne Luftballons, die die Zahl 101 bilden. Häppchen stehen bereit zwischen farbenfrohen Blumensträußen und Bildern. „Vielleicht wird sie ja 110 Jahre alt, dann müssen wir die Ballons nur umstellen,“ meint Werner Schmidt und muss lachen. Die agile Jubilarin stimmt das Lied „Oh du lieber Augustin“ an und freut sich sichtlich des Lebens.

 

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